Garten der Lüste


Das Bild von Hieronymus Bosch mit dem Titel Garten der Lüste gehört zu seinen bekanntesten Werken und kann im Prado in Madrid bewundert werden.

Ich kenne das Bild seit meiner Kindheit und war immer sehr beeindruckt von der außerordentlich genauen Darstellung aller möglichen Verfehlungen (gerade im Unterwelt- oder Höllenteil gibt es eine ausufernde Phantasie, was das Quälen geschundener Sünder angeht).

Erst sehr viel später fand ich im Netz eine genaue Analyse des Bildes mit sehr genauer Erklärung, um was es dem Maler wirklich ging. Das Bild ist im Grund eine Abhandlung moralphilosophischer Art über Religion und das Erfüllen der biblischen Weisungen. Bosch muß ein Experte der biblischen Deutung gewesen sein und hat auf vielen anderen Bildern immer wieder zentrale Themen aus der Bibel auf eigene Art thematisiert (Die sieben Todsünden, auch Prado, Madrid). Es werden immer wieder Kreisläufe aufgezeigt, die Handlung und Konsequenz aufzeigen.

Die Interpretationen, die ich heute fand, da ich die andere suchte, waren anders und hatten einen anderen Ausgangspunkt. Jedenfalls wird der geneigte Leser eine Fülle an Material im Netz finden, um sich einzulesen.

Ich hatte Lust eine Art von abstrakter Variante zu versuchen und machte mich daran eine kleine Vorskizze zu zeichnen, nur um zu sehen, wie es später wirken könnte. Es war ein Aquarell auf normalem Papier, A4 groß, mit zusätzlichem Bleistifteinsatz. Die Skizze ist von 2013.

 

Mir war wichtig, die 3 Bereiche Paradies, die Lebenswelt und die Unterwelt verschieden darzustellen. Bei der Skizze wußte ich noch nicht, wie genau ich das anstellen wollte, aber die grundlegenden Gedanken waren schon gefasst. Im Mittelteil, dem Paradies gibt es das göttliche Licht, die Unterwelt hat eine bogenartige Abwärtsbewegung, das später dann in Treppen umgearbeitet wurde. Die Normalwelt erinnert farblich am ehesten an unsere Erlebniswelt.

 

Einige Zeit später machte ich mich daran, die Skizze als Großbild in einer Art Tryptichon zu realisieren, wobei ich allerdings das Mittelstück nicht breiter als die Flügel machte und außerdem die Position des Paradieses und der Lebenswelt austauschte. Im Original liegt das Paradies links und die Welt ist in der Mitte, bei mir ist das Paradies zentral und die Welt links.

 

Der Maßstab ist hier ein ganz anderer. Die einzelnen Leinwände haben ein Maß von 50×150 cm, somit ergibt sich eine Gesamtfläche für das Bild von 150×150 cm.

Ich habe für jedes Bild eine andere geometrische Grundform gewählt und versucht die Vielfalt, die Bosch seinem Werk angedeihen ließ, auf andere Art darzustellen. Der geneigte Betrachter kann auf das Bild klicken und eine vergrößerte Form betrachten.

Ich will zu dieser Arbeit nicht so viel erzählen, vielleicht wirkt sie besser ohne viele Worte, aber eines vielleicht: Die „Treppen“ der Unterwelt auf der rechten Seite bilden, wenn man es schräg von der Seite betrachtet, das äussere Gerüst einer Doppelhelix, der Form der DNA. Somit schliesse ich mit dem Spruch : The road to hell is paved with good intentions (Bernard de Clairvaux).

Die Arbeit wurde auf Leinwand gemalt, die mit Gesso grundiert wurde. Malmittel waren Acrylfarben und verschieden Acryl Malmittel, Trockner, Retardierer usw. Wie schon gesagt, sind die einzelnen Leinwände jeweils 50×150 cm groß. Das Ensemble hängt in meiner Wohnung statt dem Fernseher über der Stereoanlage 🙂 und ist wirklich raumgreifend.

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Crash Boom Bang


Vor ein paar Monaten hatte ich schon mal ein Bild mit einem auditorischen Titel eingestellt, nämlich „Flash“. Etwas danach war ich wieder daran, diesmal, um einen Klang malerisch zu beschreiben.

Im Englischen gibt es etliche Wortreihen, die als Kürzel für im Sprachraum gleich verstandenen Dinge stehen. Dazu gehört „Snap, crackle, pop“ eine lautmalerische Umschreibung von Cereals-Cerealien (Frühstücksgetreide), das je nach Getreide bei Zugabe von Milch solche Töne macht (Hafer pops).

