Schwertfischcarpaccio Oliven Kapern Amalfi Zitrone


Eigentlich vermutete ich meine sizilianische Fischgeschäftbetreiberfamilie auf ihrer Insel. Heute stellte ich fest, daß der Vater das Geschäft alleine führt, während Tochter und Schwiegersohn die Heimat besuchen dürfen. Sei es ihnen gegönnt.

Als ich sah, daß der Laden geöffnet war, bekam ich sofort Appetit auf ein Schwertfischcarpaccio. Also ging ich hinüber zum Papa und sagte ihm, was ich wollte. Er wiegelte zuerst ab, meinte, der Fisch müsse angefroren sein und eine Maschine zum Aufschneiden bräuchte man auch, aber schliesslich holte er sein schärfstes Messer heraus und fing an mir dünne Tranchen herunter zu schneiden. Wie es inzwischen seine Art ist, gab er mir 2 Scheiben zu den 5 gekauften gratis dazu. Ich hab manchmal den Eindruck, daß ihm gefällt, diesen Tedesco sich am italienischen Repertoire abarbeiten zu sehen. Was würde er sagen, wenn er wüßte, daß der Tedesco eigentlich ein Americano ist? 🙂

Jedenfalls ging ich sehr erfreut nach Hause, um das Carpaccio vorzubereiten. Eigentlich hatte ich vor, die Scheiben ein bisschen auseinander zu walzen, wie man das auch bei Rindercarpaccio machen kann. Bei Fisch funktioniert das nicht so gut, also ließ ich es.

Als Auflage auf die Scheiben gab es die kleinen, sehr guten Oliven (Name vergessen, sollen die besten sein), den Saft und kleine Achtel der Amalfi Zitrone, gutes Olivenöl und Kapern. Dekoriert wurde der Teller mit glatter Petersilie.

Fazit: Obwohl ganz feine Scheiben Schwertfisch im Mund schmelzen und einen größeren Genuss bieten, wenn es darum geht mit einer Gabel möglichst verschiedene Geschmacksrichtungen gleichzeitig aufzuspießen, waren diese etwas dickeren Scheiben auch sehr zart. Mit einer Prise Meersalz aus der Mühle und dem milden Saft der Amalfi Zitrone war es trotzdem sehr gut. Die Portion hätte auch für Zwei gereicht, aber man darf ja nichts verkommen lassen…

 

 

Menü für Freunde 3/2017


Heute waren P. und R. wieder zu Gast. Ich hatte schon gestern bei Metzger Zorn ein Maishähnchen erstanden und wußte deshalb schon was es zur Hauptspeise geben würde.

R. wollte nicht zu schwer essen, was mich motivierte, etwas ohne Kohlehydrate zu kochen.

Auf dem Markt sah ich Artischocken, mittelgroße Exemplare, die langsam etwas preiswerter werden (3 für €2.50), dann am mediterranen Markt in der Nordwest Ecke Koriandergrün, Papaya, Mango und diese riesigen runden Avocados. Auch die wollten mit. Beim Pfälzer gab es Endiviensalat, Radieschen und Schnittlauch. Schlussendlich gab es 5 Käsesorten von Herrn Ruf und seinen charmanten Damen. Die Frau, die mir heute half, gab mir einfach immer wieder ein Probierstück und nahm dann meine Bestellung entgegen. Im Ernst, sie kennt meine Vorlieben schon gut und schiebt mich ganz behutsam zu ähnlichen Sorten und Aromen, manchmal auch zu kontrastierenden neuen Käsen.

In einem weiteren Laden fand ich auch noch Minze.

Es gab drei Gänge, Vorspeise, Hauptspeise und den Käsegang. Das Dessert sparten wir uns für die Zeit auf wenn wir weniger wiegen…

Vorspeise – Schwertfisch mit Spargel und Artischocken auf einem Bett Endiviensalat mit Schnittlauch und Kresse und einer Senfviaigrette mit Radieschenwürfeln.

Schwertfisch wurde in der Grillpfanne angbraten, gewürzt, dann gewendet und dabei um ein Viertel gedreht. Das macht man 4 mal und bekommt ein schönes Muster und die Gewissheit, beim Braten keine Fehler gemacht zu haben. Danach stellte ich den beiseite. Der Schwertfisch hatte noch eine rohe Mitte von etwa 1 cm.

Die Artischocken wurden vorbereitet, indem die äusseren Blätter entfernt wurden und der Stiel gekürzt wurde. Danach wurde der Stiel auch noch geschält, 2/3 des oberen Teils der Artischocke wurde abgeschnitten, dann wurde die Frucht längs geviertelt. Mit einem Ausstecher entfernte ich das Heu und gab die Viertel in kochendes gesalzenes Wasser. Dort blieben sie 15 Minuten.

