Khoresht-e fesenjan?


Ach du lieber Gott!

Ich weiß gar nicht, wo ich beginnen soll. Die Zubereitung gestaltete sich schwierig. Beim Nachlesen des Rezepts von Wiltrud fielen mir Fragen ein, auf die ich keine Antwort fand.

Einerseits wird eine Ente in Salzwasser gegart, andererseits kommt ein Crockpot zum Einsatz. Das Fett wird weggenommen, ausgelassen, und dann wird die Haut unter das Entenfett gehoben?

Also war ich mit der Interpretation des Textes überfordert. Als nächstes war die Frage nach dem Fett. Es ist zwar nicht meine erste ganze Ente, aber oft mach ich den ganzen Vogel nicht, vor allem nicht, weil ich Entenbrust in der Regel rosa mag. Ich hatte eine irische Ente von 2,3 kg, von der mindestens die Hälfte Fett war. Der hab ich also die Haut abgenommen, eine ziemlich glitschige Angelegenheit, die nur ganz gut geklappt hat, weil ich ein paar scharfe Messer habe 🙂 . Trotzdem brauchte ich etwa 20 Minuten.

Die Haut hab ich nicht so klein geschnitten, sondern in größeren Streifen in einen Topf gegeben und ausgelassen. Die Karkasse hab ich wie Wiltrud auch zum Fond verarbeitet. Das hab ich im Schnellkochtopf gemacht und es gab auch Suppengrün dazu.

Die Walnüsse hab ich relativ klein gecuttert, aber die einzelnen Stückchen waren noch fühlbar. Ich hab sie in Öl langsam angebraten und mit Kurkuma und Safran gewürzt und mit Hühnerbrühe abgelöscht. Dann kam die Mischung bei mittlerer Hitze in den „Crocky“. Da blieb sie fast 2 Stunden, weil ich erstmal Fahrradfahren ging bei ausnahmsweise schönem Wetter.

Wieder zurück kam erst die Nummer mit dem entbeinen und entfetten, dann briet ich die (geringe) Menge an Restfleisch (2 Schenkel, 2 magere Brüstchen und 2 Flügel) in einer Pfanne an, würzte die wieder mit Kurkuma und Safran und löschte nach dem Bräunen diesesmal mit einer Kelle des Entenfonds ab. Das ließ ich wie im Rezept beschrieben, 1 Stunde leise vor sich hin ziehen.

Nach der Stunde waren die Fleischstücke sehr zart und saftig und liessen sich leicht vom Knochen lösen. Ich nahm alle Knochen weg und gab den Rest zur Walnussmischung. Jetzt gab ich die Kerne eines 3/4 Granatapfels in meinen Food processor und cutterte diese. Das hat nicht wirklich toll geklappt, und ich verdrückte sie dann mit einer Gabel, um die Flüssigkeit zu befreien. Insgesamt waren es vielleicht 3 El Flüssigkeit, die man aber überhaupt nicht wahrnahm. Ich wollte nur nicht, nach dem gestrigen Experiment, den Grenadine verwenden. Ich hätte es natürlich auch googeln können, weil es wohl auch nicht zu schwer ist, den selbst herzustellen (im englischen sagt man „Hindsight is 20/20“ was bedeutet, daß man rückblickend perfekte Augen hat…:-) )

Es roch ganz gut, und schmeckte auch gut, nachdem ich etwas Salz dazugegeben hatte, aber eine orientalische Glanzstunde war es nicht.

Dann kam der größte Reinfall: Um 18:00 las ich nochmal das Reisrezept und merkte, daß mir die Zeit dazu nicht reicht. Den Basmati hab ich aber trotzdem gewaschen, bis er nur noch klares Wasser hinterließ. Dann hab ich den, wie immer angesetzt, 1 Teil Reis, 2 Teile Wasser, kurz aufkochen ohne Deckel, dann Deckel drauf, Hitze auf ein Minimum drehen, 20 Minuten und fertig, und siehe da, der Boden war ganz festgesetzt von dem Reis. Ist mir so noch nie passiert! Außerdem war er pappig und schon zerkocht.

Das ist jetzt keine Kritik an dem persischen Reis, weil der ja anders hergestellt wird, aber eher eine Komödie der Irrungen.

Zu guter Letzt machte ich mein Foto, das eigentlich alles aussagt über diesen Versuch. Den Teller hab ich aber leergegessen!

Fazit: Das nächste Mal ess ich das bei jemandem, der sich damit auskennt 🙂

2 gute Sachen: Ich hab Entenfond auch schon eingefroren, und ich habe genug Entenfett, um endlich mal einen Schlegel zu konfieren, und das wollte ich schon lange mal.

 

Koresht-e fesenjan

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16 Kommentare zu “Khoresht-e fesenjan?

