Saure Nierchen Spätzle


Ich hab dafür schon mindestens zweimal ein Rezept gepostet, heute aber hielt ich mich genau an das definitive Rezept aus dem regionalen Bestseller “Die echte Badische Küche im Jahreslauf” aus dem Cormoran Verlag.

Man muss wissen, dass Badische und Württembergische (Schwäbische) Küche einige Gemeinsamkeiten hat, über die man nicht müde wird zu streiten – wer hat’s erfunden? Viel wichtiger scheint mir aber, dass Baden und Elsass eine Grenze von etwa 200 km haben, und auch die Nationalität der Elsässer sich mehrfach änderte. Dies führte zu regem Austausch bei Rezepten und Versionen links und rechts der Oberrheinischen Tiefebene.

Man könnte jetzt einfach behaupten, dass die Badener sich das Gute von den Elsässern abgeschaut haben – 2 Dinge sprechen dagegen: Es gibt sowohl im Badischen als auch im Elsass Spezialitäten, auf die die Einheimischen stolz sind. Dazu gehört auf beiden Seiten der gute Wein. In Bühl gibt es berühmte Kirschen, an verschiedenen Ecken, von Schwetzingen über Graben bis hinunter an den Kaiserstuhl gibt es sehr berühmten Spargel. Auf der anderen Seite gibt es Froschschenkel in Knoblauchsauce, für die Badener gerne zu ihren Brüdern linksrheinisch fahren, aber auch der Flammkuchen und viele andere Spezialitäten kommen von dort.

Der zweite Grund liegt darin, dass bei der Neuordnung nach 1945 beide Landstriche, und ich meine damit die, die südlich von Karlsruhe liegen und bis Freiburg reichen als sehr bäuerlich und arm galten. Das wurde sogar als Argument der Württemberger genutzt, sich für den Zusammenschluss von Baden und Württemberg einzusetzen. Sie sprachen natürlich nicht ihre eigenen weissen Flecken an – das Gelände um Heilbronn – schwäbisch Sibirien oder eben auch die bettelarmen Bauern auf der Alb…

Jedenfalls waren die Spezialitäten, die sich mit der Zeit herausschälten, allesamt bäuerlichen Ursprungs und mussten durch Qualität überzeugen. Auch das Elsass hatte es im Vergleich zu anderen Departements schwer, sie waren die ungeliebten Deutsch-Franzosen, als hätten sie ihr Schicksal je selbst bestimmen können. Aber ab den 60er Jahren hatten sich die Winzer wieder gefangen und einige Grand Vins produziert, die auf Aufmerksamkeit stiessen. Dann gab es in den70er Jahren mehr 3 Sterne Häuser im Elsass als sonstwo, ausser in Paris. Auch das liess aufhorchen. Mit der Zeit wurden die bäuerlichen Gerichte wie Baeckeoeffe oder Hechtröllchen verfeinert und kamen auf die Speisekarte der besseren Häuser.

Aber im Badischen kannte man diese Gerichte auch, und die Gastronomie entwickelte sich prächtig. Heute kann man davon ausgehen, dass es keine armen weissen Flecken mehr gibt und man hier anständig und auch hochklassig leben kann.

Jetzt hab ich mich ein wenig verplappert. Es ist jedenfalls eine sehr liebliche Gegend, die ab Karlsruhe in südlicher Richtung den Rhein auf seiner linken Seite als Grenze hat und rechts sehr bald an die Ausläufer des Schwarzwalds stösst. Nördlich von Karlsruhe bis nach Mannheim liegt erst der Kraichgau, ein leicht hügelige Weinlandschaft, und dann die Kurpfalz, zu der die beiden wichtigen Univestätsstädte Heidelberg und Mannheim gehören. Dieser Menschenschlag weiss, dass er Badner ist, aber das ist ungeliebt, man versteht sich als Kurpfälzer. Aber das ist eine andere Geschichte 🙂

Zurück zum Rezept: Im Original sind es 700 g Nierchen, die geputzt und gewässert werden. Es werden 200 ml Weisswein und 100 ml Essig (Weissweinessig) miteinander vermischt. Darüber hinaus muss man eine Fleischbrühe ansetzen und 500 ml davon schon vorher abbinden.

Dann werden die Hälfte der Nieren in 50 g Butter scharf angebraten, aud der Pfann auf einen Teller gegeben und mit frischer Butter die zweite Charge angebraten. Auch die wird beiseite gestellt, während mit etwas mehr Butter ein klein gehackte Zwiebel angebraten wird. Wenn sie Farbe genommen hat, mit Essig/Wein ablöschen, stark reduzieren.