Danach schälte ich die Spargel und längte sie um 2 cm ab. Sie wurden in einem Topf mit wenig Wasser gedämpft. Ich nahm sie sofort aus diesem Umfeld und liess sie sich abzukühlen.

Für die Vinaigrette nahm ich 8 Radieschen, schnitt die in kleine Würfel und machte sie in einer Mischung aus 2 El Condimento Bianco, 6 El gutem Olivenöl, je einer Prise Salz und Zucker und einem El körnigem Senf an und liess sie dann eine knappe halbe Stunde ziehen.

Alle Zutaten waren vielleicht noch handwarm, als ich den Salat zusammenstellte. Ganz am Schluss löffelte ich die Meerrettichvinaigrette über Salat und Schwertfisch.

Das Gericht wurde sehr wohlwollend kommentiert 🙂

 

Für den Hauptgang hatte ich das Hähnchen der Länge nach geteilt, damit es schneller gart. Heute hab ich auf einen Temperaturfühler verzichtet, weil ich meine, daß man sehen kann, wann ein Hähnchen soweit ist.

Für die Unterlage brauchte ich jeweils eine Mango, eine Papaya und eine Avocado, die alle geschält und in Würfel geschnitten wurden. Dazu gab es eine in Ringe geschnittene rote Zwiebel. Als Tunke mischte ich den Saft von 3/2 Limetten, einer halben Zitrone und einer Orange. Dazu gesellten sich 3 El Olivenöl und ein Tl Sojasauce.

Ich gab 2/3 der Sauce unter den Salat und würzte ihn großzügig mit einer Mischung aus feingehacktem Koriandergrün und gehackter Minze. Den Salat mit Tunke und Kräutern liess ich 90 Minuten ziehen.

Danach gab ich eine Schöpfkelle des Salats in einen Suppenteller und ein Stück des im Ofen gegarten Hähnchens obenauf. Wir hatten verschiedene Geschmäcker, was das Fleisch anging, und so bekam jeder, was er wollte, Schlegel oder Brust.

Das Fleisch war saftig und sehr zart, der Salat eine Fruchtbombe, der perfekt dazu passte. Hätte übrigens auch toll zu Fisch oder anderem gepasst.

Die Gäste waren glücklich, ich auch, weil sie es waren.

Jetzt liess ich den Käse sich akklimatisieren und servierte ihn mit Scheiben eines Dinkelbrötchens. Die Fotos hierfür hab ich mir gespart, die hab ich vorher schon besser gemacht.

Ein gelungenes Mahl, das darüber hinaus begleitet war von Gesprächen zur Lage der Nation und ähnlich schwergewichtigen Themen. Man kennt das ja… Kunst, Musik, Theater, Philosophie und die täglich neu einzuschätzende Interpretation der Geschichte im Verhältnis zur Realität 🙂

Es hat wieder Spaß gemacht, die Beiden zu bewirten und sich auszutauschen, auch wenn wir uns so gut kennen, daß manch ein Dialog wirkt wie bei alten Eheleuten. Aber was soll’s, es könnte schlimmer sein und man wäre wirklich verheiratet 🙂

 

 

 

 

 

 

 

Espadon a la méditerrannéenne


Vom letzten Schwertfischessen war noch ein genügend großes Stück übrig. Eigentlich wollte ich einkaufen gehen, aber ich war, nach Staus und zuviel Zeit im Auto etwas müde und legte mich (kurz, wie ich dachte, hin) um 18:00 wachte ich auf und verspürte so gar keine Lust, das Haus nochmal zu verlassen. Da fiel mir der Schwertfisch ein.

Ich hab ihn in der Tüte in kaltem Wasser langsam auftauen lassen.

Dann suchte ich nach Zutaten, die ich für meine Mittelmeer-Variante benutzen könnte.

Ich hatte Frühlingszwiebel, Kirschtomaten, grüne Bohnen, rote Spitzpaprika, Champignons, Zwiebel und Knoblauch. Auch war ein Rest Zucchini da, von der ich etliche schöne Scheiben abschnitt.

Es gab 2 Pfannen: Meine kleinere Le Creuset, in die Zwiebel, Frühlingszwiebel, Knoblauch, grüne Bohnen kamen. In die Fissler Grillpfanne gab ich zuerst die Zucchinischeiben und die Kirschtomaten, danach den Schwertfisch, wobei ich bei ihm auf ein schönes Muster achtete.

