Fish’n’Chips


Als knapp 18-jähriger war ich mit einer Gruppe von über 30 Leuten in den Sommerferien bei einem Schüleraustausch der Partnerstädte Mannheim und Swansea (Wales).

Ein Teil (der offizielle) beinhaltete 4 Tage die Woche jeweils 2 Stunden Englischunterricht und einen tollen Ausflug jeden Mittwoch. Weder das Eine noch das Andere war Strafe, sondern hat, auch wegen der Truppe, viel Spaß gemacht. Nach der Schule haben wir uns als kleine Clique in die Stadt gemacht, um Plattenläden umzuwühlen, abzuhängen und natürlich etwas zu essen.

Unser Lieblingsgift waren Fish’n’Chips Shops.

Ich will jetzt kein Hohelied auf die gute alte Zeit singen. Auch 1975 gab es schon Läden, die die traditionelle Zubereitung schon industrialisiert hatten, aber der überwiegende Teil dieser Läden gab die Portion in Papier (weniger in Zeitung), der Fisch wurde im Haus paniert und frittiert, die Chips waren tatsächlich handgeschnitten, schon wegen der Form.

Und auf der Theke standen kleine Spritzflaschen mit Essig (these strange Brits!). Sie lieben es, Essig auf die Fritten zu träufeln. Aber jeder hat ja eine Macke, und nach 3 Wochen hab ich das auch regelmäßig getan.

Ich hab diese Läden dann in Deutschland richtiggehend vermisst, und Nein, die Nordsee ist kein Ersatz.

 

Ich habe natürlich seitdem schon ein paar Mal Fisch paniert, oder panierten Fisch gegessen, aber heute hatte ich die Idee, eine Dillmayonnaise dazuzumachen.

Dazu ging ich zuerst zu meinem italienischen Fischhändler gegenüber, um zu sehen, was er denn da hätte. Er hatte einige sehr edle Fische da, die wohl schon von Restaurants reserviert waren (Heilbutt, 5 Seezungen), dann noch tollen Sashimi Thun und Schwertfisch, aber sonst gab es nur Fische, die sich nicht so gut für Fish’n’Chips eignen. Aber es gab Loins vom Skrei (der im März das letzte Mal verkauft wird), und der hat die Festigkeit und die Dicke, um paniert werden zu können.

Von dem nahm ich ein Stück mit.

Vom teuren Russen (von dem ich übrigens vor kurzem herausfand, daß er viele gute Gastronomen in Pforzheim beliefert) nahm ich eine Gurke und Dill mit.

Beim Bäcker auf der anderen Seite fragte ich nach Semmelbröseln, die aber nicht da waren. Stattdessen gab es ein Baguette, das ich in dünne Scheiben schnitt und bei 50 C im Ofen trocknete. Dann kam es in meinen Handmixer, der es schnell zerbröselte.

Den Fisch hab ich gewürzt, mehliert, in Ei gewendet und in den Bröseln gedreht. Der kam dann in die Pfanne mit etwas Rapsöl. Kräftig, aber nicht zu heiss von allen Seiten braten.

Die Chips=Pommes hab ich aus einer unglaublichen Pfälzer Kartoffel mit Hilfe eines Pommes-Durchdrückers hergestellt. Das ist nicht das mechanische Gerät, sondern nur eine Art Gitter mit zwei Hilfen an den Seiten, die man auf die Kartoffel drücken kann. Es braucht ein gewisses Quantum Gewalt, aber es funktioniert 🙂

Jedenfalls kamen die Pommes dann bei 190 C Umluft in den Ofen. Das ist meine neue Methode, die richtig gut funktioniert und nicht so lange dauert – etwa 20-25 Minuten.

 

Die Mayo machte ich, indem ich ein Eigelb in eine Stahlschüssel gab und tropfenweise (Raps)öl damit verklepperte, bis die Mayo sich fand. Ich insgesamt vielleicht eine halbe Tasse Öl dazugegeben. Außerdem ein kleiner Schuß Weissweinessig/Zitronensaft, Salz, eine kleine Prise Zucker und fein gehackter Dill.

Die Dillmayonnaise hat sehr gut zum Fisch gepasst, hat der Kombi allerdings ein wenig ihre Hemdsärmeligkeit genommen.

Die Pommes hab ich nature gegessen. 🙂

Mir lief die Zeit davon, und die Gurke wird an einem anderen Tag verspeist.

 

Fish'n'Chips 1

 

Fish'n'Chips 2

 

Dillmayonnaise

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2 Kommentare zu “Fish’n’Chips

  1. bodo1979 sagt:

    Hi Alex,
    Da hast du ja einen richtige Klassiker gezaubert. Der Essig ist tatsächlich nicht jedermanns Sache und auch ich hatte bei meinem Irland Besuch durchaus bedenken. Aaber ich fand es mit Essig eigentlich echt lecker und irgendwie gehört es doch dazu.
    Gruß
    Bodo

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