Crash Boom Bang


Vor ein paar Monaten hatte ich schon mal ein Bild mit einem auditorischen Titel eingestellt, nämlich „Flash“. Etwas danach war ich wieder daran, diesmal, um einen Klang malerisch zu beschreiben.

Im Englischen gibt es etliche Wortreihen, die als Kürzel für im Sprachraum gleich verstandenen Dinge stehen. Dazu gehört „Snap, crackle, pop“ eine lautmalerische Umschreibung von Cereals-Cerealien (Frühstücksgetreide), das je nach Getreide bei Zugabe von Milch solche Töne macht (Hafer pops).

Crash boom bang steht für einen großen Krach, entweder von einem Schlagzeug verursacht, oder eine unkontrollierte Abfolge lauter Geräusche. Das Fachwort für Wörter, die Klänge beschreiben (nachahmen) heisst Onomatopöie und ist höchstwahrscheinlich griechischen Ursprungs 🙂

Aber ich brauche mich eigentlich nicht um die Worte kümmern, sondern um die Darstellung derselben:

 

Mir ging es beim Malen und zeichnen um den Versuch, die Dynamik darzustellen. Ich weiß auch, daß eine Fotografie das viel besser einfangen kann. Aber wie eine Aufnahme, die einen winzigen Moment aufnimmt, habe ich hier die Möglichkeit verschiedene Dinge gleichzeitig zu zeigen. Dazu gehört der weisse energiereiche Blitz im Zentrum, der verschiedene Farben des Spektrums hervorruft. Auch die Farben gegen einen dunklen Hintergrund gehören dazu. Oder auch die wolkigen Rauchpuffs, die zeigen, daß hier etwas explodiert ist.

Im Vergleich zu „Flash“ ist diese Arbeit brachialer, es fehlt ihr die feine Nachbearbeitung mit dem Bleistift, dafür wurde sie in Schichten aufgebaut. Die untere Schicht besteht aus Acrylfarbe, die ich teilweise mit den Fingern aufgetragen und verrieben habe. Dann kamen Ölpastelle zum Einsatz, weil deren Leuchtkraft sehr gut auf dunklen Gründen zur Wirkung kommt, und weil sie auf Acrylgrund haften. Die Puffs hab ich mit weissem Ölpastell aufgezeichnet und dann mit den Fingern wolkig verrieben, wobei mir der Effekt gut gefällt, weil er der Arbeit eine gewisse Dreidimensionalität gibt.

Die Arbeit stammt von 2014 und hat ein Maß von 21×29,5 cm.

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Flammende Köpfe


Das folgende Bild ist in Mischtechnik entstanden. Die Grundlage ist die unterliegende Bleistiftzeichnung, die zwischen Strichelclustern und intensiv straffierten Punkten (Augen, Mund) changiert.

Da herum und herüber gleiten ebenso nervös wie der Bleistift die Ölpastelle, die weichen, sinnlichen stubbeligen Pigmente, die nur eine dünne Kartontülle haben, an der man sie festhalten kann.

Ich hab schon mal erwähnt, daß man diese Farben wunderbar mit Terpentin oder einem anderen Lösungsmittel vermalen kann. Das habe ich hier auch getan, aber relativ subtil, weil ich keinen Einheitsbrei wollte, sondern, daß einzelne Farben ihre volle Strahlkraft erhalten. Die weiße Teilübermalung des Kopfes wurde etwas verdünnt und löst dann auch den Bleistift an, Teile des Hintergrunds sind angelöst, nicht aber die Flammen (oder das flammende Haar).

Das Thema des Bildes ist ambivalent. Es könnte ein Feuer sein, das die 2 Köpfe zu übermannen droht, es könnte aber ebenso möglich sein, eine freie Interpretation zweier Punks zu sehen. Die Zeit, in der dieses Bild entstand, wäre für diese Interpretation plausibel.

Nichtsdestotrotz sind die Köpfe mit ihrer weißen Bemalung schon ein bisschen gespenstisch. Aber mir hat es gefallen, wie das Bild am Ende dann zusammenkam.