Man sollte spätestens jetzt Spätzle oder auch Bratkartoffeln auf den Weg gebracht haben.

Wenn die Essig/Weinmischung fast verdampft ist, die abgebundene Fleischbrühe in die Pfanne geben und nach Gusto reduzieren.

Das sollte jetzt nicht mehr als ein paar Minuten dauern, dann wirft man die gerade garen Nierchen kurz hinein, schwenkt sie einmal und serviert sie. Dazu passt hervorragend ein Salat – meine Präferenz wäre in dieser Zeit ein Frisee oder einen Endiviensalat.

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Hähnchenbrust Panko Karotten Spätzle


Gestern war ich bei Zorn und nahm eine Hähnchenbrust von Siebert mit. Heute machte ich die Brust, aber ich hatte Lust sie zu panieren, und da ich noch Panko im Haus hatte, gab es statt normalen Semmelbröseln oder Paniermehl das viel crunchigere Panko aus Japan. Also erst würzen, dann in Mehl wenden, dann in verkleppertem Ei und schliesslich in Pankobröseln.

Dazu gab es Karotten, in Butter angegangen und mit Salzwasser schonend bis zur Bissfestigkeit gegart.

Ich gestehe, die Spätzle hab ich frisch gekauft (für eine Person lohnt sich die Arbeit wirklich nicht) und die Qualität ist genauso gut. Die hab ich in Butter geschwenkt. Hauptthema heute beim Rezept ist übrigens Butter!

Nachdem die Brust paniert war, gab ich eine grosszügige Menge Butter in die Pfanne und dazu noch Rapsöl, etwa 2 cm hoch. Darin schwenkte ich die Brust, bis sie von allen Seiten goldgelb war. Dann liess ich sie auf Krepp ihr Fett abgeben.

Dazwischen hatte ich noch eine kleine Sauce gebastelt, aus Zwiebel, Knoblauch, jeweils einem Schuss Port und Weisswein und einem halben Glas Hühnerbrühe. Nachdem sie schon gut eingekocht war gab ich 2 El Wasser/Speisestärke dazu, um sie zu binden. Anschliessend entfernte ich die Zwiebel/Knoblauchmischung durch ein Sieb und gab die Sauce ans Huhn.

Ein normales Essen, aber die Brust mit der Panade war sehr lecker – crunchy, saftig, aromatisch. Eigentlich wäre es fast besser gewesen die Sauce ganz wegzulassen und sie durch Preiselbeeren oder etwas ähnlichem zu ersetzen.

Geschnetzeltes Spätzle Bohnen Karotten Chicoree


Karfreitag und kein Fisch? Tja, kann mal passieren. Gestern hatte ich keine Gelegenheit mich darum zu kümmern und hab so aus der TK Truhe “gefischt”.

Es ist also ein weiteres Verlegenheitsessen, war aber nichtdestotrotz ziemlich schmackhaft.

Die Komponenten waren ein Stück Schweinelende, zuerst in Scheiben, dann in Streifen geschnitten.

Dann Karotten, Bohnen und ein Chicoree in 4 Längsstücken. Und schliesslich eine Handvoll Spätzle aus der Packung, allerdings vom Eiermann selbst gemacht.

Zum Gemüse wie zum Fleisch gab es rote Zwiebeln, zum Fleisch zusätzlich noch eine Knoblauchzehe.

Nachdem das Fleisch knapp angegart war, gab es etwas Kalbsfond dazu, um ein bisschen Sauce herzustellen.

Beim Gemüse liess ich erst Karotten und Bohnen halb durchziehen, bevor ich den Chicoree dazugab.

Die Spätzle brauchten etwa 10 Minuten, nachdem das Wasser anfing zu kochen.

Danach warf ich alles zusammen und konnte dann servieren 🙂

 

 

 

 

 

Rotkrautwickel Spätzle Sauce


Der Winter hat uns noch fest im Griff, nächste Woche soll es wieder ein bißchen kälter werden, Da sehe ich keine Veranlassung, Frühlingsgerichte zu kochen.

Auf dem Markt bekam ich Appetit auf Rotkrautwickel. Ich holte also einen mittleren Rotkohl und frische Bio-Eier, um die Spätzle machen zu können.

Später kaufte ich noch 300 g gemischtes Bio-Hack. Daheim entfernte ich so gut wie möglich den Strunk und kochte den Kohl 8 Minuten, um die Blätter besser lösen zu können. Das taugte zwar für die ersten 4 Blätter, die zweite Charge ging zwar ab, mußte aber nochmal nachgegart werden, damit man sie falten konnte.

