Squid walking


Heute gibt es wieder einen Squid. Es ist eine Arbeit, die mir persönlich gut gefällt, weil sie sehr zurückgenommen ist, und dadurch der Figur mehr Raum gibt, Wirkung zu entfalten.

Die Farben (wieder Acryl) werden sehr sparsam aufgetragen, fast wieder weggekratzt. Sie sind so rein, wie sie nur sein können, nur pur aus der Tube, höchstens am Rand gemischt.

 

Ich habe die Umrisse mit Bleistiften verschiedener Stärke gezeichnet. Die Hauptlinie, die der Landschaft, wurde mit einem 4B Bleistift gezeichnet. Die Figur des Squid hingegen brauchte eine 2H Mine.

Hinter dem Blau des Himmels sieht man auch nochmal Linien, die grob andeuten, wo das Blau hinsoll. Das belebte des Blaus kommt davon, es so weit und dünn wie möglich zu verstreichen.

 

Der Squid ist offensichtlich hurtig unterwegs. Kein Wunder, befindet er sich mitten in einer Dünenlandschaft und somit aus seinem natürlichen Element. Man kann nur hoffen, daß er in die richtige Richtung geht und der Weg nicht mehr so weit ist. Ganz unten deutet sich ein fast violetter Streifen an – vielleicht die Rettung?

Das Bild ist voller Bewegung, angefangen von der bewegten Landschaft, zu dem schreitenden Squid bis hin zu dem huschenden Blau.

Die Arbeit misst 21x 29.5 cm, das Passepartout ist 40×50 cm groß.

American pancakes


Ganz selten hab ich morgens Lust auf Pfannkuchen, French Toast oder auch Waffeln, obwohl es eigentlich kein großer Aufwand ist. Das liegt daran, daß ich meistens Eier irgendwelcher Art mache, weil ich Eier liebe und dazu gerne einen getoasteten English muffin mit Marmelade geniesse.

Aber heute musste es sein. Die amerikanischen Pfannkuchen, die fluffiger sind als die deutschen Eierpfannkuchen, gab es bei mir bestimmt das letzte Mal vor fast 40 Jahren. Zuhause haben wir die einige Male gemacht, sie geben sich ja gut her für größere Mengen 🙂 . Ich kann mich auch noch an eine Metalldose mit Original Maple Syrup aus Vermont erinnern, die wir geschenkt bekommen hatten. Der war viel besser als der, den ich heute hatte.

Ich hab für das Rezept nochmal nachgeschaut, erst bei Joy of Cooking, dann bei einer Best of… Seite und dann bei Martha Stewart. Sie nahm mit am wenigsten Backpulver und Zucker, also versuchte ich ihr Rezept ohne das Öl.

Die Pfannkuchen wurden problemlos gut, sehr einfach. Pfanne nur leicht fetten, heiss werden lassen, 1/4 Tasse Teig in die Pfanne geben, Blasen schlagen lassen, wenden, fertig.

Ich hab insgesamt 5 Pfannkuchen gemacht, einen Teil der Pfannkuchen mit dem Maple syrup hab ich nicht fertiggegessen, weil sie nur süß waren und keinen anderen Geschmack hatten.

Die anderen aß ich mit schwarzer Johannisbeerkonfitüre, das war sehr gut!

Das Rezept:

1 cup Mehl

2 El Zucker

2 Tl Backpulver

1/2 Tl Salz

1 cup Milch

3 El geschmolzene Butter

1 großes Ei

Alle trockenen Zutaten verrühren, alle nassen verrühren, die nassen Zutaten schnell mit den trockenen vermischen. Nicht zu lange rühren!

Pfanne heiss werden lassen, 1 El Öl dazugeben und ein Messbecher für eine 1/4 Tasse als Maß nehmen. Ergibt 6 Pfannkuchen von 10 cm Durchmesser.

 

 

 

 

„But their book says: burn and destroy those unbelievers on the other side…“


Was ich heute zeige, ist wieder eine Landschaft. Sie fügt sich ein in die vielen Phantasie-Landschaften, die eher Ausdruck von Innerem als Darstellung von Äußerem sind.

Somit stellt sie keine reale Landschaft dar. Gleichwohl könnte es sie irgendwo auf der Welt geben.

