„But their book says: burn and destroy those unbelievers on the other side…“


Was ich heute zeige, ist wieder eine Landschaft. Sie fügt sich ein in die vielen Phantasie-Landschaften, die eher Ausdruck von Innerem als Darstellung von Äußerem sind.

Somit stellt sie keine reale Landschaft dar. Gleichwohl könnte es sie irgendwo auf der Welt geben.

Viele Kunstschaffende lassen sich von den anderen Ausdrucksformen oder  Künsten beeinflussen. Oft gibt es ganz wunderbare Ergebnisse, wenn sich Künstler voneinander beeinflussen lassen. Ich bin schon immer stark an Musik interessiert gewesen. Da ich auch beim zeichnen gerne Musik höre, konnte es nicht ausbleiben, daß die Musik/der Text sich auf die Arbeit niederschlagen.

Der Titel ist vielleicht irreleitend, deshalb ein paar Worte dazu:

Das Teilzitat ist von „Dumb all over“, einem wegweisendem Lied/Rap vom Album „You are what you is“ von 1981. Der ganze Text lässt sich hier nachlesen.

Der Text ist in Anbetracht der politischen Entwicklung der letzten 16 Jahre (eigentlich länger) ziemlich visionär. Er beschreibt die Situation, in der Fanatiker der großen Religionsgemeinschaften zum Krieg gegen den religiösen Gegner aufrufen, wobei beide Seiten sich (natürlich) auf das jeweilige „heilige“ Buch beziehen. Er kommt zu dem Schluss, daß wir uns dumm verhalten, und, weil das Buch behauptet, wir seien in seinem Antlitz erschaffen, folgt daß wenn wir dumm sind, muss es Gott ebenfalls sein (und vielleicht noch häßlich dazu) -„Dumb all over and a maybe little ugly on the side“

Ich bin ein großer Zappa Fan und mochte schon immer seine politischen Kommentare. Ich möchte zwar niemandem zu nahe treten, wenn es um seinen Glauben geht, ich habe es aber auch nicht gern, wenn religiöse Gruppen Sonderregeln für sich in Anspruch nehmen wollen. Das gilt für alle Religionen – ich bin nicht religiös und betrachte zuviel Religion als eine Gefahr für ein demokratisches Staatsgefüge.

Aber genug davon.

Die Landschaft zeigt eine flache Ebene, über der sich große giftige Wolken aufbauschen. Es scheint auch einen Punkt zu geben, von der die Wolken aufsteigen. Hier brennt es.

Die Farben des Aquarells sind in schmutzigem Grün/Grau gehalten, mit Farben wie Braunrot und Ocker, die den erdigen Eindruck verstärken.

 

Die Diagonalen ziehen das Auge des Betrachters an den Punkt, wo sie sich treffen – der Brandstelle. Für mich geben die Farben den ominösen Ton des Textes wieder und übersetzen den Text in diese (Farb)stimmung. Das gelb-braune Feld im Vordergrund stellt ein bebautes Feld dar, das klar macht, daß es sich nicht um braches Land, sondern um eine Kulturlandschaft handelt.

Die Arbeit ist ein Aquarell, das ohne Grundierung auf ein Studienblockpapier gemalt wurde. Das Bild hat eine Größe von 31×23 cm, das Passepartout hat eine Größe von 40×50 cm.

Owl


Heute zeige ich wieder etwas ganz anderes, aber etwas, was die meisten kennen müssten – im Kindergarten und in der Grundstufe macht man öfter eine Wachsuntermalung und gibt eine zweite Schicht Wachsmalstift- oder Ölpastellkreiden darüber. Dann kann man die obere Schichicht wieder abkratzen. Die Technik nennt sich Sgraffito und kommt eigentlich aus der Wandverzierungstechnik, wird aber auf verwandte Techniken übertragen. Ich hab das schon in der Schulzeit gerne gemacht; es hat was, Verdecktes zu offenbaren, vor allem, wenn es Farben sind, überraschend und ungewöhnlich.

 

Zum Sujet – Meine Mutter sagte ihren Bekannten und Freunden, dass sie Eulen sehr schön fände. Das war, als sie in ihren 30ern war. In ihren 50ern sagte sie mir dann einmal, dass sie soviele Eulen jeder Art geschenkt bekommen hatte, daß sie keine mehr bräuchte 🙂  Es gab in unserem Haushalt tatsächlich jede Menge Eulen, gezeichnet, als Skulptur und sogar als Metallskulptur mit ausgeschnittenen Augen.

Diese hier hab ich zwar gemacht, als sie noch lebte, aber es war eher eine Inspiration oder Idee, die aus unserer gemeinsamen Vergangenheit kam. Darunter sichtbar ist die Doppel-Acht oder auch das Karo in der Mitte, also eine geometrische Figur, die das Skelett der Zeichnung ausmacht.

Die Farbgebung und die Laune (whimsy) sind für mich Ausdruck der 50er Jahre (auch wenn ich sie nur ganz am Rande miterlebt habe). Wenn man die Nachkriegskunst speziell in Europa betrachtet (ich meine die Kunst der späten 40er und 50er Jahre), wird man die disparaten Farben und Formen (the jangling shapes) und andere Veränderungen gegenüber sogar den expressionistischen Ergüssen der 20er und frühen 30er Jahren bemerken.

Ich finde, meine Eule schaut den Betrachter aufmerksam und neugierig an. Die Arbeit durchbricht die Geometrie und schafft eine Verbindung zum Betrachter.

Medium war ein normales Studienblockpapier, Technik war der Auftrag in verschiedenen Schichten von Ölpastellen. Größe kann ich nicht mehr sagen, weil sich das Original nicht mehr in meinem Besitz befindet.

Ich hoffe, die Besitzerin hatte nichts gegen die Veröffentlichung 🙂  Entstehungsjahr ist 1987.

 

 

 

Detail 2


Hier ist eine zweite Variante der Detailheraushebung.

Das Medium ist wieder ein Studienblock, die Malmittel sind sehr gute Zeichenstifte von Derwent. Ich habe auf das Originalfoto wieder einen kleinen Ausguck gebastelt (nur ein kleines Guckloch, das es einem erlaubt, mit größerer Konzentration den kleineren Ausschnitt zu betrachten).

Das Originalfoto kennt ihr schon:

 

 

Der Bildausschnitt ist auf dem nächsten Bild angerissen:

 

 

Und hier meine Interpretation:

 

 

Hier ist der Zug zur Abstraktion schon viel stärker. Man erkennt geometrische Formen, Straffuren und Zeichen/Kürzel. Man erkennt auch Licht/Schatten, das die obere und untere Bildhälfte trennt, aber man kann es nicht in Beziehung zu etwas Größerem setzen. Zurück bleibt ein Bild, das Fragen aufwirft und vielleicht auch ein wenig neugierig macht. Was könnte es sein? Als ich es fertig gezeichnet hatte, hab ich es immer wieder angeschaut, bis ich afrikanische geschnitzte Masken damit assoziiert hatte. Komisch, nicht?