Atelierstillleben mit Clown


Die andere wichtige Art zu einem Bild zu kommen ist immer wieder das Abzeichnen. Wenn ich nicht wusste, was zu malen, zeichnete ich etwas ab, einen Aschenbecher, eine Papiertüte, egal was, kein Sujet zu unwichtig, es abzuzeichnen. Die eigene Bildsprache bildet sich mit der Zeit von selbst heraus, auch wenn man anfangs glaubt, in vielen Sprachen zu sprechen.

Ich habe in den vielen Jahren, in denen ich male immer versucht, einen Platz zu schaffen, an dem ich Farben, Stifte und andere Materialien ausbreiten kann, damit ich möglichst spontan arbeiten kann.

Als ich das erste Mal vom Elternhaus wegzog, leistete ich mir sogar mit einer Kommilitonin eine Atelier mit 2 Räumen, allerdings ohne Heizung oder Wasseranschluss.

Das war aber leider nicht haltbar.

Je nach Wohnsituation gab es mal mehr und mal weniger Platz. Ich finde wichtig, daß Malutensilien geordnet und greifbar sind, aber dazwischen darf ruhig auch anderes stehen. Zum Beispiel Dinge, für die man noch keinen richtigen Platz gefunden hat, oder eben auch mal eine Bierflasche, die man während der kreativen Arbeit getrunken hat.

Und so ist das folgende Bild entstanden. Es war auf der Tischplatte gestanden, auf der meine Malmaterialien auch stehen. Ich schaute es ein paar Mal an und dachte dann, daß es ein gutes Motiv abgeben würde.

 

Das Bild ist ausnahmsweise kein Bild mit Acrylfarben, sondern eines mit Ölfarben. Mir gefiel, es in Grautönen auszuführen. Die einzelnen Objekte sind eigentlich klar zu erkennen: Links eine Flasche Beck’s, mittig eine Dose amerikanisches Gesso, davor ein Grundierpinsel, rechts davon ein Wasserglas mit einweichendem Pinsel. Dahinter eine Schachtel auf dem die Figur eines Clowns steht (er war aus Keramik und bunt bemalt).

Die blaue Umrandung der Objekte ist eine Art Verbeugung an die „Aura“, die um alle Menschen liegen soll 🙂  Hier ist es mehr ein Spiel mit dieser Idee, frei nach einem Nebensatz einer meiner Musikheldinnen aus der Zeit, Nina Hagen. Im Lied „Herrmann hiess er“ (ein Stück über ihren damaligen Freund Herrmann Brood) heißt es „…das wahre Leben, wo die Geister schweben, ist für Herrmann lebenswert, alles andre ist für ihn verkehrt…“ Sie beschreibt die vielen Drogen, die er konsumiert, um sensibel zu sein und kritisiert, daß er nichts nüchtern empfindet.

Die blauen Umrisse sind wie Watte, die Gegenstände einpackt und sie so vor der direkten Erfahrung „schützt“. Oder aber es existiert vielleicht ein Schutzwall zwischen der Realität der Gegenstände und der Wahrnehmung: Das wahre Leben, wo die Geister schweben, eben.

Motion-Geometry


Dieses Bild entstand aus einer Laune heraus. Ich hatte ein Blatt dickeres Papier, das sich für verschiedene Anwendungen eignete, und grundierte es mit Gesso. Dann machte ich eine leichte Vorzeichnung, um sie anschliessend mit Aquarellfarben auszumalen. Ich finde, daß der mit Gesso vorbehandelte Untergrund noch mehr strahlt als ein reguläres Bütten, und er lässt die Farben tanzen.

 

Die Form ist ganz einfach: Eine Schlange aus Dreiecken kommt ins Bild, windet sich einmal und verschwindet wieder. Der Hintergrund ist ebenmässig gelb, ist aber auch noch gepunktet, wobei die linke Seite nur grüne Punkte hat, die rechte Seite aber grüne und orangene Punkte. Die (Luft)Schlange hat auch etwas von einem Harlekin: Bunt, mit breiter Bewegung, vor einem Hintergrund, der dazu zu passen scheint.

Ich hab die Maße nicht greifbar, aber es ist ein kleines Bild, vielleicht 15×23 cm. Ich glaube das Passepartout war 30×40 cm groß. Es entstand 2013.

Bubbles


Dieses Bild hat die gleiche Motivation gemalt zu werden wie „Swamp Gas“, das Wasserbild mit den Blasen.

Hier ist das Format etwas kleiner, alles ist irgendwie gedrungener und vermischt sich mehr zwischen den Ebenen. Wo es bei Swamp Gas Hinter-, Mittel- und Vordergrund gab, ist er hier größtenteils aufgelöst.