Viele Kunstschaffende lassen sich von den anderen Ausdrucksformen oder  Künsten beeinflussen. Oft gibt es ganz wunderbare Ergebnisse, wenn sich Künstler voneinander beeinflussen lassen. Ich bin schon immer stark an Musik interessiert gewesen. Da ich auch beim zeichnen gerne Musik höre, konnte es nicht ausbleiben, daß die Musik/der Text sich auf die Arbeit niederschlagen.

Der Titel ist vielleicht irreleitend, deshalb ein paar Worte dazu:

Das Teilzitat ist von „Dumb all over“, einem wegweisendem Lied/Rap vom Album „You are what you is“ von 1981. Der ganze Text lässt sich hier nachlesen.

Der Text ist in Anbetracht der politischen Entwicklung der letzten 16 Jahre (eigentlich länger) ziemlich visionär. Er beschreibt die Situation, in der Fanatiker der großen Religionsgemeinschaften zum Krieg gegen den religiösen Gegner aufrufen, wobei beide Seiten sich (natürlich) auf das jeweilige „heilige“ Buch beziehen. Er kommt zu dem Schluss, daß wir uns dumm verhalten, und, weil das Buch behauptet, wir seien in seinem Antlitz erschaffen, folgt daß wenn wir dumm sind, muss es Gott ebenfalls sein (und vielleicht noch häßlich dazu) -„Dumb all over and a maybe little ugly on the side“

Ich bin ein großer Zappa Fan und mochte schon immer seine politischen Kommentare. Ich möchte zwar niemandem zu nahe treten, wenn es um seinen Glauben geht, ich habe es aber auch nicht gern, wenn religiöse Gruppen Sonderregeln für sich in Anspruch nehmen wollen. Das gilt für alle Religionen – ich bin nicht religiös und betrachte zuviel Religion als eine Gefahr für ein demokratisches Staatsgefüge.

Aber genug davon.

Die Landschaft zeigt eine flache Ebene, über der sich große giftige Wolken aufbauschen. Es scheint auch einen Punkt zu geben, von der die Wolken aufsteigen. Hier brennt es.

Die Farben des Aquarells sind in schmutzigem Grün/Grau gehalten, mit Farben wie Braunrot und Ocker, die den erdigen Eindruck verstärken.

 

Die Diagonalen ziehen das Auge des Betrachters an den Punkt, wo sie sich treffen – der Brandstelle. Für mich geben die Farben den ominösen Ton des Textes wieder und übersetzen den Text in diese (Farb)stimmung. Das gelb-braune Feld im Vordergrund stellt ein bebautes Feld dar, das klar macht, daß es sich nicht um braches Land, sondern um eine Kulturlandschaft handelt.

Die Arbeit ist ein Aquarell, das ohne Grundierung auf ein Studienblockpapier gemalt wurde. Das Bild hat eine Größe von 31×23 cm, das Passepartout hat eine Größe von 40×50 cm.

Ceviche


Heute wurde zwar gesagt, daß es nicht so heiß wie gestern werden würde, aber ich durfte 4 Stunden in einem Van verbringen, dessen Klimaanlage nicht funktionierte.

Für mein Gefühl war es mindestens so heiß wie gestern 🙂

Auf der ebenfalls sehr heißen Fahrt nach Hause (ich hab privat gar keine Klimaanlage) wurde mir klar, daß ich heute etwas Kaltes essen wollte. Ich wollte aber auch Fisch, und so kam ich schnell dazu, mir ein Rezept für Ceviche anzuschauen. Das klang so schnell und einfach, daß ich gleich rüber zum Fischhändler ging.

Dort kaufte ich einen Wolfsbarsch und zwei frische Jakobsmuscheln in der Schale. Beim Gemüsehändler nebenan kaufte ich Koriander, Staudensellerie und eine Jalapeno. Daheim hatte ich noch rote Zwiebeln, Knoblauch und drei Limetten.

Ich schuppte den Fisch und filetierte ihn. Die Haut liess ich dran. Ich habe die Filets in Stücke von 2 cm geschnitten. Die wurden dann mit dem Saft von drei Limetten begossen, vermischt und kalt gestellt. Dazwischen wusch und schnitt ich die Selleriestangen in dünne Scheiben, zupfte das Koriandergrün und schnitt auch die Jalapenos klein.

