Starstruck


Das heutige Bild wurde Anfang der Neunziger Jahre gemalt. Ich kann mich noch daran erinnern zu überlegen, ob ich das Bild auf den Rahmen ausweiten soll.

Ich habe es dann getan und gleich die Farbe für den Rahmen mitbestimmt. Es ist eines der wenigen Bilder, die als Gesamtkonzept ausgeführt wurden.

Normalerweise überläßt man es dem Kunden/Käufer/Liebhaber selbst einen Rahmen, passend zur Einrichtung, auszusuchen. Aber in dieser Beziehung bin ich eher nicht normal.

Früher vertrat ich die Auffassung, daß Rahmen und Passepartouts von der Substanz der Bilder ablenken. Heutzutage sehe ich es umgekehrt: Mit Rahmen bekommen viele Arbeiten eine Seriosität, die das geneigte Publikum dem rahmenlosen Werk nie zusprechen würde (es sei denn, sie würden die Handschrift und das Renommee des Künstlers erkennen). Im Grund habe ich mich vom Idealisten zum Realisten gewandelt 🙂

Allerdings hab ich immer noch eine Marotte, was das Rahmen eines Bildes angeht: Die Passepartouts, die ich selbst zuschneide und aussuche, sind fast nie weiß, wie es in Galerien Standard wäre (damit das Bild einen „neutralen“ Rahmen hat). Das finde ich verlogen. Entweder ich zeige ein Bild nackt, oder aber ich darf es ausstaffieren und es im besten Licht zeigen. Und dazu gehört ein Passepartout, der eine der Farben im Bild aufnimmt.

Aber zum Bild. Es ist mit Ölfarben gemalt, was ich anfangs oft, später nur noch selten machte. Ich wollte einen Kopf malen, der die menschliche Überforderung im Angesicht der Größe des Weltalls aufzeigt.

Ich meine den Moment, wenn einem klar wird, wie winzig man wirklich im Vergleich zum Universum ist. Ich weiß zwar nicht, ob das ein universeller Gedanke ist, aber ein paar meiner besten Freunde und ich haben in unserer Jugend solche Gedanken nächtelang gewälzt, also gibt es außer mir noch ein paar Menschen, die mit diesem Gedankengang etwas anfangen können 🙂

Das Orange des Shadowbox-Rahmens nimmt die Farbe von Mond und Sternen auf und wirkt einerseits als Fortsetzung oder Erweiterung, andererseits als Kiste oder Gefängnis, was den widersprüchlichen Charakter betont und der Farbe eine eigene Bedeutung zuweist.

 

Die Arbeit wurde auf einer mit Gesso grundierten Hartfaserplatte aufgemalt. Sie wurde alla prima aufgetragen, soll heissen auf ein Mal, ohne auf eine Zwischentrocknung zu warten und in Schichten vorzugehen.

Sie ist 20x29cm groß, der Außenrahmen hat ein Maß von 36×27,5 cm.

 

Der Titel hat auch eine doppelte Bedeutung: Die ursprüngliche Bedeutung ist von den Sternen beeindruckt zu sein. Die neue Bedeutung bedeutet von der Welt der Stars fasziniert zu sein.

 

Französische Landschaft


Ich war schon relativ oft in Frankreich. Es ist vielleicht das Land, das ich am meisten mag, außer dem, in dem ich lebe (Schleimwarnung). Da ich es nicht gerne zu heiß mag, bin ich meistens nicht zu weit im Süden zu finden, obwohl es dort natürlich auch schön ist, sondern mehr im Rest. Gegenden, die es mir besonders angetan haben sind das Burgund, das Perigord, die Bretagne, die Normandie und natürlich Paris und die nähere Umgebung. Nicht unerwähnt soll das Elsaß sein, das wird oft vergessen, weil wir direkt vis-a-vis wohnen.

Ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr genau daran erinnern, wo diese Landschaft lag, aber ich glaube es war die Strecke vom Jura in Richtung Besançon und weiter ins Burgund.

