Bühne/Theater


Die Bühne ist vom malerischen Gesichtspunkt aus gesehen ein schöner Rahmen, um ein Schauspiel in Szene zu setzen.

Kulturschaffende sollten ja den Künsten im allgemeinen aufgeschlossen sein, aber dem ist nicht so. Weder bei mir, noch bei vielen anderen Kunstschaffenden.

Bei mir ist es besonders schlimm: Ich unterteile die Künste in drei Kategorien- Top-So Lala-Interessiert mich nur, um ein Kreuzworträtsel zu lösen.

Zu Top gehört Malerei, Skulptur, Musik, Literatur. So Lala beinhaltet Musical, Ballett, Film, Ikebana, Origami. Die letzte Kategorie ist reserviert für Theater, oder schlimmer, Komödienstadel und Fernsehen. Ach ja, Videoinstallationen, die zur neuen Kunst gehören langweilen mich auch. Da hab ich lieber Zahnschmerzen.

Warum ist das so? Keine Ahnung. Ich weiß nur, daß ich als Jugendlicher ein, zwei Stücke gesehen habe, die mich begeisterten, aber als ich kunstbeflissen als Kunstschüler ins Mannheimer Nationaltheater ging, bin ich bei Maria Stuart/Schiller eingeschlafen, nachdem ich fast eine halbe Stunde kein Wort verstanden hatte. Das wurde auch nicht besser.

Ganz schlimm war, später in einer Wohngemeinschaft zu wohnen, in der ein Requisiteur (und später ein Bühnenbildtechniker) und eine Balletttänzerin wohnten.

Natürlich waren viele Gespräche aufs Theater ausgelegt. Die paar Male, wo ich mit dabei war, konnte ich an einer Hand abzählen. Es gab zwar auch gute Momente einer Aufführung, aber meistens wäre ich lieber anderswo gewesen, zum Beispiel in einem Blues- oder Jazzclub 🙂

Ich hab mir Gedanken gemacht, was mich an diesen Medien stört. Wohlgemerkt: Mich. Theater und Fernsehen sind visuelle Medien, bei denen Zeit zwischen Anfang und Ende vergeht. Während dieser Zeit müssen eine Menge Menschen unter Leitung eines Einzelnen versuchen, dessen Willen umzusetzen. Dabei kann alles Mögliche schiefgehen. Mir geht es regelmässig so, daß ich mich für Szenen, egal ob Film oder Theater, regelrecht fremdschäme. Ich kann es nicht ertragen, das Ende oder die peinliche Szene vorauszuahnen. Ich möchte die Protagonisten anschreien:Tut es nicht! Es führt ins Verderben! Und so kann man natürlich keine Tragödie ruhigen Herzens geniessen.

Musik gibt mir die Gelegenheit, in eine Welt ohne Bilder einzutauchen und mir meine eigene Vorstellung zu machen. Bei den bildhaften Künsten vergeht nur beim Betrachten Zeit, aber das Werk ist schon fertig, es liegt also an mir, Zeit zu investieren.

Literatur hat mich mein Leben lang begleitet. Es ist eine schwierigere Disziplin, aber ich bin regelmässig begeistert ob der Vielfalt der Stimmen (der Schreiber).

Vielleicht hat meine Liste auch etwas damit zu tun, daß Kunst, Literatur und Musik in ihrer Schaffensphase einsame Disziplinen sind, Theater, Musical, etc. aber nicht. Sie leben von Proben und Konsensbildung.

Nachdem ich also genügend das Nest beschmutzt habe, zeige ich eine Szene, ganz allgemein gehalten und eingerahmt von einer Bühne 🙂

 

 

Die Arbeit wurde auf einem Multifunktionskarton gezeichnet. Es sind Ölpastelle, die hier hauptsächlich zum Einsatz kamen. Unterstützend wurden Linien ausgekratzt. Der Unterschied zwischen den intensiven und den pastellartigen Bereichen wurde damit hergestellt, das ein Teil der Farben/Flächen mit Terpentin angelöst und verdünnt wurden. Die Bühne ist grob angedeutet, die gelben, roten und blauen Punkte stehen für den „Zauber“, andere sagen das Chichi, das auf der Bühne entfacht wird und so vielen Menschen gefällt. Das Maß beträgt 23,5x 31,5cm.

Blitzballett


Das heute vorgestellte Bild ist ein frühes, gemalt während meiner Zeit an der Kunstschule. Ich suchte damals nach Malgründen, die ich mir leisten konnte und die eine gut Malfläche abgeben.