 

Bubbles

Man kann schemenhaft Wasser, Pflanzen und eben auch Bubbles, also Luftblasen erkennen. Alles ist mit einem starken Pinselstrich gemalt, filigran ist hier nichts.

Es ist ein weiteres Bild das sich mit dem Wasser beschäftigt als Lebensraum, als Aggregatszustand, Grundstoff, Lebensgrundlage, mystisches Transportmittel von Geschichten der Menschen.

Durch das Übereinanderlegen der verschiedenen Farb- und Zeichenschichten entstehen zufällige Überlappungen, die für sich angeschaut wieder andere Gedanken an die Oberfläche befördern, wie Luftblasen das tun. Bubbles, eben.

Die Arbeit entstand 2014, es handelt sich um Acrylfarbe auf grundiertem Karton.

The scorched earth spares no one…


Das heute gezeigte Bild hat einen ziemlich langen und deprimierenden Titel: „The scorched earth spares no one; the ghost-fish flee in vain“, etwa: “ Die verbrannte Erde macht vor keinem Halt; die Fischgeister fliehen vergebens“ Ich kam erst nachdem ich das Bild gemalt hatte auf den Titel.

Ich weiss, daß ich dieses Gelb schön dominant und grob aufgetragen hatte und einen abgetönten Kontrast brauchte. Der wurde dann bläulich-grau.

Ohne darüber nachzudenken, fing ich an diese Fischfiguren mit Bleistift in die noch feuchte Farbe zu zeichnen um dann wieder mit Weiß oder Grau leicht lasierend drüber zu gehen und dadurch Ebenen zu schaffen.

Durch die sanfte Diagonale von rechts oben nach links unten und dadurch, daß alle Geister in eine Richtung schwimmen, entsteht eine Dynamik wie bei einer Flucht oder einer Stampede=Herdenpanik.

Die Bezeichnung Geister hat damit zu tun, daß die Fische als Umrisse dargestellt werden, und im Gelben dann mit Weiß dargestellt werden.

Den ominösen Titel hab ich nicht so sehr gewählt, als dass er mir zugeflogen ist. Für mich hat er etwas von Beschreibungen der Apocalypse oder auch eine der Höllen von Dante in der göttlichen Komödie. Normalerweise wäre mir der Titel zu ernst, aber er steht im Kontrast zum fast abstrakten Hintergrund des Bildes und den hingehuschten Figuren.

 

Die Arbeit hat ein Maß von 31×23 cm, das Passepartout ist 40×50 cm groß. Es ist auf Bütten, grundiert mit Gesso, gemalt, mit Acrylfarben und mit Bleistift.

Kunsthandwerk


Meine Mutter war eine kreative Frau. Sie hat, als wir anfangs in Deutschland eine Wohnung mieteten und nicht viel Geld zur Verfügung stand, mancherlei Gebrauchsgegenstände bemalt oder beklebt, um daraus interessantere Objekte zu machen. Heute würde man von Design-Hacks sprechen. Einige dieser Projekte hatten eine künstlerische Ausrichtung, andere wieder waren kunsthandwerkliche Arbeiten, oder auch Kunst am Gebrauchsobjekt.

Dazu gehört diese Nähtruhe, die mich gefühlt schon mein ganzes Leben begleitet. Ich weiß nur, daß sie zwischen 1963 und etwa 1966 entstand, weil ich sie noch in der Wohnung vor meinem inneren Auge sehe.

 

Sie mochte immer schon geometrische Muster und schaffte es, den Deckel schön dynamisch zu gestalten. Durch den patinierten Hintergrund wirkt der Vordergrund, als würde er darüber schweben.

 

Um den Rand des Kastens hat sie ein einfaches langgezogenes Dreiecksmuster mit eingeschränkter Farbpalette aufgemalt.

 

Die Farbtupfer, mit denen Sie den ganzen Kasten überzogen hatte, geben dem Nähkästchen eine Leichtigkeit und Verspieltheit.

Ich bewunderte immer ihre Farbauswahl. Es gibt nur eine Handvoll Grundfarben mit Variationen, aber das Kästchen ist nicht langweilig. Ich hab mich daran immer noch nicht sattgesehen.

 

Vor 2 Jahren dachte ich es einmal als Vorlage für einen weiteren bemalten Gebrauchsgegenstand zu benutzen: Ein Tablett

Wenn man dieses Bild mit dem ersten vergleicht, kann man sehen, daß ich Position und Farbe der Dreiecke übernahm, allerdings den Hintergrund und die allgemeine Farbgebung veränderte.

 

 

 

Hier kann man gut sehen, wie ich ihre Idee, die Seiten mit den langgezogenen Dreiecken aufgenommen habe und am Innenrand in verkleinerter Form aufgemalt habe.