Es ist ein Bild, das die Abendstimmung versucht, wiederzugeben, die 15 Minuten, in denen das Licht schwächer wird und die Farben verschwinden. Es sind die Minuten in denen unsere Augen von Farbe auf Schwarz-Weiss umstellen.

Manchmal gibt es ein ungewöhnliches Licht, wie die grünen Töne hier. Die Landschaft hier ist nicht ungewöhnlich. Die Strecke ist leicht abschüssig, man sieht die Begrenzungen am Strassenrand und auch den Mittelstreifen. Die Strasse ist leer, es gibt keinen Verkehr, die Ebene deutet sich im Hintergrund an.

 

 

Das Bild wurde auf einen Ölkarton gemalt, den man für schnelle Ölskizzen benutzt. Ich hatte eine Vorskizze in blau gemacht und relativ fettig (mit viel Leinöl verdünnten Ölfarben) nass in nass gemalt.

Die Technik nennt sich alla prima und bedeutet „auf ein Mal“ statt in Schichten zu malen, was die andere wichtige Technik in der Ölmalerei ist.

Die Arbeit hat eine Größe von 34×27,5 cm und stammt aus dem Jahr 1985.

Atelierstillleben mit Clown


Die andere wichtige Art zu einem Bild zu kommen ist immer wieder das Abzeichnen. Wenn ich nicht wusste, was zu malen, zeichnete ich etwas ab, einen Aschenbecher, eine Papiertüte, egal was, kein Sujet zu unwichtig, es abzuzeichnen. Die eigene Bildsprache bildet sich mit der Zeit von selbst heraus, auch wenn man anfangs glaubt, in vielen Sprachen zu sprechen.

Ich habe in den vielen Jahren, in denen ich male immer versucht, einen Platz zu schaffen, an dem ich Farben, Stifte und andere Materialien ausbreiten kann, damit ich möglichst spontan arbeiten kann.

Als ich das erste Mal vom Elternhaus wegzog, leistete ich mir sogar mit einer Kommilitonin eine Atelier mit 2 Räumen, allerdings ohne Heizung oder Wasseranschluss.

Das war aber leider nicht haltbar.

Je nach Wohnsituation gab es mal mehr und mal weniger Platz. Ich finde wichtig, daß Malutensilien geordnet und greifbar sind, aber dazwischen darf ruhig auch anderes stehen. Zum Beispiel Dinge, für die man noch keinen richtigen Platz gefunden hat, oder eben auch mal eine Bierflasche, die man während der kreativen Arbeit getrunken hat.

Und so ist das folgende Bild entstanden. Es war auf der Tischplatte gestanden, auf der meine Malmaterialien auch stehen. Ich schaute es ein paar Mal an und dachte dann, daß es ein gutes Motiv abgeben würde.

 

Das Bild ist ausnahmsweise kein Bild mit Acrylfarben, sondern eines mit Ölfarben. Mir gefiel, es in Grautönen auszuführen. Die einzelnen Objekte sind eigentlich klar zu erkennen: Links eine Flasche Beck’s, mittig eine Dose amerikanisches Gesso, davor ein Grundierpinsel, rechts davon ein Wasserglas mit einweichendem Pinsel. Dahinter eine Schachtel auf dem die Figur eines Clowns steht (er war aus Keramik und bunt bemalt).

Die blaue Umrandung der Objekte ist eine Art Verbeugung an die „Aura“, die um alle Menschen liegen soll 🙂  Hier ist es mehr ein Spiel mit dieser Idee, frei nach einem Nebensatz einer meiner Musikheldinnen aus der Zeit, Nina Hagen. Im Lied „Herrmann hiess er“ (ein Stück über ihren damaligen Freund Herrmann Brood) heißt es „…das wahre Leben, wo die Geister schweben, ist für Herrmann lebenswert, alles andre ist für ihn verkehrt…“ Sie beschreibt die vielen Drogen, die er konsumiert, um sensibel zu sein und kritisiert, daß er nichts nüchtern empfindet.