Danach schnitt ich auch die Jakobsmuscheln in Scheiben und legte sie zu den Fischstückchen.

Das alles marinierte etwa 90 Minuten. Es hieß im Rezept, daß man drei Stunden veranschlagen sollte, aber so viel Zeit hatte ich nicht. Es hat trotzdem sehr schön denaturiert und war wunderbar zart. Ich hätte gedacht es wäre saurer, aber die Mischung aus Fisch, Sellerie, Koriander,  Zwiebeln und Knoblauch hat dem schön entgegengewirkt.

Für den Farbkontrast hab ich noch zwei Aprikosen in Scheiben geschnitten und mit angerichtet, aber ein richtiger Gewinn war es nicht. Vielleicht eine dünn geschnittene und marinierte Artischocke?

Aber es war auch so gut, und zwar so sehr, daß ich auch kein Stück Brot dazunahm. Sehr zu empfehlen!

 

 

 

Landschaft, Mensch – Druck


Drucke hab ich bisher nicht vorgestellt. Ich habe auch nicht viele gemacht, weil es einen technischen Aufwand erfordert. Und das bedeutet, daß man jemanden kennt, mit Druckpressen, oder an einer Akademie ein und aus gehen kann, oder viel Geld hat oder sehr kleinformatig unterwegs ist.

Mein Lehrer war ein Meisterlithograf, der aber auch Radierungen aller Art und großformatige Holzschnitte anfertigte.

An einem Nachmittag kam ein Mann, der uns eine Technik erklärte, die er entweder erfunden oder entscheidend popularisiert hatte. Eine Art von Einzeldruck, der mit einem Falzbein, einem glatten messerartigen Gerät aus Hartplastik, das dem Elfenbein nachempfunden wird, durch“gedruckt“ wird.

Um es kurz zu erklären: Man nimmt eine Papp-Platte und klebt weitere Elemente aus Pappe oder auch Papier oder Karton oder eben auch Schnur oder ähnliches auf die Grundplatte. Die wird, nachdem der Papierkleber schön durchgetrocknet ist, mit Schellack verschlossen. Dadurch kann die Pappe nicht durch die Druckfarben aufweichen.

Die Druckplatte wird dann zuerst mit Druckerschwarz (echte Druckerfarbe, also nur löslich mit lösungsmittelhaltigen Mitteln) überzogen. dann abgezogen oder gereinigt (aber ohne Lösungsmittel – es geht darum, einen Rest zu lassen, der sich beim Druck zeigt und ihm Tiefe gibt. Dann trägt man dünn verschiedene Farben auf. legt ein gewässertes Druckbütten darauf, ein weiteres Blatt, damit beim durchreiben das Bütten nicht Schaden nimmt, und reibt dann jeden Quadratzentimeter gewissenhaft und mit viel Druck langsam durch. Dazwischen kann man immer eine Ecke anheben, um den Fortschritt zu beäugen.

Das Schöne an dieser Technik ist, daß es Unikate produziert, was dem Druckprozess eigentlich komplett entgegensteht. Ich gebe aber gerne zu, daß ich von diesem Sujet 4 oder 5 Abzüge gemacht habe, nicht mehr, weil es sehr arbeitsintensiv ist.

Hier ist die Druckplatte, die wie man sieht, schon ein paar Farbaufträge hatte. Man sieht auch sehr schön, wie sie aufgebaut ist, kann genau erkennen, was aufgeklebt wurde.

 

Ich versuchte, eine abstrahierte Landschaft darzustellen. Die gelbe Diagonale links vorne, die Perspektive andeutet, das Rechteck dahinter, das für eine Fläche steht.

Der Stab steht bei mir für den Menschen, der allerdings umschlungen ist von Seilen, von denen er sich nicht befreien kann. Er steht unter einem Dach/Brücke, die allerdings nirgendwo hinführt.

Es gibt ein Fenster, das darauf hindeutet, daß es bewohnt ist oder zur Überwachung benutzt wird (der Kontrast Schutz/Überwachung). Die zaunähnliche Formation bedeutet für mich die Menge an anderen Menschen, die mit dem Einzelnen Beziehungen haben (und auch gebunden sind von Fesseln).