Das ist in der Profi-Küche übrigens nicht nur ein ästhetisches Phänomen.  Bei „Heat“, einem Bericht eines Food-Journalisten über seine Reise durch die Profi-Küche, beschreibt er eine Lehrstunde, als er das erste Mal an der Fleischstation arbeiten darf. Der lehrende Koch macht ihm klar, daß alle (Fleisch)stücke auf der Planche die gleiche Ausrichtung bekommen und nach einer bestimmten Zeit gewendet werden. Dabei werden sie immer auf die gleiche Art gewendet, damit  der Koch immer weiss, welches schon gewendet wurde und welches nicht. Bei einer Grillpfanne oder gar einem echten Grill bilden sich dann Grillspuren, die deutlich machen wo das Fleisch schon war und wo es noch hinmuss.

Das Gemüse wurde nur solange gebraten (und dann mit einem Schluck Wein abgelöscht) und gegart, bis es knapp durch war, nicht länger als 10 Minuten. Als Würze gab es natürlich Salz, aber auch frischen Thymian. Als ich es auf dem Teller anrichtete, gab ich noch etwas frisch geriebenen Parmesan drüber.

In der Zwischenzeit gab ich das Schwertfischsteak auf die Grillpfanne. Es waren vielleicht 3 Minuten pro Grillmarkierung, also vielleicht 6 Minuten pro Seite, wobei die Grilllamellen den direkten Kontakt mit der Hitze erschweren und der Kochvorgang langsamer verläuft. Dementsprechend war das Innere des Schwertfischs zwar warm aber noch roh, mindestens 2 cm. Das war sowohl gewünscht als auch sehr gut schmeckend!

 

 

 

 

 

 

Freitags gibt’s Fisch 2


Heute wollte ich die vegetarische Serie für’s Wochenende unterbrechen. Ich hatte Lust auf Fisch und ging direkt nachdem ich Zuhause ankam zum Fischhändler über die Strasse.

Dort gab es Schwertfisch und eine Menge anderer Leckereien. Der Schwertfisch hatte eine große Oberfläche, aber ich bat ihn (den Vater) das Stück etwas dicker zu schneiden, damit es nicht Gefahr läuft, auszutrocknen. Beim Wiegen zeigte die Waage 400 g an. Der Mann ist immer sehr freundlich und entschuldigte sich fast für die Größe und stellte die Waage vom Preis von €29.90 auf €25.90. Jetzt kostete mich das Premiumstück nur noch €10.30. Und dann langte er in die Vitrine und schenkte mir noch 2 Gamberi, diese fetten Meeresbewohner, die fast so dick sind wie Langustinos. Hab ich schon erwähnt, daß ich dort sehr gerne einkaufe? 🙂

Danach ging ich nebenan zum Gemüseladen und kaufte eine Zucchini, ein paar Taggiasca Oliven, etwas Kresse und eine Rispe Honigtomaten. Die waren sehr teuer (€2.29/100 g), aber supersüß und reif. Hochzufrieden mit meinen Einkäufen ging ich nach Hause, um mich erstmal zu sortieren.

Der Schwertfisch wurde ungewürzt in einer Grillpfanne angebraten, in einer Technik, die dieses Muster verursacht: Schräg zu den Grillstreifen legen, 2 Minuten braten/grillen, dann nach der Längsachse wenden, wieder 2 Minuten, dann der Querachse nach wenden, wieder die gleiche Zeit abwarten und dann nochmal nach der Längsachse wenden. So werden beide Seiten gemustert, und man verliert nie den Überblick, wo das Grillgut schon gelegen hat. Die Tomaten gab ich hier hinzu, damit sie mehrere Minuten hatten unten weich zu werden.

Die Gamberi kamen im letzten Drittel des Garprozesses des Schwertfischs in die Grillpfanne. Sie brauchten nicht mehr als 30 Sekunden pro Seite (die Pfanne war ziemlich heiß).

Sie bekamen ordentlich Röststoffe. Ich hab sie vorher geschält und entdarmt.

Die Zucchini wurden mit einem Buntmesser in nicht zu dünne Scheiben geschnitten und in Olivenöl angebraten. Durch das Schnittmuster ergab sich ein schönes visuelles Bratergebnis.

Eine Spitzpaprika hatte ich auch noch und schnitt sie klein, um sie ebenfalls anzubraten.

Später wurden beide Gemüse wieder erwärmt, wobei eine kleingehackte Knoblauchzehe dazugefügt wurde.

Aus einem halben Bund Petersilie, etwas Olivenöl, Salz und einer halben Knoblauchzehe machte ich in meinem kleinen elektrischen Mixer ein Petersilienöl, das ich später auf dem Teller verteilte.

Weitere Zutaten für dieses Gericht waren Kapern für den Fisch, wie auch etwas Olivenöl und Zitronensaft. die eine Sauce Grenoble entstehen liessen. Dazu verteilte ich ein paar Taggiasca Oliven, die von meinem Gemüsehändler als die Besten überhaupt tituliert und dementsprechend hochpreisig gehandelt werden.