Die blauen Umrisse sind wie Watte, die Gegenstände einpackt und sie so vor der direkten Erfahrung „schützt“. Oder aber es existiert vielleicht ein Schutzwall zwischen der Realität der Gegenstände und der Wahrnehmung: Das wahre Leben, wo die Geister schweben, eben.

Blitzballett


Das heute vorgestellte Bild ist ein frühes, gemalt während meiner Zeit an der Kunstschule. Ich suchte damals nach Malgründen, die ich mir leisten konnte und die eine gut Malfläche abgeben.

Meine Wahl fiel auf Hartfaserplatten von 5mm. Die waren dick genug, sich nicht gleich zu verziehen und boten genügend Widerstand, daß man relativ frei darauf malen konnte.

Allerdings machten sie auch mehr Arbeit. Man mußte sie von beiden Seiten grundieren nachdem man die glatte Seite angerauht hatte und diese Seite anschliessend mit einem Leinöl-Terpentin Gemisch einlassen.

Nachdem diese sehr aromatische Mischung getrocknet war, konnte man darauf malen.

Das Thema des Bildes ist erst einmal die Landschaft, und zwar der Blick auf den Emmertsgrund bei Heidelberg, wo ich zu der Zeit mit meiner Familie wohnte. Diesen Blick, und auch den entgegengesetzten, nämlich den von oben ins Tal hab ich einige Male gemalt und auch gezeichnet.

Der Auslöser aber, genau dieses Bild zu malen, war aber eine Autofahrt zum Emmertsgrund von Sandhausen oder der Richtung kommend, während ein Gewitter auf uns niederging.

Es war ein majstätischer Anblick – überall auf dem Emmertsgrund, einer erhabenen Hügelkette, prasselten die Blitze ein, nicht nur einzelne, sondern ganze Blitzcluster und erhellten die Nachtlandschaft mit ihrem grellen Licht.

Es sah aus wie eine große Inszenierung, und so hab ich es auch versucht, zu malen, mit einer großen Ordnung und einem Rhythmus, dem alles im Bild untergeordnet ist.

 

Ganz oben die blauen Dreiecke zeigen den Himmel an, darunter sieht man die verschiedenen Hügel in denen darunter der Emmertsgrund eingebettet ist. Die Hochhäuser (der Emmertsgrund ist eine Hochhaussiedlung) wurden durch die Farben Gold, Silber und Rot dargestellt. Darunter sieht man die Wingerte unterhalb des Emmertsgrunds, wo auch Wein angebaut wird. Die große graue Kurve links im Bild ist die Strasse, die in den Emmertsgrund führt, der gelb rote Kasten rechts unten im Bild ist das Einkaufszentrum in Heidelberg-Süd, ein (ehemaliges) Famila-Center.

Die Blitze sprechen für sich.

 

Die Arbeit hat die Größe 50×80 cm, es wurde mit Ölfarben gemalt. Das Entstehungsjahr ist 1982.

Kopfskizze


Der heutige Kopf war ein Experiment. Ich nahm einen Pappkarton, gab etwas Gesso dazu und legte eine ausgerollte Mullbinde drüber, um eine Art von Leinwand herzustellen.

Dann fing ich an das Gerüst aufzutragen. Die Farben sind Ölfarben, der Umriss des Kopfes ist hellem gebrannten Umbra aufgemalt. Augenbraue, Nase und Mund sind innerhalb eines Dreiecks eingezeichnet. Die groben Hell/Dunkel Flächen wurden auf der Stirn angebracht, aber nur dort. Mir gefiel nach kurzer Zeit der unfertige Aspekt der Ölskizze. Der schwarze Hintergrund hebt den Kopf hervor, betont vielleicht sogar den unfertigen, Frankenstein’schen Aspekt: ein Mensch, ein Homunculus noch nicht fertig und auch noch nicht definiert. Alles ist unfertig: Der Kopf, die Miene, die Haut, die Züge, der Hintergrund, einfach alles. Und doch, oder vielleicht gerade deshalb strahlt der Kopf eine gewisse Lakonik aus, ein „Was geht mich die Welt eigentlich an?“

 

 

Es gibt keine Signatur und keine Jahreszahl, weil ich die Skizze als unfertig betrachtete, bis sie mir gut genug gefiel nicht weiter daran zu arbeiten. Sie ist aber aus den späten 90er Jahren.

