Blumenkohl Haschee


Haschee ist ein Wort, das ich sehr früh lernte. Wir hatten in den 60er Jahren eine Haushälterin, weil meine Mutter und mein Vater beide arbeiteten. Es gab zwar auch einen Kinderhort, den ich auch noch besser kennenlernte, aber eine Zeitlang gab es Brigitte, unsere Haushälterin aus Dresden. Sie war nach dem Krieg zuerst in der „Zone“ geblieben, weil sie dort ein Erbe hatte, konnte sich aber nicht mit den neuen Machthabern anfreunden und verließ ihre alte Heimat, wissend, daß damit der Anspruch auf Haus und Erbe futsch war.

Sie stellte sich etwa 1964 bei uns vor, die letzte einer langen Abfolge von Haushälterinnen, die alle aus irgendeinem Grund nicht passten.

Brigitte war anders. Sie war resolut, aber humorvoll und hatte oft den Schalk im Nacken. Auf englisch würde ich sagen, sie war „no bullshit“.

Man konnte sie nicht anlügen, weil sie das immer gleich erkannte, und sie förderte und forderte meine Schwester und mich. Die ganze Zeit schnodderte sie in ihrem sächsisch, und es war erst Jahre später, daß ich begriff, daß diese Wörter im Westen gar nicht so bekannt waren. Zum Beispiel schimpfte sie mit meiner Schwester und nannte sie eine olle Ka(r)line. Viele Ausdrücke fallen mir gerade nicht ein, aber ich kann mich gut an die Eierpfannkuchen, die es als Belohnung Freitags mit Marmelade gab, oder an die Tatsache, daß es sehr selten Nudeln gab, sondern Kartoffeln, was sonst? Aber sie war eine bodenständige Köchin und die Zeit, die sie durchlebt hatte, war eine harte, entbehrungsreiche gewesen. Das Fleisch, daß meine Eltern einkauften in der Zeit, war hauptsächlich Hackfleisch (sie waren auch nicht reich und kochen konnten beide kaum). Und wenn es dann bei Brigitte zum Mittagessen Fleisch gab, war es oft „Haschee“, also zerkrümeltes Hackfleisch mit oder ohne Saucenansatz, meistens mit Kartoffeln, aber eben immer auch mit Gemüse wie dem Blumenkohl. Und füher hätte es dieses Gericht auf jeden Fall mit Kartoffeln gegeben, zum Sattessen 🙂

Heute hab ich den Blumenkohl in Scheiben geschnitten und in Olivenöl bei mittlerer Hitze in einer Pfanne angebraten. Etwas später kam Zwiebel und Knoblauch und dann das Rinderhack dazu.

Außerdem hab ich 2 Chilis dazugegeben, daß es ein wenig Hitze entwickelt. Ich hab es dann mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt und auch hier eine Prise Za’atar dazugegeben.

Ich hab in einem früheren Post einmal Blumenkohl im Ofen angeröstet, das war ähnlich wie heute. Der Blumenkohl entwickelt Röststoffe, die ihn aus dem dumpfen Umfeld der zu weich gekochten Gemüse heraushebt. Schmeckt gut und noch ein bißchen knackig!

Das Foto ist nix Besonderes, aber es ist ein Montags-Schnellessen ohne Superinspiration. Gut war es trotzdem.

Blumenkohl Haschee Chili

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