Crash boom bang steht für einen großen Krach, entweder von einem Schlagzeug verursacht, oder eine unkontrollierte Abfolge lauter Geräusche. Das Fachwort für Wörter, die Klänge beschreiben (nachahmen) heisst Onomatopöie und ist höchstwahrscheinlich griechischen Ursprungs 🙂

Aber ich brauche mich eigentlich nicht um die Worte kümmern, sondern um die Darstellung derselben:

 

Mir ging es beim Malen und zeichnen um den Versuch, die Dynamik darzustellen. Ich weiß auch, daß eine Fotografie das viel besser einfangen kann. Aber wie eine Aufnahme, die einen winzigen Moment aufnimmt, habe ich hier die Möglichkeit verschiedene Dinge gleichzeitig zu zeigen. Dazu gehört der weisse energiereiche Blitz im Zentrum, der verschiedene Farben des Spektrums hervorruft. Auch die Farben gegen einen dunklen Hintergrund gehören dazu. Oder auch die wolkigen Rauchpuffs, die zeigen, daß hier etwas explodiert ist.

Im Vergleich zu „Flash“ ist diese Arbeit brachialer, es fehlt ihr die feine Nachbearbeitung mit dem Bleistift, dafür wurde sie in Schichten aufgebaut. Die untere Schicht besteht aus Acrylfarbe, die ich teilweise mit den Fingern aufgetragen und verrieben habe. Dann kamen Ölpastelle zum Einsatz, weil deren Leuchtkraft sehr gut auf dunklen Gründen zur Wirkung kommt, und weil sie auf Acrylgrund haften. Die Puffs hab ich mit weissem Ölpastell aufgezeichnet und dann mit den Fingern wolkig verrieben, wobei mir der Effekt gut gefällt, weil er der Arbeit eine gewisse Dreidimensionalität gibt.

Die Arbeit stammt von 2014 und hat ein Maß von 21×29,5 cm.

Sopran- 2 Varianten


Hier gibt es wieder ein Saxofon Bild. Es zeigt das Horn und ein paar Klappen eines Sopransaxofons auf zwei verschiedenen Arten. Das linke Saxofon entstand, indem die grobe Form in blauen und weissen Tönen zuerst mit Acrylfarben aufgemalt wurde. Nachdem die Farbe trocken war kamen nach und nach die weißen Lichtpunkte und später mit schwarzen Kreidepastellen die dunklen Stellen auf dem Saxofon und dann der Hintergrund.Das rechte Saxofon bekam erst eine Grundierung mit Gesso, dann wurden die Umrisse des Instruments mit verdünnter Acrylfarbe in zartem Blau aufgetragen. Dann hab ich mit Bleistift Hintergrund- und Schattenbereiche leicht schraffiert, wobei die Struktur des Gessos zum Vorschein kam. Die zwei Saxofone werden durch zwei Treppenformen gerahmt, die Obere in Weiss, die Untere in Grau auf Gesso aufgemalt. Als das Gesso noch nass war hab ich den Pinsel umgedreht und einen Notenschlüssel und ein paar Noten ins Gesso eingezeichnet. Das sind nach dem Einfärben mit Grau die dunklen Stellen.

Das reizvolle für mich ist das Spiel mit Vorder- und Hintergrund. Bei beiden Saxofonen gibt es Stellen, die an sich an anderer Stelle stehen müssten, aber anderswo stehen und dadurch irritieren (die Schatten auf den Klappen beim rechten Saxofon, zum Beispiel). Dadurch bekommt die Darstellung ein starkes grafisches Element, fast wie bei einem Druck.

Die treppauf, treppab Bewegung des Hintergrunds rahmt die Saxofone ein.

Die Arbeit hat eine Größe von 27×32,5 cm. Es ist nicht datiert und nicht signiert.

 

Here there be monsters


Heute zeig ich ein Bild, das für mich ungewöhnlich ist, das aber jeder kennt, der im Kindergarten oder in der Schule Malen oder Kunstunterricht hatte.

Es handelt sich um ein Bild, das dadurch entstand, daß ein Blatt Papier in Farbe gelegt wurde, die auf eine (Holz)Fläche aufgetragen worden war.

Danach wurde das Blatt abgezogen und geschaut, was es denn sein könnte. Jetzt wurde das Gesehene hervorgehoben.

Man kann sehen, daß ich nicht so sehr viel gemacht habe.