Insgesamt ein sehr leckeres Gericht.

Ich hab den Fisch tatsächlich in zwei Hälften geteilt und einen Teil eingefroren – die Portion für heute Abend kostete demnach €5.15. Der Gemüsehändler wollte €7.23 von mir, ein Löwenanteil waren bestimmt die Tomaten, und von denen hab ich noch die Hälfte übrig. Auch Kresse gibt es noch 🙂

Im Lokal hätte dieses Gericht je nach Lokalität zwischen €25 und €39.95 gekostet, wenn es gereicht hätte. Heute rechnet man mit einem Faktor von 4:1, d.h. Warenkosten mal vier. Ich hab die Sachen, die ich Daheim hatte, gar nicht dazugerechnet.

Fazit: Superlecker! Wenn man fleischigen Fisch will, gibt es nur Thunfisch, Schwertfisch oder andere Fische wie Seeteufel. Aber Thun- und Schwertfisch sind schon in einer Kategorie, die sich stark von anderen Fischen unterscheidet.

Sehr zu empfehlen! Wenn jemand meint, er müsse ein Sättigungsbeilage dazu geniessen – Ich würde ein Baguette empfehlen.

 

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Espada Sauce Grenoble Tripoline Tomaten-Orangensugo


Bei meinem Fischhändler gab es heute wieder einen Thunfisch in Sushi-Qualität, der zum Niederknien war. Aber ich hab vorher mein Register durchgeschaut und dachte dabei, daß es schön wäre mal etwas Anderes zu servieren. Neben dem perfekten Thun lag ein Schwertfisch in derselben Qualität. Nach kurzer Diskussion mit dem Papa, bei der er mir versicherte, daß eine rötliche Verfärbung kein Qualitätsmangel ist, sondern an der Lage der Blutadern und Venen im Fisch liegt.

Ich nahm ein Steak mit, das wieder kleiner im Laden aussah, aber stattliche 280 g auf die Waage brachte.

Ich hatte beim teuren Russen einige Gemüsespezialitäten gekauft, aber irgendwie wollte es nicht richtig in meinem Kopf zusammenkommen. Da es eine anstrengende Woche gewesen war, und ich etwas früher nach Hause gekommen war, beschloss ich, ein kleines Nickerchen zu halten. Und wie so oft, wenn ich abschalte, kommen mir Bilder von Speisen und Zutaten in den Kopf, an die ich vorher nicht dachte. Nach einer 3/4 Stunde stand ich auf und wußte was ich machen wollte:

Den Espada, gebraten, mit einer Sauce Grenoble Variante. Die Sauce Grenoble ist eine, die ich durch Wolfram Siebeck, den kürzlich verstorbenen Großkritiker des Feinschmeckers und des Zeitmagazins kennengelernt habe, und zwar in einem Kochbuch voller Festmenüs in einem Buch von 1993. Eigentlich besteht sie hauptsächlich aus Zitronenstückchen und Kapern, die zu einem Fisch serviert werden, der in Butter (Beurre noisette=Nussbutter) gebraten wurde. Damit konnte ich nicht dienen, weil ich meine, daß Olivenöl besser zu Schwertfisch passt, aber das war eine lässliche Sünde…

Die andere Sauce war die für die Pasta, die Tripoline, eine Art Tagliatelle mit gewelltem Rand.

Diese Sauce hab ich in ihrer Grundlage hier schon oft beschrieben, aber auch hier gibt es eine Besonderheit:

5 Kirschtomaten frisch, geviertelt1

Knoblauchzehe kleingehackt

1 Sardelle

15 Salzkapern, gewässert (eingelegte Kapern oder Kapernäpfel gehen auch)

Zutaten in Olivenöl angehen lassen, mit

Saft einer halben Orange

100 ml Weisswein

2 El Weissweinessig

Salz (Vorsicht! Salzkapern haben Salz)

ablöschen und einkochen.

Den Essig gab ich dazu, weil die Orange das Tomatenmus zu süß gemacht hatte, und es eine Säure brauchte.

Danach war die Sauce aber sehr gut.

 

Ich schwenkte die Tripoline in einem Teil der Sauce und gab oben kleine Zitronen- und Kapernstückchen auf den Schwertfisch,

ich bettete ihn aber auf den Rest der Tomaten-Orangensauce, was eine gute Entscheidung war.

Die Pasta war auch ohne Parmesan toll, der Fisch sowieso. Ein Wort zum Garpunkt – ich hatte ihn wie meinen vorletzten Thun angebraten, also mit einer Kruste von 2 mm und einer Mitte, die warm aber roh war. Zum Reinlegen!

 

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