Über der Brücke schwebt eine Wolke, und an der vertikalen Strebe der Brücke lungern weitere Stäbe abseits des Hauptgeschehens herum. Zwischen die beiden wurde ein Keil getrieben. Sie stehen für weitere wichtige Kontakte, allerdings mit schlechtem Einfluss.

Ich hab ehrlich gesagt nicht lange überlegt, bevor ich meine Formen ausgeschnitten und aufgeklebt habe. Aber ich war nach dem Druck des ersten Blatts sehr zufrieden damit.

Heute, mit 35 Jahren Abstand, sehe ich, daß ich meine Auffassung der Welt und der Menschen damals auf diese Art darstellen wollte: Die Conditio humanae -das menschliche Schicksal.

Hier der erste Abzug:

 

Man kann sehen, daß das selektive starke Reinigen verschiedener Teile der Platte dazu führte, daß es weisse Flächen, die im Gesamtbild natürlich gestalterisch eine Rolle spielen.

Man kann auch gut erkennen, daß der Farbauftrag anders als bei anderen Druckverfahren nicht homogen aufgetragen wird/werden kann. Das halte ich eigentlich aber für eine interessante Variante zu den üblichen Druckerzeugnissen, seien sie Radierungen, Lithos oder Holzschnitte.

Der Druck entstand 1981, während ich noch auf der Schule war. Der Druck hat die Größe von 35×25 cm, das Passepartout hat die Größe von 50×60 cm.

 

 

Enz bei Eutingen


Nach dem längeren Post gestern, der irgendwie immer größer wurde, will ich heute kurz und knapp eine weitere Landschaft zeigen. Diese Landschaft gibt es, es ist der Blick auf Eutingen, einem vorgelagerten Stadtteil Pforzheims, wenn man von der Autobahnabfahrt und Richtung Stadt fährt. Ich habe alles weggelassen, was mich von den Hauptlinien abgelenkt hat, also auch alle Gebäude. Das wichtigste für mich war der Flusslauf der Enz, einer der drei Flüsse, die durch Pforzheim fliessen.

Man sieht im Hintergrund die Erhebungen. Pforzheim liegt am Fuß des Nordschwarzwaldes und hat teilweise starke Erhebungen. Die im Bild ist allerdings auf der anderen Seite und ist der letzte Hügel des Kraichgaus 🙂 . Vor der Enz liegen Felder, die zur Strasse hin liegen. Die beiden dunkelgrünen Elemente oben und an der Enz stehen für Wald/Bäume. Man kann in der rechten Seite der gelben Fläche eine hellere Fläche sehen, sie zeigt den Sonneneinfall an.Wenn man der gelben Fläche direkt links davon am oberen Waldsaum folgt, kann man das Heben und senken der Landschaft nachvollziehen.

 

Die Arbeit ist wieder auf grundiertem Aquarellpapier angelegt, auch wieder mit Acrylfarben gemalt. Das Bild hat eine Größe von 27,5×19,5 cm, das Passepartout ist 40×50 cm groß. Das Entstehungsjahr ist 2013 gewesen.

Neureut, 13. Stock


Ich will eigentlich schon seit einiger Zeit einem weiteren grundsätzlichen Kunstfeld etwas Raum einräumen. Der geneigte Leser wird inspiriert durch meine Wortwahl schon ahnen, um was es geht: Landschaftsmalerei.

Sie findet ihre Anfänge dort, wo Künstler einen Hintergrund brauchten für religiöse Bilder, die vom Klerus bestellt worden waren, oder einfach nur, um den Vordergrund besser darzustellen. Aber kurz nach der Entdeckung und Behauptung des künstlerischen Selbstbewusstseins (Albrecht Dürer, da Vinci, Michelangelo) war der Darstellung aller Themen Tür und Tor gebrochen. Wo es vorher nur religiöse Darstellungen und Königsportraits gab, malten Dürer und Co. betende Hände, die eigene Mutter, einen Hasen, ein Rasenstück, und die Landschaft um Nürnberg und Antwerpen.

Das Rad der Stile und Ausdrucksformen begann sich schneller zu drehen.

Ohne hier einen kunstgeschichtlichen Abriss aufzeigen zu wollen, wurden gleichzeitig und auch nacheinander, befruchtet voneinander (durch Kunstreisen und Kontakte zu Künstlern in anderen Ländern) immer neue Möglichkeiten ausgelotet, Landschaft darzustellen.