Die Füllung bestand aus 300 g gemischtem Hack, Majoran, Salz, Pfeffer, Weißbrotbrösel (etwa 3 El), 1 Ei und gehackte Petersilie.

Das ergab 4 Wickel.1

Die Sauce:

Zuerst wurden die Wickel scharf angebraten, dann beiseite gestellt, dann Speckwürfel, Zwiebel, Knoblauch und Tomatenpaste (5 cm) zusammen angeschwitzt. Dann mit Sherry und später mit Rotwein abgelöscht, aufgefüllt mit einem halben Glas Wildfond, das ich noch übrig hatte. Die Wickel kamen wieder dazu und köchelten etwa eine Stunde. Dann nahm ich sie wieder heraus und gab 7 Steinchampignons in Scheiben dazu und etwas Kartoffelstärke, um die Sauce abzubinden.

Die Spätzle:

200 g Spätzlemehl, 2 Eier (1 XL, eins XXL), ein halber Tl Salz. Ich hab den Teig mit einem Quirl mit den Teigeinsätzen verrührt. Nach ein paar Minuten gab ich noch einen Schluck Mineralwasser dazu und verquirlte alles. Danach gab ich die Masse in die Spätzlepresse und drückte sie ins köchelnde Wasser. Sie stiegen sehr schnell auf und ich schöpfte sie ab und stellte sie beiseite.

Später hab ich sie dann mit einem Stück Butter in einer beschichteten Pfanne angebraten und mit Petersilie durchgeschwenkt.

Danach wurde serviert. Es hat meine Erwartungen komplett erfüllt, und es gibt noch eine zweite Portion Spätzle.

Ein preiswertes und gutes Gericht 🙂

 

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Schweinebraten Spätzle Paprika Bohnen


Im Laden heute holte ich mir ein Stück Schweinenacken, genug für 3 Portionen, also auch genug, um einen Braten daraus zu machen.

Dieser wurde gewürzt mit Salz und Pfeffer, dann von allen Seiten angebraten und herausgenommen.

Jetzt kamen 2 kleingehackte Zwiebel dazu, wie auch die Hälfte eines Suppengrüns und ein El Tomatenpüree. Das wurde eine Weile angebraten, um Röststoffe zu bilden, dann löschte ich mit einem Schluck Port ab und gab noch ein Glas Weißwein dazu. Der Braten wurde wieder hinzugefügt, ein Tl gemörserten Kümmel dazu und etwas Wasser nachgegossen und das Ganze mit Deckel auf kleinster Stufe gegart.

Der Braten wurde in 90 Minuten 2 mal gewendet, dann überprüfte ich den Garzustand mit dem Temperaturfühler (der Braten braucht 79 C).

Der Braten brauchte noch ein paar Minuten, in der ich einen Teil seiner Brühe in einen anderen Topf gab und 10 Minuten stark reduzierte.

 

Dazwischen machte ich aus 300 g Mehl, 3 Eiern, 100 ml Wasser und einer Prise Salz den Teig für die selbstgemachten Spätzle.

Dieses Mal nahm ich das Handrührgerät, um zu sehen, was für Unterschiede zum Kochlöffel bestehen. Der einzige Unterschied ist, daß dieser Teig keine Blasen wirft; schmecken tut er genauso.

Mit dem Rührer brauchte ich vielleicht 5 Minuten, um den Teig so weich zu haben, wie ich wollte. Nachdem das Nudelwasser kochte, gab ich den Teig in eine Spätzlepresse und drückte ihn in das kochende Wasser. Die Spätzle tauchten sehr schnell wieder auf, worauf ich sie abschöpft und auf die Seite legte. Später hab ich sie in einem Löffel Butter gewendet und wieder erwärmt.

Die Bohnen mußte ich zuerst waschen und ablängen, dann mit Bohnenkraut in Salzwasser knackig garen, herausnehmen und abschrecken. Danach gab ich eine in Längsstreifen geschnittene gelbe Paprika,  2 kleine rote Zwiebel in Streifen und eine dicke Zehe Knoblauch in die Pfanne und briet alles ein paar Minuten bei kleiner Hitze an und gab dann die Bohnen und eine Prise Thymian dazu. Nachdem alles gar war, passierte ich die reduzierte Sauce, schnitt den Braten auf, drapierte das Gemüse und tischte auf. Die Beilagen waren für einen zünftigen bayerischen Braten etwas untypisch, gepasst haben sie trotzdem.

