Goldenes Horn


Heute hab ich wieder ein Saxofon dabei. Es gehört zu den Collagenarbeiten. Es ist ziemlich puristisch geraten und hat auch gewisse Elemente, die man in der Plakatkunst finden kann.

 

Vom Bildaufbau her ist die Arbeit so gemacht: Zuerst nahm ich zwei Streifen Zeitungspapier und klebte sie so auf, daß sich ein Trichter dazwischen bildete.

Dieser Trichter wurde mit Gesso ausgemalt, wobei der Bildrand auch Weiß ist und die Trichterränder abschließt. Danach hab ich grob die kontrastierenden Aquarellfarben Gelb und Lila aufgetupft.

Man sieht an den Trocknungseigenschaften und der relativen Transparenz deutlich, daß es Aquarellfarben sind. Letztendlich malte ich die Silhouette des Horns über Zeitung, Farben und weißer Fläche.

Von Plakaten abgeschaut ist das starke visuelle Element des Trichters (oder Megafons), das den Anspruch eines Saxofons, laut zu sein, visuell unterstützt. Ein weiteres Element aus der Plakatherstellung ist die grafische Darstellung des Horns. Bei Plakaten zählt oft der erste Eindruck und starke optische Reize gewinnen eher.

Die Arbeit hat eine Größe von 20×30 cm und entstand 1989.

Juni


Ein weiteres Bild im Kreis der Monate ist der Juni, bzw. es heißt so.

Es ist eine Collage insofern, daß wieder ein paar Stücke eines Briefkartons ausgerissen und aufgeklebt wurden. Darauf hab ich ein Feldraster aufgezeichnet, um es dann mit Rot, Blau und Gelb zu füllen. An dieser Stelle ein Gruß an Piet Mondrian!

Eigentlich sind es zwei Ebenen: Die erste Ebene wird durch die Kartonstücke dargestellt. Das ist Erde oder Felder, die im Juni fleissig den Pflanzen beim wachsen und gedeihen helfen.

Die zweite Ebene ist die abstrakte, künstliche. künstlerische in Gestalt von Linien und farbigen Rechtecken a la Mondrian, als Ausdruck der Reduktion in seinem Werk. Die Perspektivische Darstellung vermittelt die Weite des Landes. Sie liegt über der ersten Ebene und ist eine Art Vision von den Dingen die da harren.

Mir gefällt immer noch, wie die Linien ganz leicht die grob unterliegende Erde bindet und verbindet. So kommen zwei Ebenen zusammen, die nicht unbedingt zusammen gehören.

Farblich aber künden sie vom Sommer, vielleicht weil die Primärfarben in Verbindung mir dem erdfarbenen Karton die Farben des Sommers, das Intensive und das Erdige gut wiedergibt.

 

Die Arbeit ist 29×21 cm groß. Verwendet wurden Briefkarton, Kleber, Aquarellfarben und Kugelschreiber. Sie entstand 1988.

 

Januar


Vor ein paar Wochen hab ich begonnen ein paar Kalenderblätter, die ein Weihnachtsgeschenk an meine Mutter gewesen waren, hier einzustellen. Ich hatte mich schon gewundert, wo die anderen abgeblieben waren, aber vor ein paar Tagen fand ich 3 weitere Bilder. Hier also das Erste.

 

Bezeichnenderweise der Januar. Man sieht eine hügelige Landschaft, die schneebedeckt ist. Die fahle Sonne taucht alles in blaues Licht, im Vordergrund laufen parallele Spuren. Skispuren? Oder doch Wegspuren eines Traktors am Feldrand?

Es handelt sich hier um eine Collage, wobei sie sehr einfach gehalten ist. Es ist lediglich ein Stück Zeitungspapier auf den Untergrund geklebt worden. Darauf und auf den Hintergrund hab ich mit Gesso verschiedene, nicht zusammenhängende Untergründe aufgebracht. Darauf kam Aquarellfarbe in Gelb- und Blautönen um diesen kalten Wintereffekt zu erzielen. Das Untergrundpapier (der Kalender) ist wirklich schlecht. Ich weiss nicht wie lange der Untergrund hält. Die Zeitung ist auch schon viel dunkler als am Anfang. Die Farbe allerdings scheint alles schön zusammenzuhalten 🙂

Die Arbeit ist von 1988, das Mass ist 21×29,1 cm.