 

Das ist ein Dürer von 1494. Er wurde 1471 geboren, war also 23, als er dieses Bild aquarellierte. Kurz danach hat er ein sehr berühmtes Selbstbildnis gemalt, das für die Zeit unerhört war. Es sagte, schaut her, ich bin Maler! Sein erstes Selbstportrait entstand aber, als er erst 13 Jahre alt war.

Das Aquarell ist in einer Art gemalt, das versucht, das Gesehene möglichst genau darzustellen, fast wie ein Reporter.

Dürer war aber auch fähig, weiter zu denken:

 

Hier eine Federzeichnung von 1520, gegen Ende seines Lebens. Er war ausserordentlich erfolgreich gewesen, hatte die Niederlande und Belgien besucht, aber auch Itakien, und die deutsche Variante der Renaissance dort gezeigt und dafür deren Varianten in Deutschland verbreitet.

In dieser Federzeichnung hat man den Eindruck, daß die Boote aus einem zusammenhängenden Strich bestehen, der von links unten bis zur Stadt rechts oben führt. Die große Diagonale erzeugt ungemein Spannung und ich finde, es ist eine der gelungensten Raumaufteilungen der Kunstgeschichte geworden. Die Diagonale, die große Horizontale, und dann die große Vertikale rechts die in der Turmspitze mündet. Die Augen folgen der Zeichnung automatisch.

 

El Greco (1541-1614) lebte ein halbes Jahrhundert nach Dürer. Ein Grieche von Geburt, kam er nach Spanien und wurde sehr berühmt. Obwohl er dort auch viele religiöse Themen bearbeitete, gab es auch Ausflüge ins Profane, wie hier die stürmische Landschaft von Toledo. Sein expressiver Stil, der auch in seinen anderen Darstellungen aus der Zeit fällt, lässt ahnen, welche Freiheiten Maler sich zukünftig erlauben würden 🙂

 

Im 17. Jahrhundert waren die Holländer das sine qua non, die Macht, ohne die nichts ging. Das beinhaltete Großbilder (Nachtwache, Rubens-Allegorien, Portraits von Frans Hals, und eben auch schonungslose Bilder von Rembrandt. Es täuscht ein wenig, sie sind immer in ein weiches Licht getaucht, aber was dargestellt wird, ist nicht immer in Ordnung. Man sehe sich seine Selbstportaits oder die seiner Frau an. Auch die Mannen der Nachtwache sind nicht unbedingt vorteilhaft getroffen. Die Landschaft gehört glaube ich zu den allegorischen Landschaften, die zu der Zeit mehr gefallen wußten. Die symbolische Überhöhung entrückte die Landschaft der üblichen Betrachtung und machte sie zu einer Wunschlandschaft.

 

Jean-Antoine Watteau (1684-1720) benutzt die Landschaftsdarstellung (Einschiffung nach Kythera) als Unterstreichung eines Sehnsuchtsbedürfnisses und der Darstellung des Ortes dieser Sehnsucht. Er malt das Bild auch zu einer Zeit, da es die Mode der Adligen ist, sich bäuerlich (ihre Version) zu kleiden, um das sogenannte einfache Leben zu feiern. Das war natürlich eine Lebenslüge, aber sie fand hier ihre Darstellung.

 

Francesco Goya (1746-1828) war erst auch der Maler des Königs am spanischen Hof (nachdem er eine Karriere als Designer von riesigen Wandteppichen hingelegt hatte)

Aber mit zunehmendem Alter wurde er immer kritischer der Macht des Klerus in Spanien gegenüber und schuf ein intensives graphisches Werk, das ihn in große Schwierigkeiten brachte.

Das Bild hier (El Coloso-Der Koloss) ist eines von mehreren Bildern die sich rabiat mit dem Thema von Macht und Machtmissbrauch auseinandersetzen.

Die Landschaft hier ist mit Leichen überzogen, während der Koloss sich entfernt. Man kann davon ausgehen, daß die Landschaft eine Fantasielandschaft ist, andererseits könnte die Landschaft glaubhaft an die Gegend um Madrid erinnern, lebte er doch die meisten Jahre dort. Die dunkle Farbgebung, die auch sehr typisch für den späten Goya ist, transportiert das allgemeine Gefühl, der Vorahnung schrecklicherer Dinge aufs beste.