Meine Wahl fiel auf Hartfaserplatten von 5mm. Die waren dick genug, sich nicht gleich zu verziehen und boten genügend Widerstand, daß man relativ frei darauf malen konnte.

Allerdings machten sie auch mehr Arbeit. Man mußte sie von beiden Seiten grundieren nachdem man die glatte Seite angerauht hatte und diese Seite anschliessend mit einem Leinöl-Terpentin Gemisch einlassen.

Nachdem diese sehr aromatische Mischung getrocknet war, konnte man darauf malen.

Das Thema des Bildes ist erst einmal die Landschaft, und zwar der Blick auf den Emmertsgrund bei Heidelberg, wo ich zu der Zeit mit meiner Familie wohnte. Diesen Blick, und auch den entgegengesetzten, nämlich den von oben ins Tal hab ich einige Male gemalt und auch gezeichnet.

Der Auslöser aber, genau dieses Bild zu malen, war aber eine Autofahrt zum Emmertsgrund von Sandhausen oder der Richtung kommend, während ein Gewitter auf uns niederging.

Es war ein majstätischer Anblick – überall auf dem Emmertsgrund, einer erhabenen Hügelkette, prasselten die Blitze ein, nicht nur einzelne, sondern ganze Blitzcluster und erhellten die Nachtlandschaft mit ihrem grellen Licht.

Es sah aus wie eine große Inszenierung, und so hab ich es auch versucht, zu malen, mit einer großen Ordnung und einem Rhythmus, dem alles im Bild untergeordnet ist.

 

Ganz oben die blauen Dreiecke zeigen den Himmel an, darunter sieht man die verschiedenen Hügel in denen darunter der Emmertsgrund eingebettet ist. Die Hochhäuser (der Emmertsgrund ist eine Hochhaussiedlung) wurden durch die Farben Gold, Silber und Rot dargestellt. Darunter sieht man die Wingerte unterhalb des Emmertsgrunds, wo auch Wein angebaut wird. Die große graue Kurve links im Bild ist die Strasse, die in den Emmertsgrund führt, der gelb rote Kasten rechts unten im Bild ist das Einkaufszentrum in Heidelberg-Süd, ein (ehemaliges) Famila-Center.

Die Blitze sprechen für sich.

 

Die Arbeit hat die Größe 50×80 cm, es wurde mit Ölfarben gemalt. Das Entstehungsjahr ist 1982.

Hexenkessel


Das ist ganz wörtlich gemeint. Heute zeige ich ein weiteres Wasser (Flüssigkeits) bild. Es gehört aber auch zu den Bildern, die ohne Konzept anfangen und sich dann entwickeln. Ich benutzte für diese Arbeit Ölpastelle, die ich gerne benutze, weil sie so buttrig in der Verwendung sind. Allerdings hab ich sie nicht ganz klassisch eingesetzt, sondern immer wieder den Pastellauftrag mit Terpentin und einem Pinsel verwaschen habe und dann wieder weitere Akzente gesetzt. So entstanden verschiedene Schichten in verschieden dicken Aufträgen, die sich dann fast wie von selbst in Hinter-, Mittel- und Vordergrund fügen.

Dadurch konnte ich die Wasserrippeln (das Wort gibt es wirklich!) darstellen, und auch die aufsteigenden Blasen in der Bildmitte.

 

Die Hintergrundfarbe ist Neapelgelb, eine berühmte klassische Farbe (die in jedem Ölfarben- und Ölpastellkasten dabei sein sollte. Es ist nicht so sehr ein leuchtendes Gelb, sondern eher ein helles Beige, wie gelber Sandstein vielleicht. Durch die Beschränkung der Farbpalette auf die Farben Neapelgelb/Chromoxidgrün/Ultramarinblau und dann Weiss und Schwarz entwickelte sich die dargestellte Flüssigkeit zu einer giftigen Brühe 🙂  Es gibt allerdings noch ein Chromgelb und ein Hellblau, das eingesetzt wurde. Das benutzte Aquarellpapier wurde mit Gesso grob grundiert, daß es noch Struktur aufwies, statt ganz glatt zu sein. Man sieht an einigen Stellen, daß die Struktur des Gessos durchkommt. Nachdem ich mit der Mischung von gemalten Flächen und zeichnerischen Elementen zufrieden war, liess ich das Bild auf mich wirken.

