Gefülltes Stubenküken


Heute auf dem Markt fand ich am Geflügelstand ein Stubenküken. Es gab, geschuldet der Jahreszeit, auch Wachteln, Gänsekeulen und ganze Enten, dazu ganze Kaninchen, Kaninchenteile, Lammkronen, Lammhüften und Filets, außerdem Teile von der Pute. Man merkt, es geht Richtung Feiertage, wenn es auch noch 6 Wochen bis dorthin braucht.

Daheim angekommen schaute ich in einem Kochbuch, das ich letztes Jahr geschenkt bekam, nach, ob sich etwas Passendes fände. Es handelt sich um ein Kochbuch von Alfons Schuhbeck, das „Meine Klassiker“ heißt. Es hat, wie man sich vorstellen kann, viele bayerische Spezialitäten dabei (die natürlich schön verfeinert sind), aber es gab auch ein Rezept mit einem Stubenküken, das mit einer Semmel-Brätmischung gefüllt wird. Der Clou dabei ist, daß das Stubenküken vorher von hinten (vom Rückgrat her) entbeint wird.

Ich habe genau ein Messer, das scharf genug ist, diese Aufgabe zu erledigen, also nahm ich es und fing an. Ich hab das noch nie vorher gemacht, aber es hat ganz gut geklappt. Was mir später auffiel, war, daß das gefüllte Küken nicht mehr nach Huhn, sondern nach Ente aussah 🙂

Das Rezept von Schuhbeck ist insofern komplex, daß es verschiedene Schritte hat, die man nach und nach erledigen muß. Und hier taten sich die ersten Gräben auf. Er verlangt als Fülle eine Mischung aus Semmelknödeln und Kalbsbrät. Wenn man nicht zum Metzger geht, der selbst Würste macht, ist Brät schwer zu finden.

Ich holte mir eine Kalbshaxenscheibe und drehte sie per Hand durch meinen Fleischwolf. Das tat ich dreimal, bis ich eine Konsistenz ähnlich der von Brät für eine feine Bratwurst hatte.

Für die Füllung:

1/2 Zwiebel

1/4 Apfel

1 Prise Majoran

80 altbackenes Weissbrot

50 ml Milch

Salz, schwarzer Pfeffer

Muskat

Cayenne (Prise)

1 Ei

100 g Kalbsbrät

3 El Sahne

1/2 Tl Knoblauch

1/2 Tl Ingwer

1 El Petersilie

1/2 Tl Orangenzeste

 

Für das Küken:

125 ml Geflügelbrühe

1 kleine Zwiebel

50 g Knollensellerie

50 g Karottenwürfel

1 El braune Butter 1/2 Knoblauchzehe in Scheiben

1 Ingwerscheibe

1 kleiner Thymianzweig

1 Streifen Bio-Zitronenschale

 

Für die Pfifferlinge:

75 g Pfifferlinge

1 El braune Butter

Salz schwarzer Pfeffer

1 Prise gemahlener Kümmel

1/2 Tl Zitronenzeste

1 El Petersilie

 

Danach machte ich zuerst die Semmelfüllung (dazu mußte ich ein Dinkelweissbrot, das ich extra gekauft hatte, in kleine Würfel schneiden und im Ofen antrocknenlassen), stellte die zur Seite und machte das Brät. Nachdem das abgeschmeckt war wurden die beiden Komponenten miteinander vermischt. Ich hatte danach eine ansehnliche Menge Brätmischung. Ich zweifelte, ob das passen würde, vor allem stand im Rezept Schaschliknadeln zum Verschliessen zu nehmen. Die hab ich nicht.

Stattdessen hab ich ein Kochgarn in eine breite Nadel eingefädelt und das Huhn wieder zugenäht. Auch das hat ganz gut geklappt. Jetzt wurde der Ofen auf 180 C erhitzt und es kamen je 50 g Sellerie-, Karotten-, und Zwiebelwürfel in den Bräter. Darauf schüttete ich etwa 125 ml Geflügelbrühe und platzierte das Stubenküken darauf. Es bileb etwa 40 Minuten im Ofen, wobei ich es einmal umdrehte, und einmal zurück.

Schuhbeck ist nicht mein Liebling unter den deutschen Köchen, aber ich habe schon Respekt. Er hat immerhin auch bei Witzigmann gelernt und schon Einiges gerissen. Was mir sehr gut gefallen hat, war, daß er gemahlenen Kümmel mit Zitronenzeste kombiniert hat (hab ich noch nie dran gedacht: war für die Pfifferlinge-super! Ich hab extra den Kümmel ganz frisch in meiner Kaffeemühle gemahlen, hätte ich nicht für möglich gehalten).

Auch die Verwendung von Orangenzeste im Brät kam sehr gut, zumal ich Zitrusaromen ganz allgemein toll finde.

Fazit: Ich hatte ja nichts besseres zu tun, insofern war der frühe Abend nicht vergeudet, sondern Auftakt für ein schönes Abendessen (das allerdings zu zweit schöner gewesen wäre).

Aber alles in allem war es schon ziemlich zeitaufwändig. Und wenn man kein wirklich scharfes Messer im Haus hat (wir reden hier von Rasiermesserscharf) sollte man das Huhn oder Küken vielleicht nur konventionell füllen. Dann kann man es eben nicht quer in Scheiben schneiden 🙂

Bei Schuhbeck gibt es einen normalen Kopfsalat.

Ich hatte Spinat beim Pfälzer gekauft und den mit Knoblauch, Zwiebeln und Muskat (Salz und Pfeffer) abgeschmeckt und in Olivenöl angedünstet. Das passte hervorragend dazu, wie auch die Sauce Brühe aus den Gemüsewürfeln und der Geflügelbrühe. Die war durch die 40 Minuten auch um einiges gehaltvoller geworden.

Es hat sich gelohnt! Und ich war nach einem halben Küken pappsatt.

 

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2 Kommentare zu “Gefülltes Stubenküken

  1. malou sagt:

    Ein super tolles Rezept, sehr aufwendig, aber bestimmt auch seeehhhr lecker. Die Mischung aus Kreuzkümmel mit Zitronenzesten zu den Pfifferlingen muss ich mir merken. Ich war total enttäuscht als ich voller Freude das erste Mal in München bei Schuhbeck gegessen habe, eine Touristenfalle. Aber seine Gewürze sind super!! Da schwöre ich drauf. Respekt du hast das Küken proffessionnell ausgebeint! Das habe ich bis jetzt immer meinem Metzger überlassen. Super gekocht Alex! Danke für dieses Rezept! LG Malou

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  2. Alex sagt:

    Sehr gerne! Nur eines – es war Kümmel, kein Kreuzkümmel, weshalb ich mich so gewundert hatte. Das kenn ich nur zum bayerischen Kraut und Schweinsbraten 🙂
    LG Alex

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