 

Die Arbeit hat ein Maß von 21.5 x 32 cm und wurde 1987 fertiggestellt.

Bühne/Theater


Die Bühne ist vom malerischen Gesichtspunkt aus gesehen ein schöner Rahmen, um ein Schauspiel in Szene zu setzen.

Kulturschaffende sollten ja den Künsten im allgemeinen aufgeschlossen sein, aber dem ist nicht so. Weder bei mir, noch bei vielen anderen Kunstschaffenden.

Bei mir ist es besonders schlimm: Ich unterteile die Künste in drei Kategorien- Top-So Lala-Interessiert mich nur, um ein Kreuzworträtsel zu lösen.

Zu Top gehört Malerei, Skulptur, Musik, Literatur. So Lala beinhaltet Musical, Ballett, Film, Ikebana, Origami. Die letzte Kategorie ist reserviert für Theater, oder schlimmer, Komödienstadel und Fernsehen. Ach ja, Videoinstallationen, die zur neuen Kunst gehören langweilen mich auch. Da hab ich lieber Zahnschmerzen.

Warum ist das so? Keine Ahnung. Ich weiß nur, daß ich als Jugendlicher ein, zwei Stücke gesehen habe, die mich begeisterten, aber als ich kunstbeflissen als Kunstschüler ins Mannheimer Nationaltheater ging, bin ich bei Maria Stuart/Schiller eingeschlafen, nachdem ich fast eine halbe Stunde kein Wort verstanden hatte. Das wurde auch nicht besser.

Ganz schlimm war, später in einer Wohngemeinschaft zu wohnen, in der ein Requisiteur (und später ein Bühnenbildtechniker) und eine Balletttänzerin wohnten.

Natürlich waren viele Gespräche aufs Theater ausgelegt. Die paar Male, wo ich mit dabei war, konnte ich an einer Hand abzählen. Es gab zwar auch gute Momente einer Aufführung, aber meistens wäre ich lieber anderswo gewesen, zum Beispiel in einem Blues- oder Jazzclub 🙂

Ich hab mir Gedanken gemacht, was mich an diesen Medien stört. Wohlgemerkt: Mich. Theater und Fernsehen sind visuelle Medien, bei denen Zeit zwischen Anfang und Ende vergeht. Während dieser Zeit müssen eine Menge Menschen unter Leitung eines Einzelnen versuchen, dessen Willen umzusetzen. Dabei kann alles Mögliche schiefgehen. Mir geht es regelmässig so, daß ich mich für Szenen, egal ob Film oder Theater, regelrecht fremdschäme. Ich kann es nicht ertragen, das Ende oder die peinliche Szene vorauszuahnen. Ich möchte die Protagonisten anschreien:Tut es nicht! Es führt ins Verderben! Und so kann man natürlich keine Tragödie ruhigen Herzens geniessen.

Musik gibt mir die Gelegenheit, in eine Welt ohne Bilder einzutauchen und mir meine eigene Vorstellung zu machen. Bei den bildhaften Künsten vergeht nur beim Betrachten Zeit, aber das Werk ist schon fertig, es liegt also an mir, Zeit zu investieren.

Literatur hat mich mein Leben lang begleitet. Es ist eine schwierigere Disziplin, aber ich bin regelmässig begeistert ob der Vielfalt der Stimmen (der Schreiber).

Vielleicht hat meine Liste auch etwas damit zu tun, daß Kunst, Literatur und Musik in ihrer Schaffensphase einsame Disziplinen sind, Theater, Musical, etc. aber nicht. Sie leben von Proben und Konsensbildung.

Nachdem ich also genügend das Nest beschmutzt habe, zeige ich eine Szene, ganz allgemein gehalten und eingerahmt von einer Bühne 🙂

 

 

Die Arbeit wurde auf einem Multifunktionskarton gezeichnet. Es sind Ölpastelle, die hier hauptsächlich zum Einsatz kamen. Unterstützend wurden Linien ausgekratzt. Der Unterschied zwischen den intensiven und den pastellartigen Bereichen wurde damit hergestellt, das ein Teil der Farben/Flächen mit Terpentin angelöst und verdünnt wurden. Die Bühne ist grob angedeutet, die gelben, roten und blauen Punkte stehen für den „Zauber“, andere sagen das Chichi, das auf der Bühne entfacht wird und so vielen Menschen gefällt. Das Maß beträgt 23,5x 31,5cm.