Schräge Töne


Das Bild hier ist das Dritte in einer Reihe von Saxofoncollagen. Dieses hier wurde auch wieder mit Wellpappe gestaltet, bekam aber auch noch einen Hingucker.

 

 

Die Klappen sind nicht aufgemalt, sondern ausgeschnitten und aufgeklebt. Dementsprechend sind die Schatten natürlich nicht echt, sondern aufgemalt, wie auch Licht und Schatten auf den Klappen selbst aufgemalt ist.

Anfangs wurde eine Gesso Unterlage aufgetragen, auf die eine Wellpappe geklebt wurde, deren Erhebungen ich etwas plättete um leichter darauf malen zu können. Den Hintergrund gestaltete ich dunkel mit grünen Sprenkeln, die das Original (einen grünen Samt) zitieren. Danach klebte ich die ausgeschnittenen Klappen auf. Erst nach diesem Schritt malte ich den Hintergrund (sieht man an den Aussparungen für die Klappen). Der Trichter ganz oben ist auch nur aufgemalt. Die Wellpappe endet kurz davor.

Der Titel ist natürlich eher lustig-doppeldeutig 🙂

Die Arbeit entstand 1989. Es wurde Gesso, Wellpappe und roter Bastelkarton verwendet. Es waren Aquarellfarben mit denen ich malte.

Sopran ausgeschnitten


Heute hab ich wieder ein Sopransaxofon dabei. Bei diesem Bild war es wichtig, etwas wegzunehmen.

Ich hatte ein Stück Karton oder Wellpappe und machte die Entdeckung, daß sich die glatte Schicht sehr leicht von der gewellten Schicht trennen ließ. Das ist nicht bei jeder Pappe der Fall, manche sind verklebt oder sonstwie anders miteinander verbunden und die Pappe reisst beim Auseinanderziehen.

Diese Pappe wurde mit Gesso grundiert, dann zeichnete ich mit Bleistift die wichtigsten Linien auf und aquarellierte das Sopran und Teile des Hintergrunds.

 

Und schnitt ich den restlichen Hintergrund mit einem scharfen Messer heraus. Die Wellpappe gibt dem Bild eine gewisse Raumtiefe, die horizontalen Linien erweitern die vorhandenen um eine weitere Ausrichtung und das nüchterne Hellgrau der Pappe bildet einen reizvollen Kontrast zur Farbigkeit des Aquarells.

Die Arbeit hat eine Größe von 19,5×25 cm und entstand 1989.

Motion-Geometry


Dieses Bild entstand aus einer Laune heraus. Ich hatte ein Blatt dickeres Papier, das sich für verschiedene Anwendungen eignete, und grundierte es mit Gesso. Dann machte ich eine leichte Vorzeichnung, um sie anschliessend mit Aquarellfarben auszumalen. Ich finde, daß der mit Gesso vorbehandelte Untergrund noch mehr strahlt als ein reguläres Bütten, und er lässt die Farben tanzen.

 

Die Form ist ganz einfach: Eine Schlange aus Dreiecken kommt ins Bild, windet sich einmal und verschwindet wieder. Der Hintergrund ist ebenmässig gelb, ist aber auch noch gepunktet, wobei die linke Seite nur grüne Punkte hat, die rechte Seite aber grüne und orangene Punkte. Die (Luft)Schlange hat auch etwas von einem Harlekin: Bunt, mit breiter Bewegung, vor einem Hintergrund, der dazu zu passen scheint.

Ich hab die Maße nicht greifbar, aber es ist ein kleines Bild, vielleicht 15×23 cm. Ich glaube das Passepartout war 30×40 cm groß. Es entstand 2013.

Kopfbilder


Eine Sparte kam hier noch nicht zur Sprache. Portraits oder allgemeiner: Kopfbilder. Portraits hab ich eine Weile sehr intensiv geübt, es wurde auch so, daß das Gegenüber erkennbar war, aber in meiner Klasse gab es einen, der so viel besser war, daß ich fast verzweifelte, und einen, der eigentlich Comics zeichnete, aber auch ein sehr gutes Auge hatte. Und der war auch besser.

Was ich aber heute zeigen will sind Zeichnungen oder Arbeiten, die ein bisschen wie die Telefonbilder funktionieren. Ich fange an auf einem Blatt Papier ein paar Striche zu machen, und bevor ich richtig darüber nachdenke, ist ein Kopf daraus geworden. Dann geht es um das Verstärken des ersten Eindrucks, den ich von diesen ersten Strichen bekommen habe, also das Vertiefen dieses Eindrucks.

