Kopfbilder


Eine Sparte kam hier noch nicht zur Sprache. Portraits oder allgemeiner: Kopfbilder. Portraits hab ich eine Weile sehr intensiv geübt, es wurde auch so, daß das Gegenüber erkennbar war, aber in meiner Klasse gab es einen, der so viel besser war, daß ich fast verzweifelte, und einen, der eigentlich Comics zeichnete, aber auch ein sehr gutes Auge hatte. Und der war auch besser.

Was ich aber heute zeigen will sind Zeichnungen oder Arbeiten, die ein bisschen wie die Telefonbilder funktionieren. Ich fange an auf einem Blatt Papier ein paar Striche zu machen, und bevor ich richtig darüber nachdenke, ist ein Kopf daraus geworden. Dann geht es um das Verstärken des ersten Eindrucks, den ich von diesen ersten Strichen bekommen habe, also das Vertiefen dieses Eindrucks.

Die Köpfe, die so entstehen können stilistisch sehr vielfältig sein. Manchmal ist der Auslöser, einen solchen Kopf zu zeichnen, ein neues Malmittel oder Papier, manchmal einfach nur, daß der Stift hinfährt, wo er will.

Eine Bemerkung noch zu diesen Automatismen: Wir hatten einen ehemaligen Meisterschüler, der manchmal in die Schule zurückkam, um die Druckmaschinen des Chefs zu benutzen (er war schon über 40 und konnte mehr schlecht als recht von seiner Kunst leben). Der Chef gab ihm eine kleine Nebenstelle als Assistent, und er durfte auch erklären und anleiten.

Einmal meinte er, daß seine größte Aufgabe die war, sich von seinen Automatismen zu befreien. Er malte abstrakt, und mußte immer wieder Teile seiner großen Bilder übermalen, weil er immer wieder in den Automatismus zurückfiel, menschliche Figuren zu malen oder anzudeuten. Er sagte auch, daß jeder Maler seinen eigenen (inneren Schweinehund) überwinden müsse, um weiter zu kommen.

Ich weiß nicht, ob das stimmt, ich weiß allerdings, daß mir manche Dinge sehr schwer fallen (zum Beispiel große Formate zu malen).

Jedenfalls sind die Köpfe für mich ein solches Ding, auf das ich immer wieder zurückfalle. Ich nehme allerdings dann die Gelegenheit wahr, sie so auszumalen, daß sie auch wirken.

 

Die Arbeit heißt „Disbelief“ oder Ungläubigkeit ( im Sinne von: ich kanns einfach nicht glauben!). Ich hatte eine Tuschefeder und Tusche und ein Blatt Papier. Man sieht, daß die Striche ganz allgemein und diffus gesetzt wurden. Dann sah ich das Gesicht und packte die Aquarellfarben aus und kolorierte das Bild. Man sieht rechts, wie ein Teil der Tusche verläuft, weil sie noch nicht ganz trocken war.

Die Arbeit ist 22,5x 28 cm groß, das Passepartout hat eine Größe von 40×50 cm. Es entstand 1988.

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Ein Kommentar zu “Kopfbilder

  1. Gefällt mit ausnehmend gut, wie dieses Staunen eingefangen ist- mit einem leichten Unterton des Unerfreulichen (..his eyes staring with disbelief: you can’t say that!… I said, I do it all the time)

    Gefällt 1 Person

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