Aufstrebend


Das Bild heute hat Ähnlichkeit mit zwei anderen, die ich schon zeigte: Dem Zigarettenpapierbild, und dem Turmbild. Es besteht aus Dreiecken und strebt nach oben,

Ich bin immer schon an einfachen geometrischen Formen interessiert gewesen und finde die Möglichkeiten der Form- und Farbgestaltung sehr weitläufig.

Teilweise hat das mit meiner Vorliebe für die Malerei und Grafik Paul Klees und der Expressionisten im Allgemeinen zu tun, teilweise ist aber das Aufbrechen organischer Formen auch der frühen Technik der Glasmalerei der Kirchenfenster geschuldet. Die Glasscheiben mussten zugeschnitten werden und dann mit Blei und Zinkrand versehen, in die größeren Streben eingebettet werden. Oft bedienten sich die Leute, die die Glasfenster zusammensetzten, regelmäßiger Muster, was ihre Arbeit etwas erleichterte, und dem Fenster obendrein eine gewisse Regelmäßigkeit gab.

H. aus K. und ich waren vor vielen Jahren schon einmal unterwegs gewesen und hatten Gelegenheit ein paar schöne Fenster zu betrachten, unter anderem die der Kathedrale von Chartres. Wer von sowas nachts träumt, sollte unbedingt den Weg dorthin finden, sie sind wirklich wunderschön und total farbintensiv.

Aber zurück zu meinen Dreiecken. Hier benutzte ich wieder Acrylfarben, aber eher lasierend, also mit Malmittel verdünnte Farben, die durchscheinend trocknen und mehrfach übermalt wurden. Manche der Farben wurden auch mit Weiss vermischt, man sieht das am milchigen Aussehen.

Der Hintergrund war in diesem Fall ein Pappkarton, wie der eines Papierblocks. Das hab ich immer wieder mal gemacht, weil das Pinselgefühl ein anderes als auf Papier oder Leinwand ist (der Grund saugt stärker, also schichtet man die Farben und bekommt andere Effekte.

 

Aufstrebend

Ich versuche beim setzen der verschiedenen Farben nicht zu mathematisch vorzugehen, weil ich denke, das ein starres System langweilig wäre. Stattdessen überlege ich bei jedem Dreieck, welche Farbe passen könnte und wie sie auf die zukünftigen Dreiecke Einfluss nehmen würde. Es ist ein bisschen wie Schach spielen, insofern man immer ein paar Schritte im Voraus denken (fühlen) muss.

Der dunkle Rand ist übrigens Absicht, er gleicht das leichte Übergewicht der Vertikalen am linken Bildrand aus, das ein Übergewicht links verursacht. Durch den breiten Rand rechts unten hab ich ein Gegengewicht gesetzt und das Bild wieder ausgeglichen.

Der Titel soll auch ein wenig die Verbindung zu Sakralbauten und deren Bestimmung herstellen. Nicht umsonst allerdings ist die Vertikale links (ein möglicher Turm oder eine Andeutung eines solchen) nicht nach oben abgeschlossen. Man weiss nicht, was da noch ist – ein Glockenturm oder ein Minarett?

Für mich geht es in dem Bild hauptsächlich um die Farbe, deren Vielfalt und Fähigkeit, uns über die Augen ins Herz zu treffen.

Diese Arbeit entstand 2016.

 

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