 

William Turner (1775-1851) hievte die bildnerische Gestaltung sehr früh auf eine abstraktere Ebene. Er gilt als der innovativste Künstler seiner Zeit in England, dem Zeitalter der Romantik. Er war eigentlich ein Akademiemaler, Professor an der Akademie, aber es gab einen Bruch etwa um 1830, wonach er Vor-Impressionistische Bilder malte. Es ist fast, als würde er mit dem Finger in die Zukunft zeigen und den Schleier einen Moment zurückziehen. Er hat auch Bilder gemalt, die Lokomotiven, deren Dampf und Geschwindigkeit zum Thema haben. Die sind besonders toll.

 

Ein etwas untypisches Werk von Monet (1840-1926), das aber zeigt, wie er mit seinem tupfigen Pinselstrich die Landschaft in Punkte auflöst. Er ist nicht der einzige prominente Impressionist, aber vielleicht der erfolgreichste und langlebigste. Er bleibt auch heute ungeheuer bekannt und beliebt. Wichtige Werke hängen in Basel und natürlich in Paris. Mit zu den schönsten Spätwerken sind die Seerosen, riesige Ölgemälde von 5×1.5m, die er in Giverny, seinem Wohnsitz 60 km westlich von Paris gemalt hat.

Die Landschaft ist hier wieder Vorlage und nicht Symbol, aber sie wird durch die Maltechnik in ihre optische Einzelteile zerlegt.

 

Paul Cezanne (1839-1906), ein Zeitgenosse Monets, war dennoch ein Maler, der nicht anders konnte, als die Landschaftsmalerei und auch alle anderen Varianten in geometrische Formen aufzulösen. Am Anfang belächelt, wurde er wegweisend und weltberühmt. Es beziehen sich jede Menge nachfolgende Maler auf ihn, unter anderem Picasso und die anderen Kubisten, alle, die anfingen abstrakt zu arbeiten, und alle, die anfingen expressionistisch zu arbeiten. Nichtsdestotrotz sind seine Landschaften der ehrliche Versuch, das Gesehene so genau wie möglich einzufangen, unter der Voraussetzung, daß alles geometrisch aufgelöst werden kann, versteht sich 🙂

 

 

 

Paul Klee (1879-1940) war ein Maler, der in der Tradition der Expressionisten stand, auch einer berühmten Künstlervereinigung nahe stand (der blaue Reiter)

Er machte auch 1914 eine Reise nach Tunesien mit August Macke und Louis Molliet, die für alle drei Künstler ein einschneidendes Erlebnis waren. Für Klee, der in München studiert hatte und anfangs Landschaften nach Art des Jugendstils malte, bedeutete dieser Einschnitt die Abkehr von realistischer Malerei hin zu einer phantastischen Imagination. Es war ein großes Glück, daß er als Professor ans Bauhaus in Dessau berufen wurde, wo er auch ein großes theoretisches Werk schuf. Man hört vielleicht heraus, daß ich seine Kunst besonders liebe. Jedes Bild ist seine eigene Welt.

Klee schafft hier Landschaften vom inneren Auge heraus, obwohl dieses Bild in Tunesien 1914 entstand, mit einer Vorlage, die es vorort gab.

 

So, und jetzt fühl ich mich ziemlich klein, wenn ich etwas von mir zeigen soll.

 

 

Das Bild ist nicht datiert, aber es ist in den 90er Jahren entstanden. Es war eine Leinwand, es waren Ölfarben. Wir lebten in einem kleinen Penthouse im 13. Stock eines Hochhauses in Neureut, dem größten Stadtteil von Karlsruhe. Es war das höchste Hochhaus weit und breit, höher als die paar anderen in der Stadt. Und in westlicher Richtung lag der alte Teil Neureuts. Ich habe versucht, es einfach hinzuschmeissen, nur Farbe, ein paar Linien und natürlich der Kirchturm, an dem sich das Auge festhalten kann.

Die Leinwand ist auf einen Rahmen gespannt und hat die Größe 40×60 cm. Sie hat keinen äußeren Rahmen.