Und ob ich Spätzle oder Knödel esse ist auf der Kh-Tabelle gerade egal 🙂

Es hat sehr zünftig geschmeckt! Trotz dem ich die Sauce passiert hatte (und damit auch allen Kümmel entfernt hatte, war sein Aroma gut zu merken.

 

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Käsespätzle


Ich hatte eine Idee (wo das Gute liegt so nah!). Da die letzten Beiträge eher fleischlastig waren, fiel die Wahl auf Käsespätzle, die quasi um die Ecke von hier erfunden wurden.

Eigentlich lohnt sich fast nicht, einen Blog darüber zu schreiben, hier kennt sowieso jeder das Rezept. Aber für alle Auswärtigen, die noch nie im “Ländle” waren, hier die Beschreibung:

Spätzle vom Vortag (oder frisch)

Käse (bei mir Schweizer Emmentaler, geraspelt)

geschmelzte Zwiebeln

Ich hab die Spätzle in einer Pfanne mit etwas Butter leicht angebraten, normalerweise würde man frische abtropfen lassen und mit Käse schichtweise in einen ofenfesten Behälter oder einfach in eine Pfanne geben. Dann hab ich meine Portion in eine Form gegeben, dabei den Käse in 3 Schichten dazugegeben und in den Ofen geschoben.

Dazwischen wurden zwei mittlere Zwiebeln in Streifen geschnitten und langsam angeschmort, bis sie die gewisse Bräune hatten.

Zusammen mit einem grünen Salat serviert, ersetzt es für Schwaben Freitags den Rostbraten (den gibt es dann Samstags) (just kidding 🙂  )

 

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Gulasch Lauch Spätzle


Von dem Fleisch, das gestern in der Borschtsch seinen Auftritt hatte, hatte ich noch etwa 400 g, die ich zu einem Gulasch verarbeiten wollte.

Allerdings hatte ich nicht viel Zeit, weil ich außer Haus musste und erst gegen 18:30 zurückkommen würde. Ich erinnerte mich rechtzeitig an meinen riesigen Crock Pot, den ich nur selten einsetze. Heute schien mir aber eine gute Gelegenheit dafür zu sein. Also parierte ich zuerst das Fleisch und entfernte hartnäckige Sehnen. Dann wurde es portioniert und scharf von allen Seiten angebraten. Jetzt gab ich eine feingehackte große Zwiebel dazu, die auch stark angebraten wurde. In meiner Eile vergaß ich den Löffel Tomatenmark und löschte so mit Port und dann mit Rotwein ab. Ein paar Zweige Thymian kamen dazu, dann füllte ich es um und stellte den Crock Pot auf “Mittel”.

Zwischen meiner anderen Verpflichtung hatte ich noch Zeit kurz einzukaufen. Ich nahm Spätzlemehl und einen Lauch mit.

Wieder daheim stellte ich fest, daß das Gulasch schon sehr, sehr zart war, aber noch jede Menge Flüssigkeit da war, also reduzierte ich zuerst die Flüssigkeit.

Der Lauch wurde geputzt, in halbe Ringe geschnitten und in Butter angebraten. Dazu eine Prise Muskat, Pfeffer und Salz, und nachdem das Wasser weggekocht war, mit 50 ml Sahne aufgefüllt. Kurz eingekocht, dann einfach die Hitze weggenommen.

Bei den Spätzle hab ich das Packungsrezept genommen: 400 g Spätzlemehl, 5 Eier, 1 El Salz

Mit einem Holzlöffel wurden die Eier unter das Mehl gemengt, bis alles trocken war. Irgendwas stimmte mit dem Rezept nicht. Hier in der Gegend kommt immer ein Schluck Sprudel=Mineralwasser mit Kohlensäure dazu, das hab ich jetzt ein paar Mal gemacht, bis der Teig beim Schlagen Blasen bildete.

In einen Topf kochendes Wasser anhand einer Spätzlepresse hineingepresst kamen die Spätzle nach zwei Minuten hoch. Sie wurden abgetropft und anschliessend in etwas Butter geschwenkt.

Das Gulasch wurde am Schluss mit etwas Speisestärke abgebunden.

Es hat sehr rund geschmeckt. Das Lauchgemüse ist vielleicht ungewöhnlich für ein Gulasch, aber es bildete einen angenehmen milden Kontrast zum dominanten Fleisch.

Die Spätzle sind hausgemacht immer besser als Trockenware, wenn ich sie auch sehr selten mache.

Ich hab jedenfalls noch genug, um eine kleine Armee zu verpflegen. Vielleicht fällt mir was ein 🙂 …

 

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