Die Köpfe, die so entstehen können stilistisch sehr vielfältig sein. Manchmal ist der Auslöser, einen solchen Kopf zu zeichnen, ein neues Malmittel oder Papier, manchmal einfach nur, daß der Stift hinfährt, wo er will.

Eine Bemerkung noch zu diesen Automatismen: Wir hatten einen ehemaligen Meisterschüler, der manchmal in die Schule zurückkam, um die Druckmaschinen des Chefs zu benutzen (er war schon über 40 und konnte mehr schlecht als recht von seiner Kunst leben). Der Chef gab ihm eine kleine Nebenstelle als Assistent, und er durfte auch erklären und anleiten.

Einmal meinte er, daß seine größte Aufgabe die war, sich von seinen Automatismen zu befreien. Er malte abstrakt, und mußte immer wieder Teile seiner großen Bilder übermalen, weil er immer wieder in den Automatismus zurückfiel, menschliche Figuren zu malen oder anzudeuten. Er sagte auch, daß jeder Maler seinen eigenen (inneren Schweinehund) überwinden müsse, um weiter zu kommen.

Ich weiß nicht, ob das stimmt, ich weiß allerdings, daß mir manche Dinge sehr schwer fallen (zum Beispiel große Formate zu malen).

Jedenfalls sind die Köpfe für mich ein solches Ding, auf das ich immer wieder zurückfalle. Ich nehme allerdings dann die Gelegenheit wahr, sie so auszumalen, daß sie auch wirken.

 

Die Arbeit heißt „Disbelief“ oder Ungläubigkeit ( im Sinne von: ich kanns einfach nicht glauben!). Ich hatte eine Tuschefeder und Tusche und ein Blatt Papier. Man sieht, daß die Striche ganz allgemein und diffus gesetzt wurden. Dann sah ich das Gesicht und packte die Aquarellfarben aus und kolorierte das Bild. Man sieht rechts, wie ein Teil der Tusche verläuft, weil sie noch nicht ganz trocken war.

Die Arbeit ist 22,5x 28 cm groß, das Passepartout hat eine Größe von 40×50 cm. Es entstand 1988.

Ohne Titel/Landschaft


Hab ich schon erwähnt, daß ich rhythmische Sachen mag? Ach so, ich glaube ja 🙂

Bei diesem Bild handelt es sich um ein grundiertes Stück Papier, dem ich noch ein Stück Stoff und eine Schnur hinzugefügt habe, was es zur Collage macht. Die Schnur hab ich in Gesso getränkt und sie dann auf den noch feuchten Malgrund gegeben, wo ich sie durchtrocknen liess. Danach hab ich das kleine runde Leinenstück getränkt und über die Schnur gelegt, nachdem ich sie wieder befeuchtet hatte. Das Leinenstück wurde später zum Mond.

Ich habe, nachdem alles wieder trocken war ein paar diagonale und horizontale Linien gezogen. Die   ein Dreieck mit nach unten ausgerichteter Spitze. Dieses Dreieck definiert die Markierungslinie der verschiedenen Farbflächen, die sich über das Bild verteilen, wobei die warmen Farben das rechte aufsteigende Dreieck einnehmen und die kälteren Farben die linke aufsteigende Seite einnehmen. Zur Mitte und nach oben hin werden die einen wie die anderen Töne heller.

Die Spirale, die von der Schnur definiert wird trennt auch immer einen Ton vom anderen (auch wenn die Figur über die Schnur hinausgeht. Die Schnur ist also ein weiteres trennendes wie auch rhythmisches Element. Ich könnte noch erwähnen, daß die Mathematik, die eine solche Spirale beschreibt als Grundlage auf dem Goldenen Schnitt fusst, diesem Seitenverhältnis von „idealer“ Proportion.

Den Mond hab ich hinzugefügt, um dem Bild über die Geometrie hinaus einen Wiedererkennungspunkt zu geben.

 

Das Bild wurde mit Aquarellfarben gemalt. Ich finde, sie haben einen ganz besonderen Reiz. Sie sind sehr intensiv, auch in den Pastelltönen, aber sie lassen den teilweise sehr pastosen Untergrund voll zum Vorschein kommen und betonen ihn sogar. Es könnte ausgeblichenes Gemäuer in Spanien oder Griechenland sein.

Die Arbeit hat ein Maß von 29×21 cm, Außenmaß des Passepartouts ist 40×50 cm. Entstanden ist das Bild 1992.