Punk Poseidon


Die Eule (Owl), die ich Mitte Juni zeigte, war eine Arbeit mit Wachsmalstiften (oder besser Ölpastellen), die übereinander aufgetragen worden waren und die mit einem spitzen Gegenstand eingeritzt wurden, um die darunter liegende Farbschicht zu zeigen.

Das heutige Bild bedient sich der gleichen Technik, es ist aber früher entstanden. Im Jahr 1982 nämlich. Mein Lehrer Karl Rödel starb im Februar 1982 und die Kunstschule wurde erst brach gelegt. Später wurde sie weiter geführt, aber da war ich nicht mehr dabei.

Ende des gleichen Jahres zog ich um, von Heidelberg nach Karlsruhe, um eine neue Arbeitsstelle in meiner Firma anzutreten. Das ganze Jahr war ein Jahr des Aufbruchs.

Während dieser Zeit malte und zeichnete ich wie verrückt. 1980/81 hatten wir in der Schule das alte Röhrenradio mit einem Kassettenrekorder verbunden und von privat mitgebrachte Kassetten gespielt.

Die jüngeren Schüler brachten Punk und New Wave Aufnahmen mit, mit denen ich mich nach kurzer Zeit anfreundete (Ich war schon 24 und war mit Hard Rock sozialisiert worden. Das ging 1980 aber gar nicht mehr 🙂  )

Ich erwähne es nur, weil der Hauptdarsteller auf dem Bild einen Zackenkopf trägt, ein Kürzel für die damals schwer angesagte Irokesenfrisur, die auch ein paar der Schüler trugen.

 

Es war mir früher nicht so bewusst, aber das Bild beschreibt teilweise meine Welt in der Zeit. Die Hochhaussiedlung stellt den Emmertsgrund dar, einen Stadtteil  außerhalb Heidelbergs, ein Gebiet mit damals 63 Nationalitäten. Es war noch kein Brennpunkt, aber verwandelte sich langsam in die Richtung. Die Wellenlinien beziehen sich auf den Neckar, der malerisch durch Heidelberg fließt.

Die Szene spielt nachts, wenn die bösen Buben spielen gehen…der Vollmond taucht alles in ein nachthelles Licht.  Den Dreizack gibt es später noch auf anderen Bildern und er ist fast immer selbstbewusst/wehrhaft gemeint.

Ich finde der Kopf schaut aufmerksam und kritisch seinem Gegenüber in die Augen, vielleicht auch etwas spöttisch und abwartend. Obwohl er ein kantig/markantes Äusseres hat, ist sein rosa Mund doch sinnlich.

Die Nachtszene ist bunt und leuchtend, hat aber auch ihre dunklen Ecken und Geheimnisse.

Die Arbeit ist 31×23 cm groß, das Passepartout hat ein Maß von 40×50 cm.

Kopf in schwarz


Das Thema Köpfe ist vielseitig und nur eingeschränkt durch Phantasie und/oder Technik. Ich mochte immer schon alle verschiedenen Malmittel ausprobieren und hatte schon früh einen anständigen Fundus an Malmitteln, Papieren und Malutensilien. Man glaubt gar nicht, was es alles gibt! Federn aus Bambus oder ganz filigran aus Metall, Stifte der verschiedensten Art, von Holzkohle über feste Kohle, Rötel, alles das auch in Bleistiftform, auch wasserlöslich in riesigen Kästen von 96 Farben für ein Heidengeld… Tinte in jeder Farbe, Pinsel für verschiedene Anwendungen, japanische Tinte zum selbst anreiben, Japanpapier usw. Man kann sich verirren in diesem Universum. Und das ist nur der Anfang: Man muß seine Arbeiten auch konservieren, fachgerecht, sonst sind sie nicht soviel wert, wie sie sein könnten…

Ich hab manchmal ein Blatt Bütten oder ähnliches, das ein Rest war von einem größeren Bogen, den ich abgeschnitten hatte, verwendet, einfach um zu schauen was passiert, wenn ich zum Beispiel eine Tuschezeichnung darauf anlege. Es kann beim falschen Papier (z.B. Ingres), daß die Tusche einfach verläuft.