 

Und hier noch einmal die Ansicht von oben.

Ich liebe meine kunsthandwerklichen Gegenstände. Sie geben meiner Wohnung eine Einzigartigkeit, die man nicht kaufen kann. Im Fall der Arbeiten meiner Mutter sind außerdem noch Erinnerungen damit verknüpft.

Das Tablett ist Holz, mit Gesso grundiert, mit Acrylfarben bemalt und mit Acryllack versiegelt. Entstehungsjahr ist 2015.

 

 

 

Landschaft mit Turm


Diese Landschaft ist auch deshalb ein wenig anders, weil sie hochkant gemalt wurde. Die meisten Landschaften werden tatsächlich mit der langen Horizontalen gemalt.

Wobei es da immer wieder Ausnahmen gibt… Die ersten Phantasielandschaften von da Vinci waren Hintergründe seiner berühmten Portraits, egal ob Mona Lisa oder Maria.

In diesem Fall hatte ich das Papier hochkant genommen und erst eine Hintergrundstruktur angelegt. Darauf malte ich dann die Rechtecke und das Innere der Rechtecke.

Später kamen dann die Wasserwellen im Vordergrund dazu. Erst an diesem Punkt bildete sich eine Idee, was das alles bedeuten könnte 🙂

 

Die Arbeit ist geometrisch aufgebaut und besteht aus Dreiecken, Vierecken und horizontalen Linien. Ausserdem die Wellenlinien im Vordergrund.

Ich habe nicht nur Aquarellfarben benutzt, sondern auch das Deckweiß um die Rechtecke zu umranden. Im Inneren der Rechtecke wurde auch mit Bleistift straffiert.

Es ist in dem Sinn eine Mixed Media Arbeit. Die Farben changieren zwischen Gelb, Grün und Orange, im Vordergrund gibt es Grau, Dunkelgrau und Blaugrau.

Es gibt auch eine Sonne und ein sommerliches Wetter 🙂

Das normale Blockpapier wurde mit Gesso grundiert und mit Aquarellfarben gemalt. Das Entstehungsjahr steht nicht dabei, aber es entstand vor 2000.

Landscape – Landschaft


Heute leg ich nochmal eine Landschaft nach, die kein Abbild der Realität ist, sondern eher Inneres nach Aussen kehrt. Es ist aber auch keine psychologisierende Landschaft, sondern eher eine, die sich mit dem beschäftigt, was Malern am wichtigsten ist (zumindest sehr oft), nämlich der Farbe. Ich will nicht für andere Maler sprechen, aber ich führe mit mir Zwiegespräche im Kopf, während ich male. Das sind keine abgehobenen Unterhaltungen, sondern eher Sätze wie: „… und jetzt das helle Gelb neben das Lila, das kommt richtig gut, verstreich das noch ein bisschen, damit man den Pinselstrich sieht, nehm jetzt das Palettenmesser und mach schön dick grün drunter, jaaa super!“

In anderen Bildern nehm ich mir vor, eine bestimmte Stimmung zu erzeugen, und suche dann in meinem Kopf nach den richtigen Farben. Ich lasse meine Ideen vor meinem geistigen Auge ablaufen und halte hier und da mal an, um zu überlegen, ob die dritte (oder vierte) Farbe auch passt, und ob sie die Farbe ist, die ich einsetzen will.

Wenn dann beim aussuchen des Titels „Landschaft“ drunter steht, ist für mich jedenfalls nicht wichtig, ob Blümchen am Rand stehen oder irgendwelche Illusionen bezüglich einer Landschaft gestützt werden, sondern der Titel ist die Aufforderung, sich auf die Arbeit einzulassen, sich vielleicht treiben zu lassen, und es vielleicht so zu sehen, wie ich auch.

 

Die Arbeit stellt eine deutsche Winterlandschaft ohne Schnee dar. Man kennt diese Art von Landschaft, auch diese Art von Wetter. Die Temperatur liegt seit Wochen um den Gefrierpunkt, alles in der Natur schläft, die Zeit scheint still zu stehen. Die Wochen bis zum Frühling ziehen sich quälend langsam hin…

Mit einfachsten Mitteln habe ich einen hellen Horizont und dunkle Wolken im Vordergrund angedeutet. Das weite Feld hält keinen Trost bereit, nur Weite. Mein Freund H. aus K. fände das wahrscheinlich schön 🙂

Für dieses Bild hab ich das Passepartout mit gezeigt, weil seine Farbe stark zum Gesamteindruck beiträgt. Die Arbeit misst 23×31 cm, das Passepartout misst 40×50 cm. Das Papier wurde mit Gesso grundiert und mit Acrylfarbe gemalt. Entstanden ist das Bild 2014.