Die Ölskizze hat ein Maß von 16,5×24 cm. Einen Rahmen oder ein Passepartout gibt es bis heute nicht.

Triptychon


H. aus K., der Besitzer des erwähnten Triptychons fügte sich in sein Schicksal und fotografierte das „Frühwerk“ 🙂

Wie ich schon erwähnte, hatte ich mich mit Tafelbildern beschäftigt und fühlte mich imstande, auch eines zu erschaffen 🙂

Vorher sollte ich erwähnen, daß ich mit einem anderen sehr guten Freund, J. aus R., eine Reise ins nicht allzu ferne Taubertal machte, um auf der Strecke einige Riemenschneider Altäre anzuschauen.

Ich wohnte damals in Heidelberg, dessen kleines Kurpfälzisches Museum auch einen dieser Altäre hatte, der auch Ideengeber für diese Reise war.

Auf der Strecke von Heidelberg nach Rothenburg ob der Tauber, wo auch ein Prachtexemplar steht, gibt es noch einige andere, zum Beispiel in Detwang, direkt zu Füssen Rothenbergs in der Kirche Peter und Paul. Dort sind wir einfach aus Neugier hinein gegangen, ohne irgendetwas zu erwarten, und wurden von einem Riemenschneider Altar überwältigt, der so ganz ungeschützt dort stand. Heute würde der hinter Glas stehen, vermute ich. Wer Riemenschneider nicht kennt: Tilman Riemenschneider war ein Holzschnitzer und Bildhauer der Spätgotik bis Renaissance (1460-1531) und einer der besten seiner Zeit. Die Gewänder sind typisch für die Spätgotik im Faltenwurf stark stilisiert, aber die Gesichter sind wie von Menschen von heute.

Mich hat das jedenfalls stark beeindruckt, unter anderem, weil man so leichtherzig mit dessen Werk umging, als hätte es keinen Wert. Zur gleichen Zeit wurde die Mona Lisa hinter Panzerglas gebracht, weil es einen Anschlag auf sie gegeben hatte.

Aber zurück zum Triptychon. Es gibt einige sehr berühmte Triptychen, auch ein paar moderne. Die meisten haben religiöse Themen, aber ein paar der modernen beschäftigen sich mit anderen Themen: Otto Dix, ein Expressionist beleuchtet den ersten Weltkrieg, andere beleuchten die menschliche Verfassung und ihre Auswirkungen (Oscar Kokoschka – Prometheus Triptychon, und Francis Bacon, der sehr persönliche, verstörende Triptychen malte).

Ich hatte zwar Unterricht, der auch die menschliche Figur wie auch Portraits beinhaltete, aber fühlte mich in diesem Metier nicht firm genug, ein schlüssiges Großbild abzuliefern.

Ich kannte allerdings die Flaschen, die ich dann zu den Hauptdarstellern machte, gut 🙂  Nach einigen Vorzeichnungen und Versuchen entschied ich mich, Flaschen und Gläser allegorisch zu verarbeiten.

Ich will niemanden mit der Interpretation langweilen, es sei nur gesagt, daß die Flaschen für Männer stehen (hört, hört), das Glas für die Frau und jede Paneele einen Ausschnitt aus alltäglichen Lebensverhältnissen darstellt. Daß das mittlere Paneel nur Flaschen zeigt, finde ich immer noch eine akkurate Beschreibung unserer (Streit)Kultur 🙂

Wenn ich heute das Triptychon überarbeiten sollte, würde ich den unruhigen Hintergrund entfernen und ihn einfach grau belassen. Ansonsten gefällt es mir noch ganz gut.

Die Maße hab ich nicht im Kopf, aber es war nicht klein. Es ist auf Leinwand gemalt, es sind Ölfarben. Entstehungsjahr ist 1982-83-84?