Beerentartelette


Es ist mir sehr bewusst, daß die Beerensaison langsam zu ihrem Ende kommt. Das wäre an sich nicht schlimm, aber jedes Jahr trauere ich den verpassten Gelegenheiten nach, etwas Gutes daraus herzustellen. Auch nehm ich mir immer vor, von wilden Brombeersträuchern eine richtige Ernte einzufahren und zu verarbeiten, aber den genauen Zeitpunkt hab ich bisher noch nicht hinbekommen.

Also nahm ich gestern früh auf dem Markt an einem Gemüsestand, der außerdem viele Beeren und Steinobst aus der Region und Pfifferlinge wie Steinpilze anbietet, eine Schale roter Johannisbeeren und eine mit Heidelbeeren und zwei Pfirsiche mit, in einem Laden später komplettierte ich die Beerenauswahl mit italienischen kernlosen Trauben.

Zuhause angekommen stürzten sich diese verdammten Fruchtfliegen sofort auf die Beute und veranlasste mich sofort Verarbeitungspläne zu machen.

Im Teubner Handbuch Backen, ein Buch dessen Fehler ich schon öfters beim Zubereiten entdeckte, fand ich ein Rezept für Beerentorteletts. Das hab ich als Vorlage benutzt. Hat ausnahmsweise auch geklappt 🙂

Teig:

220 g Mehl

125 g kalte Butter in Stücken

50 g Puderzucker

1 Ei

Mark von 1/2 Vanilleschote

1 Prise Salz

abgeriebene Schale einer halben Bio-Zitrone (die waren aus, ich hab Abrieb von Dr. Oetker genommen)

 

Den Teig hab ich brachial mit dem Mixer zusammengewurstelt, weil im Rezept stand, daß das auch geht. Danach hab ich die Teigkugel in Cellophan eine halbe Stunde im Kühlschrank geparkt.

Dann wurde der Teig in 8 Teile geteilt und jedes Teil wurde ausgerollt, um in die kleinen Tarteletteförmchen zu passen. Im Rezept steht, der Teig sollte 4mm dick sein, das klappt.

Ich hatte sowieso nur 7 Förmchen, also war genug Teig da.Dann mußte ich Backpapier für die Böden zuschneiden und meine Cannellini Bohnen als Beschwerung mißbrauchen 🙂

Die Förmchen wurden dann blindgebacken. Danach kam die vorher angerührte und abgekühlte Creme in die Schälchen.

 

Zitronencreme:

65 g weiche Butter

65 g Zucker

Saft und Schale einer Bio-Zitrone (dito: Saft ja, Schale kam vom Großbackfürsten)

1 Ei

100 g Sahne

 

Alle Zutaten vermengen, erwärmen und stocken, aber nicht aufkochen. Bei mir war es hart an der Grenze (es gab eine Nabelschnur die garte und wegmußte), also nahm ich mein feinstes Sieb (ein Bratpfannen-Spritzsieb) und trieb die Creme da durch in eine Schüssel. Perfekt!

Jetzt kam die Creme in die Schälchen, hat auch mengenmäßig geklappt, dann die gewaschenen Beeren und Trauben dazu, Fototermin, und dann fiel mir ein, ach ja die haben ja Puderzucker… noch ein Foto und ab in den Kühlschrank.

Heute hab ich eins probiert: Die sind eine Wucht!

Ach ja – ich hab natürlich vergessen sie aus der Form zu holen ehe ich sie füllte, aber auch gefüllt ließen sie sich ohne Sauerei drehen und herausnehmen.

 

Beerentartelette 1

 

Beerentartelette 2

 

Beerentartelette 3

Ostern 2015


Für insgesamt 6 Personen hab ich am Ostersonntag gekocht. Es war eine lustige Gruppe, die viel Spaß miteinander hatten und den Nachmittag bis zum frühen Abend mit Schlemmen und Erzählen verbrachten. Die meisten Gerichte hab ich schonmal vorgestellt, nur die Hauptspeise und das Dessert sind ganz neu.

Manche Sachen hab ich nochmal ein bißchen anders gemacht, um sie noch feiner zu machen.

Der erste Gang war eine Antipasti/Mezze/Tapas Ansammlung: Auf dem ersten Bild sieht man Alici, die genialen marinierten Sardellen, und ein Pulpocarpaccio von der Frau des Fischhändlers selbst hergestellt. Dem Carpaccio fehlte ein klein wenig Säure, aber ich hab noch welchen da und kann das korrigieren.

Alici, Pulpocarpaccio

Vom italienischen Laden um die Ecke nahm ich Salami, Coppa, Spianata Calabrese und Lardo mit. Den Lardo hab ich nicht hier aufgetischt, sondern ihn später für ein anderes Gericht gebraucht.

 

Salami Coppa SpianataSelbstgemacht ist aber das Tapagericht Gabanzos con Chorizo oder Kichererbsen mit Chorizo. Es läßt sich sehr leicht herstellen.