 

 

Es kam der blaue Hintergrund dazu, ein paar Kreise mit sternförmigen Strichen außen herum, ein paar graue Schattierungen dort wo Haare wären 🙂

Auch das „Auge“ (oben, mittig, unter den grauen Haaren) kam dazu. Das waren die Dinge, die ich sah und herausarbeitete: Ein Monster, eine Phantasiegestalt.

Soweit, so belanglos. Ich schaute das Werk einige Tage an, immer überlegend, was da noch entstehen könnte.

Dabei fiel mir auf, daß die Spuren, die der Abzug des Papiers von der saugenden Farbe hinterlassen hatte, aussahen wie die Höhen-, und Tiefenlinien in Landkarten und Atlanten.

Da ich den Hintergrund schon blau bemalt hatte, war es kein großer Schritt sich eine Landkarte vorzustellen.

Und dann fiel mir ein, daß die Landkarten aus der Zeit, da noch vieles unentdeckt war, einen Aufdruck an den Rändern aufwiesen: Oftmals war es das lateinische „Terra incognita“, das unbekannte Land, aber manche englische Karten hatten auch den Aufdruck: „Here there be monsters“, altes Englisch für „hier gibt es Ungeheuer“, das bedeutete, daß man nicht wußte, was es hier gab.

Und damit gelingt der Brückenschlag von Bekanntem, Rationalem in unserem Leben, und den Bereichen, die für jeden von uns etwas verschieden ist, aber uns alle irgendwie berührt: Das Irrationale, die Nebelgeister im Wald in der Dämmerung, die komischen Schatten auf einer unbekannten, dunklen Strasse, die schnell vorbeihuschen, und andere Effekte, die uns ganz schnell wieder in eine kindliche Zeit zurückwerfen, in der alles möglich war. Meistens stecken wir das schnell weg, aber es gibt auch Situationen, in der der Schreck nicht schnell vorbeigeht, sondern durch die Umstände länger anhält (zB eine nächtliche Fahrt durch unbekanntes Gebiet mit Regen und Blitzen) und hohen Stress hervorruft-Grenzerlebnisse für jeden von uns.

Here there be monsters eben.

Die Arbeit misst 21,5×27,5 cm und wird durch ein Passepartout von 40×50 cm eingerahmt. Es stammt aus dem Jahr 2013 und wurde mit Acrylfarben hergestellt. Dazu kamen noch Bleistiftstriche.

Squid to the stars – Pulpo per aspera ad astra


Es gibt noch einen Nachzügler unter den Squids. Das Bild entstand gleichzeitig mit den anderen Squids, also etwa zwischen 2013 und 2014.

 

Das Papier ist eine Art von Bütten, das wieder mit Gesso grundiert wurde. Man sieht gut die Struktur des Blattes durch die Grundierung durch. Man kann aber auch die Bürstenstriche der Grundierung erkennen, die wie ein wehender Wind durchs Blatt weht. Darauf zerschmelzen die „Sterne“ im Raum. Das Licht hat verschiedene Quellen, aber sie scheinen von unten zu kommen, was dafür spricht, daß der Squid einen neuen Bereich erschlossen hat. Eine neue Gemarkung – a new frontier?

 

 

 

Toto/Not Kansas


Heute will ich ein Bild zeigen, daß die Wichtigkeit des Titels betont. Das ist nicht das erste Mal, daß ich darüber schreibe.

Paul Klee, einer der Künstler, die ich am meisten schätze, ließ sich unter anderem sehr lange Zeit einen Titel zu finden. Dabei sind dann aber geniale Wortschöpfungen entstanden wie „die Zwitschermaschine“, eine kolorierte Zeichnung, die Vögel zeigt, die auf einer Art von Welle sitzen, an deren Ende sich eine Kurbel befindet 🙂

Soweit die klassische Moderne. Es zeigt sich, daß eine gewisse Poetik den Geist animiert, Assoziationen zu bilden, auf die man nicht ohne Anregung gekommen wäre.

Bei meinem Bild ging es zuerst um die Maltechnik. Es ist ein Bild, das aus mehreren Farbschichten besteht. Es sind wieder einmal Acrylfarben, die zum Einsatz kamen, die immer wieder verdünnt über tiefere Schichten aufgetragen wurden und so den Grund veränderten. Dadurch, daß die Farben dünn aufgetragen wurden, sieht man den Hintergrund recht gut durchscheinen. Man kann das besonders gut am Bildrand sehen. Besonders interessant finde ich den irisierenden Effekt, der beim Hintergrund entsteht, weil die Farben sparsam aufgetragen werden und erlauben, durch die Farben durchzuschauen, was eine Räumlichkeit herstellt.