  1. Wili sagt:

    oh sorry, ich musste herzlich lachen. Ich lese jetzt noch einmal meine Beschreibung nach, Denn ich habe es gaaaaaaaaaanz ander gemacht, as du. Sowohl die Ente in Granatapfelwalnusssauce, als auch den Reis. Wenn ich derart missverständlich schreibe, dann mache ich ja etwas falsch. Das ist aber nicht der Sinn der Sache und auch nicht meine Absicht.

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    • Alex sagt:

      Beim Reis bin ich wissentlich weggeglitten, weil ich keine Zeit hatte. Der Anfang der Walnuss-Entennummer hat mich ratlos gemacht 🙂

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      • Wili sagt:

        ja, ich habe schon die Stelle erkannt. Das mit der Karkasse, der Haut und dem Entenfett hätte ich in Klammer oder an andere Stelle setzen sollen. Denn beides gehört nicht zum Rezept, sondern ist Resteverwertung nebenbei gewesen.

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      • Wili sagt:

        Nusssauce und Entenfleisch hast du ja zunächst richtig seperat gekocht. Dann hast du statt Granatapfelsirup einen Granatapfel genommen. Eigentlich okay. Doch die Art des Entsaftens war eigenartig und du hast die Kerne nicht ausgesiebt.

        Grundsätzlich sieht dein Fesenjan gut aus, der Reis ist aber eine Katastrophe. Und zum Schluss hast du ja jjetzt auch Entenfond und Entenfett genug wie ich auch.

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  2. Alex sagt:

    Die Kerne hab ich schon ausgesiebt. Ich hätte vorher googeln sollen, da heisst es die Kerne, Zitronensaft und etwas Zucker und Wasser eine Weile zu kochen und reduzieren. Ich denke, dann platzen die auch und für das Süß-Saure Element ist auch gesorgt.
    Und über den Reis müssen wir nicht mehr reden 🙂

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    • Wili sagt:

      Worüber müssen, bzw. sollten wir noch reden? Grundsätzlich hast du es richtig gemacht. Die Nusssauce hätte vielleicht sogar noch ein Stündchen länger köcheln mögen? Anders abschmecken?
      Es muss auch mal schief gehen, um es dann beser zu machen.

      Meine Ente war eine aus Dithmarschen, fleischig, weniger Fett und die Haut ließ sich gut abziehen… sollte ich 20 Minuten gebraucht haben, was ich nicht glaube, habe ich es nicht bemerkt.

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  3. […] der Walnuss hervorhebt. Ein leicht gesüßter Granatapfelsirup betont das Herbe der Walnuss. Nach Alex Desaster mache ich an dieser Stelle nachträglich darauf aufmerksam, dass persischer Granatapfelsirup und […]

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  4. Double five sagt:

    Gut so, man muss auch zu seinen Missverständnissen stehen 😉

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  5. Landidylle sagt:

    Die Ente hat sich sicher nicht oft die Füsse vertreten dürfen, würde Dir am liebsten eine schicken. 🙂

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    • Alex sagt:

      Das Blöde war, daß es 3 zur Auswahl gab – eine von Wiesenhof (das geht für mich nicht), eine aus Diethmarschen (ironisch, nicht) und besagte irische. Die waren vom Preis fast gleich, aber die irische hatte ein besseres Marketing und gaukelte glückliche irische Verhältnisse vor.
      Auf der Webseite sah ich dann, wie groß dieser traditionelle 50 Jahre alte Familienbetrieb ist. Aber, nichts ist so schlecht, als daß es nicht auch etwas Gutes mit sich bringt.

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  6. bag sagt:

    Haha, ich musste auch lachen. Gut, dass das Tier schon tot war. Für mich klingt das Rezept nach Tiermisshandlung … 🙂 . Optisch ist es ein Genuss … Vorsicht, Ironie…

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  7. […] Das passiert manchmal. Wenn es nicht verbrannt ist, poste ich es manchmal zur Mahnung und Erbauung. Das letzte Mal ist nicht lange her (https://heatneat.wordpress.com/2016/04/03/khoresht-e-fesenjan/). […]

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  8. […] für Alex: Am einfachsten lässt sich das liebe Federvieh häuten, indem man es zunächst halbiert und dann […]

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  9. Wili sagt:

    Hat dies auf Rambutan, Granatapfel & Orangenblüte rebloggt und kommentierte:
    Es geht auch schon einmal was daneben….

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  10. […] Nicht immer läuft alles glatt. Was war dein größtes Küchenmalheur? Gerne auch mit Beweisfoto😛 Früher sind einige Sachen ziemlich in die Hose gegangen. Im letzten Jahr hab ich ein Gericht nach einem Rezept von Wili an die Wand gefahren – https://heatneat.wordpress.com/2016/04/03/khoresht-e-fesenjan/ […]

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