Eine 400 g Dose Kichererbsen abgiessen und waschen, in eine Schüssel geben.

1 Knoblauchzehe und eine mittlere Zwiebel fein würfeln, mit 4 El Olivenöl dünsten, ohne Farbe nehmen zu lassen,

Ein Ring Chorizo von 250 g (ich hab eine pikante genommen) häuten und in Würfel von 1 cm Kantenlänge schneiden, zur Zwiebel-Knoblauchmischung geben und die Chorizowürfel langsam auslassen. Die Paprika sind die Original Pimientos del piquillo, die es hier aus dem Glas gibt. Es handelt sich hier um eine kleine rote Spitzpaprikaart, die aus einer bestimmten Gegend in Spanien kommen und gerne zum Füllen, zum Beispiel mit einer Stockfischcreme, benutzt werden. Man findet sie aber auch in der Spezialitätenabteilung gut sortierter Supermärkte oder noch besser, beim Spanier um die Ecke, so es einen bei euch gibt. Diese Pimientos werden in feine Streifen geschnitten und zu den Kichererbsen gegeben (etwa 6-8 Stück, je nach Größe). Wenn ihr keine findet bratet ihr roten frischen Spitzpaprika in Streifen langsam an, bis er weich ist. Jetz nur noch eine Handvoll glatte Petersilie hacken und alle Zutaten miteinander vermischen. Zum Schluß einen oder zwei El Sherryessig dazu und am besten über Nacht ziehen lassen. Bei Zimmertemperatur servieren, damit sich die Aromen entfalten können.

Ein Gast fragte kritisch was das denn sei und ob man das auch essen könne. Nach dem ersten Löffel war es um ihn geschehen und er hat alleine mehr als die Hälfte der Schüssel verputzt. Und hat erst aufgehört, als ich ihm sagte, er solle langsam machen, es kämen noch 6 Gänge…

Kam sehr gut an.

 

Garbanzos con chorizo

Diese Mezze hab ich letzten Sommer im Buch Mezze-ein magischer Genuss im GU Verlag entdeckt und zu einem BBQ mitgebracht, wo es eine kleine Sensation ausgelöst hat.

Hier war es ähnlich- die Stücke waren quasi sofort vergriffen, und hätte ich 3mal soviel gemacht, wären die auch weggewesen.

Es sind Wassermelonenscheiben, jeweils mit einem Spritzer Limette, darauf ein Stückchen Feta (Natur, vom griechischen Spezialitätenstand), darauf dann ein bißchen Limettenabrieb und ein Thymianzweigchen. Die Kombi ist genial!

 

Wassermelone Feta Limette Thymian

Der zweite Gang war ein verbessertes Spargelcremesüppchen.

Zutaten waren 1,5 l selbst gekochte Hühnerbrühe, sowie 2 l Gemüsebrühe, auch selbstgekocht (Die Hühnerbrühe hatte ich noch im Froster). Die beiden Brühen hab ich aber wieder auf die Hälfte eingekocht.

Ein ganzer Bund grüner Spargel sowie die unteren 10 cm, geschält) von zwei weiteren Bünden, die ich in kurze Stücke schnitt.

Die Spitzen hab ich abgeschnitten und gesondert gegart, den Rest hab ich in die Brühe gegeben, gar ziehen lassen und ausgiebig mit dem Stabmixer püriert.

Dann wurde ein kleiner Becher Sahne steif geschlagen, und etwa ein Drittel unter die Suppe gerührt.

Zum servieren hab ich dann nochmal einen Kleks Sahne dazugegeben, in der Hoffnung, das Wölkchen würde den Spargelkopf tragen – man kann ihm beim Untergehen zuschauen…

Das Bild ist sehr diffus geworden, aber die Suppe war sehr fein, sahnig und aromatisch.

 

Spargelcremesuppe

Der dritte Gang

Einer meiner Gäste kann, wie schon im letzten Jahr, Pasta nichts abgewinnen (Kindheitstrauma o.ä.).

Dafür hab ich im letzten Bloggerjahr festgestellt, daß wieder eine neue Sau durchs Dorf gejagt wurde, nämlich die Mode um die Hasselback-Kartoffel.

Ich hab das Ding hauptsächlich auf amerikanischen Seiten gesehen, es ist aber wohl eine schwedische Erfindung. Wie auf dem Bild wird die Kartoffel mit nah aneinanderliegenden Schnitten fast komplett durchgeschnitten. Und in diese Spalten kann man dann Kräuter, Knoblauch, Salz und Pfeffer oder auch anderes Drücken. Ich hatte frischen Bärlauch statt Knoblauch, und hab es geschafft in jede dritte Spalte etwas Lardo (grüner Speck, hauchfein) hineinzupfriemeln. Ein paar Nadeln Rosmarin wurden auch noch hineingeschmuggelt, dann ein herzhafter Schuß Olivenöl und dann in Alufolie in seiner Terrine etwa 1,5 Stunden bei 180 C in den Ofen. Mein Gast war sehr angetan davon. Ich selbst hab sie noch nicht probiert, aber das muß ich wohl bald nachholen.