In diesem Fall ist aber alles gut gegangen.

Es ist kein Portrait, sondern eine Phantasiezeichnung, der man die darunterliegende geometrische Ausrichtung noch ansehen kann.

Ich mag dieses sehr dunkle, fast blauschwarze der Tuschzeichnung. Obwohl der Kopf nur ganz grob angerissen ist, hat er Persönlichkeit und auch etwas Nachdenkliches.

 

Tuschezeichnung auf Bütten, im Hintergrund Ölpastellstriche. 35×19 cm, Passepartout 40×50 cm. Entstehungsjahr 1986.

Nachtkrapp


In den 80er Jahren malte ich ein paar Bilder, die versuchten in der Tradition von Goya oder auch den Surrealisten Inneres nach aussen zu kehren.

Dabei fiel mir eine alte Angst ein, die mir als kleiner Bub eingeimpft worden war. Unsere erste Wohnung in Deutschland lag in einem kleinen Ort im Odenwald in der Nähe von Weinheim namens Unterflockenbach, das heute Gorxheimertal heisst. Ich war dort zwischen 3 und 6 Jahre alt und erlebte an sich eine Naturidylle mit Bach, viel Natur und Wald, und Kindergartenfreundschaften.

Aber es gab auch die Dörfler, die teilweise sehr rabiate Erziehungsmethoden hatten… und ich war eher sensibel 🙂

Jedenfalls wohnten wir in einer Einliegerwohnung oberhalb einer Gastwirtschaft und die Gastwirte, ein Mutter/Tochtergespann ohne Männer schauten nach mir, wenn meine Eltern arbeiteten.

Daher kam es vor, daß ich (in der dunklen Jahreszeit) erst dann nach Hause konnte, wenn es draussen schon dunkel war. Es waren zwar nicht mehr als 10-15m bis zur Treppe in den 2. Stock, aber die Dörfler machten sich einen Spaß damit zu sagen, daß, sollte ich mich nicht beeilen, der Nachtkrapp käme um mich zu holen.

Viel später hab ich recherchiert, daß dieser Nachtkrapp, ein sehr großer Rabenvogel, fast überall in Deutschland und Österreich als Mythos unterwegs war (und vielleicht noch ist).

Ich kann mich jedenfalls dran erinnern, daß ich nie schneller gelaufen bin als damals mit echter Angst im Nacken.

Die Angst vor dem Nachtkrapp hat sich irgendwann  gelegt, aber die Nachwirkungen hab ich immer wieder gespürt. Ich bin früher manche Abende mit dem Fahrrad durch den Wald gefahren, gerne auch ohne Dynamo, weil es dann schneller ging und die Nachtsicht irgendwann einsetzte. Wenn es aber dann hinter einem zu knacken begann, war das alte Gefühl auf einen Schlag da, irrational und groß.

 

Es gibt hier eine Vorzeichnung mit Bleistift, für die Übermalung benutzte ich Ölpastellstifte von Caran d’Ache teilweise hab ich sie gelassen wie sie waren, aber teilweise hab ich sie mit einem Pinsel mit Terpentin übermalt, weil der das Wachs auflöst und einen malerischeren Ductus erlaubt.

Ich wollte in dem Bild hauptsächlich die Dynamik der Bewegung und das Gefühl der Bedrohung wiedergeben, das ich damals empfand.

Das Bild hat eine Größe von 27×34 cm, das Außenmaß des Passepartouts ist 40x50cm. Das Papier ist nicht grundiert. Das Entstehungsjahr ist 1987.