Hähnchen Saubohnen Artischocken Zitronensauce


Es ging heute früh wieder mit dem Fahrrad auf den Markt, in der Hoffnung meinen Käsestand anzutreffen. Aber wie schon letzte Woche waren Herr Ruf und seine Damen wohl noch im verdienten Winterurlaub. Er ist da auch kein Einzelfall: Es fehlen knapp die Hälfte aller Stände, ein Phänomen, das ich vor Jahren auch schon in Karlsruhe um die gleiche Zeit beobachtete. Außerdem gibt es im August auch noch eine entsprechende Auszeit (während der großen Ferien).

Heute hab ich es aber nicht mehr käselos ausgehalten und bin zur Konkurrenz marschiert, wo ich ein Stück Chaource, ein Viertel Coulommiers und einen anderen Camembert kaufte. Ich mußte sie Zuhause gleich ausprobieren und war ziemlich angetan von der Qualität. Sie waren vielleicht nicht ganz so auf den Punkt gereift angeboten worden, aber grundsätzlich waren das auch Fermier-Qualitäten (von kleinen Anbietern, Bauern). Durch die Alternative im Käsebereich hielt sich meine Enttäuschung in Grenzen, und ich schaute, was sonst angeboten wurde.

Der Großhandelstürke hatte interessante Sachen, weiss der Teufel, wo er die Sachen immer wieder zu dieser Jahreszeit und diesen Preisen herholt.

Ich war jedenfalls mehr als angetan, Saubohnen auf seinem Angebotstisch zu finden – jede Tüte kostet €2 und beinhaltet etwa 1 kg von allem Möglichem. In diesem Fall Saubohnen. Die sind normalerweise im April in Sizilien in Saison – wo hat der die her? Aus dem Niger oder sonstwoher? Keine Ahnung. Aber wenn es echte Exoten wären, würden sie richtig Geld kosten (weil sie in der Saison auch schon €4.95/kg kosten). Also ein Schnäppchen! Hat auch genau eine gute Portion gegeben.

Artischocken (junge, kleine) gab es für €1.00/St., Rabatt ab 5 Stück/€4. Ich brauchte aber nur 2. Auch das ist ein guter Preis, obwohl Artischocken gerade im Winter Saison haben (nicht nur).

Ich hab glaub ich schon mehrmals ein Rezept von Marcella Hazan gepostet, bei dem Saubohnen, Artischocken und frische Erbsen unter Zugabe von wildem Fenchelkraut sanft in Olivenöl gegart werden, was ein absoluter Genuss ist. Dafür war es heute noch ein bißchen zu früh, aber ich freute mich auf die Artischocken und die Saubohnen.

Es schmeckt auch immer besser, wenn man sich sein Abendessen erarbeiten muss. Die Saubohnen auslösen, blanchieren, und dann aus ihrer dicken Haut auszulösen brauchte eine 3/4 Stunde.Bei den Artischocken bin ich inzwischen ganz schnell, das hab ich schon relativ oft gemacht. Die wurden dann in mit Zitronensaft gesäuertem Wasser etwa 10 Minuten gekocht, bis sie weich waren. Die Saubohnen hab ich in Olivenöl und ein paar El Wasser erwärmt, mit Fleur de Sel abgeschmeckt und mit einer guten Prise Parmesan versehen. Das gleiche ließ ich den Artischocken zukommen. Das Hähnchenstück wird vom Hähnchenverkäufer Hähnchensteak genannt. Es handelt sich hier um einen entbeinten Hähnchenoberschenkel, auch Ballotine oder Galantine genannt. Es gibt auch noch den italienischen Ausdruck Pollo fino.

Die Qualität war deren Gourmet-Hähnchen, soll heißen, die sind zwar nicht draussen, haben aber innen viel Platz, leben 3x länger als reguläre Hähnchen und bekommen gutes Körnerfutter. 3x so lange leben bedeutet, daß sie fast 100 Tage alt werden, was bei den besten Hähnchen weltweit (Bressehühner) auch nicht viel anders ist (etwa 120 Tage). Der Händler erklärte das anderen Kunden und ich hörte mit. Er meinte noch, daß die Hühner, die um diese Zeit auch draußen unterwegs wären einer anderen Rasse angehörten. Ich kenn mich mit den Rassen nicht wirklich aus, weiß aber, daß die Bresse Hühner (Bresse gauloise) den ganzen Tag draußen verbringen.

Jedenfalls hab ich die Oberschenkel beidseitig gewürzt und in Olivenöl beidseitig angebraten, bevor ich sie bei 180C in den Ofen gegeben habe, wo sie etwa 20 Minuten blieben.

Die Sauce machte ich aus einer Schalotte, die zerkleinert in Olivenöl angebraten wurde, und dann zuerst mit einem guten Schluck Weisswein und dann mit einem Glas Hühnerfond angereichert wurde. Das wurde eingekocht auf etwa ein Drittel der ursprünglichen Menge. Nebenbei knetete ich Butterbällchen mit Mehl. Die kamen dann zum Einsatz und verdickten die Flüssigkeit. Wichtig ist hier ein Schneebesen. Von der unbehandelten Zitrone nahm ich etwa ein Viertel der Außenfläche als Abrieb, außerdem etwa ein Drittel als Saft. Das kam in die reduzierte Sauce. Ich hab sie noch auf Salz abgeschmeckt, aber sie war schon so ziemlich gut.

Nach dem Anrichten hab ich noch den geriebenen Parmesan auf Saubohnen und Artischocken gegeben, etwas Sauce angegossen und mein Vor-Frühlingsessen genossen!

 

Hähnchen Saubohnen Artischocken Zitronensauce 2

 

Hähnchen Saubohnen Artischocken Zitronensauce 3

 

Hähnchen Saubohnen Artischocken Zitronensauce 4

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6 comments on “Hähnchen Saubohnen Artischocken Zitronensauce

  1. Sieht lecker aus! Besonders die Artischocken, ich liebe sie!

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  2. ingahahnel says:

    Feine Sache! Saubohnen hole ich mir auch ab und zu mal aus der TK, dann muss man nur noch die Lederhaut abziehen und gut ist! Thema Käse und Markt…hier in Stuttgart herrscht die gleiche Situation und ich muss noch auf meinen Morbier verzichten! Aber nur noch bis nächste Woche! Lg

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  3. BAG says:

    Smack. Das Huhn klingt auch gut, muss mal sehen, ob man das hier auch irgendwo bekommt. Zum Rest muss ich ja nicht nochmal was sagen… lecker.

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    • Alex says:

      Zur Not kann man den Oberschenkelknochen auch mit einem Schnitt freilegen und entfernen, dann ist das Teil billiger. Funktioniert ähnlich wie ein Luftröhrenschnitt 😉

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