 

Hasselback Kartoffel Bärlauch Lardo Rosmarin

Für uns Normalsterbliche gab es Penne alla puttanesca.

Zutaten sind Datterinitomaten aus der Dose von Mutti, Kalamataoliven mit Stein, Kapern, eine Schalotte, eine Knoblauchzehe, 4 Sardellenfilets, die mit Zwiebel und Knoblauch angebraten und aufgelöst werden. Dann noch ein Schluck Weißwein und sie ziehen lassen und die Tomätchen aufschneiden. Was fehlt, weil ich es vergessen habe, war meinen Basilikumstrauch zu opfern.

Was auch fehlt, aber nur weil ich das Foto schon in der Küche gemacht habe, der Parmesan. Den gabs als Brocken bei Tisch mit dem Käsehobel dabei.

 

penne alla puttanesca

Der vierte Gang bestand aus einer Bio-Hähnchenbrust, gefüllt mit einer halben Walnuss, umhüllt von einer halben getrockneten Feige, umwickelt von einem Stück Coppa (im Original ist es ein Stück Rinderschinken namens Bistirma, das dem Bündnerfleisch anscheinend ähnlich ist). Die Brüste wurden in einer Grillpfanne auf beiden Seiten angebraten und im Ofen in etwa 12 Minuten fertiggegart.

Die Sauce bestand aus Hühnerbrühe, 100 g getrockneter Aprikosen, 2 Schalotten,2 Zweige Rosmarin, Pfeffer, Salz und Cayenne. Außerdem gibt es im Rezept noch 1 Tl Granatapfelsirup, den ich aber nicht dahatte. Stattdessen hab ich die relative Süße der Sauce mit einer kleinen Handvoll Berberitzen versucht, zu konterkarieren.

Sie blieb aber relativ süß. Interessanterweise wurde ich gefragt, ob ich Gewürze wie Zimt dazugegeben hätte, aber das hatte ich nicht. Ich denke die Aprikosen hatten der Sauce eine gewisse Komplexität gegeben.

Dazu gab es die restlichen Spargel mit Bärlauch. Das Rezept ist wieder aus dem Buch Mezze von GU.

Das Hähnchen mit der Füllung hat gut funktioniert und hat auch schön rund und überraschend geschmeckt. Die Sauce würde ich das nächste Mal anders machen.

 

Hähnchenbrust Feige Walnuss Coppa Spargel Aprikosensauce

Das Dessert war der HAMMER!

Das rote in der Mitte ist ein Blutorangensorbet von David Lebovitz, einfach und genial.

900 ml selbst gepresster Blutrangensaft, 180 g Zucker aufkochen, abkühlen lassen, kalt stellen, in die Eismaschine, dann in den Froster.

Am besten, man nimmt sich 2 Tage Zeit.

Für den Crepeteig

90 g Mehl, 1/2 Tl Salz, ! Tl Backpulver, 2 El Puderzucker zusammen sieben.

2 Eier mit 150 ml Milch, 120 ml Wasser und einem1/2 Tl Zitronenabrieb aufschlagen.

Dann die Mehlmischung einrühren, am besten ein paar Stunden im Kühlschrank ziehen lassen.

In einer guten (meine Gußeiserne) Pfanne ein Stückchen Butter schmelzen und eine schlanke Menge Teig hineingeben.

Gerademal soviel, daß der Boden benetzt ist. Warten bis die Oberseite trocken ist und Blasen wirft, dann wenden. Im Ofen warm stellen.

Bei mir hat die Mischung für 7 Crepes gereicht.

Die Zitronencremefüllung wird so gemacht:

2.5 EL Speisestärke, 130 g Zucker1/4 Tl Salz in 120 ml Wasser oder Orangensaft auflösen.

3 El Zitronensaft und 1/2 Tl Zitronenabrieb dazugeben, dazu noch einen El Butter.

In einer Schüssel 5 Minuten über kochendem Wasser rühren. Dann einen Deckel drauf geben und weitere10 Minuten köcheln lassen.

Von der Hitze herunternehmen, 3 leicht geschlagene Eigelbe schnell verrühren, wieder auf die Hitze und weitere 2 Minuten unter ständigem rühren auf dem Herd lassen.

Dann herunterziehen und weiterrühren, bis sie nur noch warm ist.

Die Creme läßt sich gut vorbereiten, ich hab sie abgedeckt bei Zimmertemperatur stehen lassen und sie problemlos 4 Stunden später aufgeschlagen und auf den Crepes verteilt.

Die hab ich dann gerollt, zerteilt und angerichtet.

Möglicherweise der beste Gang des Tages, aber auf alle Fälle ein krönender Abschluss mit einer Tasse Mokka dazu.

Nächstes Jahr gerne wieder!

 

Crepe Zitronencreme Blutorangensorbet