Ich bin kein Theatergänger und war mit kleinen Ausnahmen von den Theaterstücken, die wir im Gymnasium jedes Jahr lesen mussten, ziemlich gelangweilt oder genervt. Aber nach einem Schulwechsel bekam ich einen Englischlehrer, der anfänglich zwar ziemlich unerträglich war, aber mit dem ich mich nach ein paar Wochen zusammenraufte. Er las mit uns zwei Theaterstücke in dem Jahr, das erste war „Macbeth“ von Shakespeare. Wir lasen es in Englisch. Als Amerikaner war es für mich eine reine Freude, weil ich mich auf die Sprachmelodie konzentrieren konnte, weil ich es natürlich nicht übersetzen musste.

Der Lehrer führte uns an all die sprachlichen Besonderheiten im Stück heran, und mit jeder Unterrichtsstunde entdeckte ich von mir aus mehr. Ein tolles Erlebnis!

Jedenfalls bezieht sich der Titel des Bildes auf den vierten Akt, erste Szene, in der die drei Hexen ihren Hexenkessel rühren und in ihm den Zaubertrank kochen, der ihn in sein Verderben schickt.

Allerdings ist das Gedächtnis ein unzuverlässiges Gut: bei mir heißt es „bubble, bubble, toil and trouble…“, im Original allerdings heisst es richtiger „double, double toil and trouble…“

Zu meiner Verteidigung kann ich nur sagen, daß die Arbeit 2014 entstand, der Unterricht über Macbeth aber 1976 stattfand und ich es seit der Zeit nicht mehr in der Hand hatte. Die Paraphrase passt sowieso besser zu dem „Hexenkessel“ 🙂       Das Bild misst 23,5×31 cm, das Passepartout misst 40×50 cm.

Nachtkrapp


In den 80er Jahren malte ich ein paar Bilder, die versuchten in der Tradition von Goya oder auch den Surrealisten Inneres nach aussen zu kehren.

Dabei fiel mir eine alte Angst ein, die mir als kleiner Bub eingeimpft worden war. Unsere erste Wohnung in Deutschland lag in einem kleinen Ort im Odenwald in der Nähe von Weinheim namens Unterflockenbach, das heute Gorxheimertal heisst. Ich war dort zwischen 3 und 6 Jahre alt und erlebte an sich eine Naturidylle mit Bach, viel Natur und Wald, und Kindergartenfreundschaften.

Aber es gab auch die Dörfler, die teilweise sehr rabiate Erziehungsmethoden hatten… und ich war eher sensibel 🙂

Jedenfalls wohnten wir in einer Einliegerwohnung oberhalb einer Gastwirtschaft und die Gastwirte, ein Mutter/Tochtergespann ohne Männer schauten nach mir, wenn meine Eltern arbeiteten.

Daher kam es vor, daß ich (in der dunklen Jahreszeit) erst dann nach Hause konnte, wenn es draussen schon dunkel war. Es waren zwar nicht mehr als 10-15m bis zur Treppe in den 2. Stock, aber die Dörfler machten sich einen Spaß damit zu sagen, daß, sollte ich mich nicht beeilen, der Nachtkrapp käme um mich zu holen.

Viel später hab ich recherchiert, daß dieser Nachtkrapp, ein sehr großer Rabenvogel, fast überall in Deutschland und Österreich als Mythos unterwegs war (und vielleicht noch ist).

Ich kann mich jedenfalls dran erinnern, daß ich nie schneller gelaufen bin als damals mit echter Angst im Nacken.

Die Angst vor dem Nachtkrapp hat sich irgendwann  gelegt, aber die Nachwirkungen hab ich immer wieder gespürt. Ich bin früher manche Abende mit dem Fahrrad durch den Wald gefahren, gerne auch ohne Dynamo, weil es dann schneller ging und die Nachtsicht irgendwann einsetzte. Wenn es aber dann hinter einem zu knacken begann, war das alte Gefühl auf einen Schlag da, irrational und groß.

 

Es gibt hier eine Vorzeichnung mit Bleistift, für die Übermalung benutzte ich Ölpastellstifte von Caran d’Ache teilweise hab ich sie gelassen wie sie waren, aber teilweise hab ich sie mit einem Pinsel mit Terpentin übermalt, weil der das Wachs auflöst und einen malerischeren Ductus erlaubt.

Ich wollte in dem Bild hauptsächlich die Dynamik der Bewegung und das Gefühl der Bedrohung wiedergeben, das ich damals empfand.

Das Bild hat eine Größe von 27×34 cm, das Außenmaß des Passepartouts ist 40x50cm. Das Papier ist nicht grundiert. Das Entstehungsjahr ist 1987.