Ganz anders das Gebilde im Mittelgrund. Hier ist es eine pastose Malerei, die aufgetragen wird. Das konnte erst passieren, nachdem der Hintergrund ganz trocken war, damit da keine unbeabsichtigte Vermischungen passieren. Ich habe zuerst dunkle Farbe genommen und sie zur Mitte hin mit hellerer Farbe aufzuhellen. Durch die Strichführung erkennt man auch die unterliegende runde Struktur der Form.

Diese Form stellt einen Tornado dar. Darüber gibt es eine Form aus Dreiecken, die Dreidimensionalität auch ein bißchen nachzeichnet. Ideengeber dafür sind die geodesischen Konstrukte von Buckminster Fuller, ein Architekt, Städteplaner und Visionär, der Mitte der 60er Jahre eine Kugel aus Sechsecken formte, die beliebig miteinander verbunden werden konnten, um Wohneinheiten zu bilden.

Sie gelten als eine Weiterentwicklung der modularen Architekturansätze des Bauhaus und beinhalten auch starke Recycling Ansätze. Die Verbindung zwischen seinen Sechsecken und meinen Dreiecken ist der dreidimensionale Ansatz.

 

Jetzt kommen wir zum Titel. Die Musikredakteure unter meinen Blog-Lesern schmunzeln entweder oder fassen sich an den Kopf 🙂

Zuerst einmal ist der Titel eine Verbeugung in Richtung L. Frank Baum, dem Autor des „Wizard of Oz“, allseits bekannt als komplexes Kinderbuch oder auch als Musical, wahlweise mit Judy Garland oder auch Diana Ross in der Hauptrolle. Hier ist Toto der Name des Hundes, der von Dorothy gesucht wird. Kansas bezieht sich auf den Satz den Dorothy äussert, nachdem sie nach der Landung des Hauses nach dem Flug im Tornado merkt, daß sie sich anderswo befinden „We’re not in Kansas anymore“

Die zweite Bedeutung ist etwas für Artrocker aus den späten 70er Jahren. Beide Namen, Toto und Kansas sind Namen von sehr bekannten Bands der Siebziger und Achziger Jahre (wobei Toto die jüngere Band ist und auch noch in den Neunzigern aktiv war. Wer die Bands kennt, weiss auch um deren Unterschiede. Kansas war eine sehr erfolgreiche Band, die dem Art- oder Prog- Flügel des Rock zugeordnet wird, Toto hingegen war eine Hitmaschine aus Kalifornien, die mit hochkarätigen Musikern bestückt war, die auch viel bei anderen Musikern im Studio mitgeholfen haben. Sie spielten sehr radiotaugliche Musik, aber mit viel Druck, die mit Rock identifiziert wurde.

Dieser Hinweis hat eigentlich mit dem Bild an sich wenig zu tun, die Doppeldeutigkeit fügt aber eine gewisse „whimsy“ (Laune, Grille, Schrulle) zum gesamten Werk.

Die Arbeit ist 21×32 cm groß und mit Acrylfarben auf einen Karton gemalt worden. Es wurde 2014 fertiggestellt.

 

Garden Water and Light


Das heutige Bild gehört zu den atmosphärischen Arbeiten der letzten Jahre zu denen auch die Squids gehören.

Dieses Bild zeichnet sich aus durch rhythmische Wiederholung, farbliche Zurückgenommenheit, und die Thematik, unter die viele meiner Arbeiten fallen: Wasser und Licht

Hier arbeitete ich wieder einmal mit Acrylfarben, wobei bei diesem Bild das Übermalen mit nur leicht deckenden Farben wichtig war, um eine gewisse „Patina“ zu erreichen.

Das Bild ist in blau-grünen Tönen gehalten, die mit Weiss aufgehellt und durch die gelben Bereiche hervorgehoben werden.

Die Formen sind ambivalent gehalten und sollen nur ein Anstoss für die Phantasie sein: Die Kreise könnten Pflanzen sein, oder auch Luftblasen. Die dunklen Vertikalen könnten Pflanzenstängel sein oder auch nur aufsteigende Linien. Das Gelb steht zwar auch für Licht, bildet aber auch den Kontrast zu Wasser/Pflanze, um eine positive/leuchtende Seite zu bieten.

 

Die Arbeit hat ein Maß von 21,5×32 cm. Ich benutzte Acrylfarben und malte auf einem Mixed Media Papier, das vorher mit Gesso grundiert wurde. Das Entstehungsjahr ist 2014.